Push

Autor: Prospero Hall
Verlag: Ravensburger

Spieler: 2 - 6
Dauer:
20 - 25 Min
Zielgruppe: Familie

8
10

Ich hatte mal eine Diskussion, wie viele Regeln das perfekte Spiel umfassen sollte. Mein Gegenüber war davon überzeugt, dass diese maximal eine DIN A6 Seite umfassen darf. Als ich ihm das Zombicide Regelwerk, das ich zu diesem Zeitpunkt gelesen hatte, zeigte, fielen ihm fast die Augen aus. Ich bin mir sicher, dass er mich in diesem Moment als vollkommen verrückt abgestempelt hat.

Aber auch, wenn ich epische Spiele liebe, können mich selbst kleinste Kartenspiele begeistern. Denn diese bringen meist etwas Wichtiges mit, was manch großem Werk fehlt. Emotionale Momente. Hier wird das Tier in uns geweckt. Wir müssen unsere Gehässigkeit hinter keinem diplomatischem Vorhang verstecken, sondern dürfen über das Unglück anderer lachen. Direkt in ihr Gesicht. Da jeder mal eine schlechte Phase hat, wird die Schadenfreude nicht auf dem Rücken weniger ausgetragen. Jeder ist mal dran.

Und so war ich dann auch gespannt, als mir Push in die Hände gefallen ist. Versteckt sich in der Schachtel die nächste Möglichkeit für einen vergnüglichen Abend oder zündet die Idee so überhaupt nicht?


Wer bei Push am Zug ist, deckt Karten von einem Stapel auf. Dies macht er so lange, bis er sich entscheidet aufzuhören oder dazu gezwungen wird. Die gezogenen Karten darf man in bis zu drei Reihen ablegen. Dabei darf in jeder Reihe jedes Symbol, jede Zahl und jede Farbe nur einmal vorkommen. Sonst hat man sein Glück überreizt und wird bestraft.

Bis jetzt ist noch alles in Ordnung. So langsam sollte man jedoch aufhören, um sein Glück nicht zu sehr zu strapazieren.

Beendet man seinen Zug freiwillig, darf man sich eine der Reihen nehmen und in seine Auslage legen. Danach sind die Mitspieler an der Reihe und wählen ihrerseits Karten. Liegt in der genommenen Reihe eine Karte mit einem Würfel, muss man selbigen werfen und verliert alle Karten, die dieselbe Farbe haben, wie das Ergebnis.

Noch mal Glück gehabt. Mit der gewürfelten gelb verlieren wir nur 6 Punkte.

Dies ist übrigens auch die Strafe dafür, wenn man eine Karte in seinem Zug nicht an die drei Reihen legen kann. Zusätzlich geht man dann auch noch leer aus, weil man keine der Reihen zu sich nehmen darf. Wer es nicht ganz so riskant mag, der darf in seinem Zug eine Farbe umdrehen und dadurch alle bisher dort gesammelten Karten sichern.

Die gezogene lila 1 dürfen wir nicht anlegen. Wir müssen also aufhören und würfeln.

Das Spiel endet, wenn der Nachziehstapel leer ist. Nun zählt jeder Spieler die Werte der gesammelten Karten zusammen. Derjenige mit den meisten Punkten gewinnt.


Christian meint:

Ich mag Push your Luck Spiele. Vor allem dann, wenn sie kurz und knackig daherkommen. Meistens ist dann jede Partie eine höchst emotionale Angelegenheit. Hier wird gezockt, sich gefreut oder eben auch mal die Karten verflucht, wenn es mal wieder nicht geklappt hat. Zusätzlich muss man natürlich die Züge der Mitspieler lautstark kommentieren. Sie anspornen, den Karren in den Dreck zu fahren, oder sie vollkommen verunsichern. Das gehört einfach zum Genre dazu und wird auch von Push perfekt ausgefüllt

Die ersten Karten sind gesichert.

Wobei Push natürlich nicht ganz so offen mit seinen Wahrscheinlichkeiten umgeht, wie zum Beispiel ein Formula D. Ich werde nie auch nur grob einschätzen können, wie hoch die Chance ist nun weiter zu machen, da mir hierzu nötige Informationen fehlen. Aber, das muss das Spiel auch nicht, wobei dem entsprechend auch Situationen entstehen können, in denen mein Zug bereits nach der dritten Karte verloren ist, während andere problemlos große Reihen aufbauen können. Das muss man jedoch abkönnen und ist bei einer durchschnittlichen Spieldauer von 10 Minuten auch nicht ganz so schlimm.

Viel wichtiger ist, dass man Push auch richtiggehend dreckig spielen kann - im positivem Sinne. Denn man kann seine Mitspieler durch Glück und geschicktes Agieren dazu zwingen zu würfeln und damit Karten vernichten. Das kommt natürlich nicht bei jedem gut an, für mich ist es jedoch eine wichtige Würze, die einen stets mitfiebern und eben auch schimpfen lässt.

Wir spielen Push trotz der vielen absolvierten Partien immer noch gerne. Zwar nicht mehr in der Häufigkeit, wie zu Beginn, als wir uns zwingen mussten aufzuhören, aber dennoch immer wieder. Auch neue Spieler lassen sich ohne große Erklärungen direkt integrieren, so, dass es einen festen Platz in unserer Sammlung innehat.

Das gefiel uns:

  • Schnelle Emotionale Spiele.
  • Jeder kann mitmachen.
  • Hier darf geneckt werden.

Das nicht so:

  • Mit Leuten, die sich nicht lauthals ärgern, nur halb so lustig.
  • Keine echte Einschätzung des Risikos möglich.

Zusammenfassung

Fieses, kleines Push-Your-Luck Spiel, welches stets eine hochemotionale Angelegenheit ist.
Push kaufen:

 
Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.
Mehr Informationen zu Affiliate Links und Rezensionsexemplaren findet ihr in unserer Übersicht zur Transparenz und in den Bestimmungen zum Datenschutz.

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Christian Renkel
Written by Christian Renkel
Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist. So erreicht ihr ihn: Christian@Spielstil.net
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