Owly Tribe (Kickstarter Prototyp) – Hellion Cat Studio – 2018

“Ich bin der Schrecken, der die Nacht durchflattert.”, tönte es in den 90ern aus den Flimmerkisten, als Darkwing Duck auf Verbrecherjagd ging. Doch passt die Eule dann doch besser zu einem nachtaktiven Federvieh, als es eine Ente vermag. Und genau diese Eulen sind die Protagonisten von “Owly Tribe”, einem Spiel, das ab dem 03.10. auf Kickstarter um eine Finanzierung bittet. Wir konnten den Prototyp ausgiebig testen, so dass wir euch erzählen können ob sich das Projekt lohnt.


Auch die Eule ist ein Richter in ihrer Höhle.

(ungarisches Sprichwort)

“Owly Tribe” ist an “Las Vegas” angelehnt. An ausgelegten Orten liegen Totems, die es zu erobern gilt. Sind wir am Zug legen wir einen unserer 4 Würfel auf einen der Orte. Wer die Mehrheit hat, darf sich nicht nur zuerst ein Totem aussuchen, sondern auch die Sonderfähigkeit des Ortes nutzen. Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Denn die Werte 1 – 4 erhalten in jedem Durchgang Sonderfertigkeiten, die die Spieler selbst festlegen.

Nach 3 Durchgängen werden die gesammelten Punkte durch Totems, Fähigkeiten oder gesammelter Symbolkombinationen zusammengezählt. Wer die meisten hat, gewinnt.

In dieser Galerie findet ihr einen kurzen Ablauf des Spiels:

Im Spiel zu Dritt zeigen wir euch ein paar Beispielzüge aus Owly Tribe.
Jeder Spieler wirft seine 4 Würfel.
Es ist wichtig zu wissen, welche Ergebnisse die Gegner haben.
Denn, beginnend mit dem Startspieler, legen wir Reihum eine Sonderregel aus. Diese gilt immer dann, wenn ein Würfel mit dem passenden Wert verwendet wird.
Jeder Spieler hat dafür sein eigenes Deck.
Mal werden Würfelwerte beeinflusst. Mal ihr Standort.
Nachdem alle Felder gefüllt wurden, geht es weiter.
Blau ist am Zug und legt seine 2 auf diesen Ort.
Die 2 würde dieses Ereignis auslösen. Da jedoch noch keine anderen Würfel im Spiel sind, passiert nichts.
Wir selbst haben eine 4 ausgelegt und lösen dabei dieses Ereignis aus.
Wir wählen eine gelbe 1 und entscheiden, dass die blaue 4 betroffen ist.
Wie auf der Karte angegeben, tauschen die Würfel ihre Werte.
Lila legt eine 5. Da nur die Ergebnisse 1 - 4 Sonderregeln auslösen, passiert nichts weiter.
Etwas später legen wir die 2.
Dafür dürfen wir 2 benachbarte Würfel auf den soeben verwendeten Ort legen.
Wir können jedoch nur einen blauen Würfel nehmen. (Anmerkung: Von uns geplant ist im nächsten Schritt einen weiteren 2er auf den Nachbarort zu legen und alle beiden blauen Würfel dort hin zu bugsieren.)
Sind alle Würfel gelegt kommt es zur Auswertung. Der Spieler mit dem höchsten Ergebnis darf sich zuerst einen anliegenden Totempfahl aussuchen, danach der mit dem zweithöchsten.
Lila nimmt den 5er mit dem Tipi-Symbol
Für uns bleibt dann noch die 3 übrig.
Außerdem muss der Spieler mit dem höchsten Ergebnis die Fähigkeit des Ortes durchführen. Hier erhält lila 3 Punkte.
Haben zwei oder mehr Spieler genau dasselbe Ergebnis, werden ihre Würfel ignoriert.
Sind alle Orte ausgewertet wandert der Startspieler nach links. Dieser darf dann einen der ausliegenden Orte auswählen und durch einen zufällig gezogenen, neuen ersetzen.
Nach 3 Durchgängen werden die Punkte gezählt. Es zählen die aufgedruckten Werte und die Symbol-Aufträge, die man erfüllen konnte. In diesem Beispiel hätten wir 27 Punkte gesammelt (23 durch die Totems und 4 durch die 3 Federn).

Wer nun die meisten Punkte hat, gewinnt.


Eulen und Falken sitzen nicht auf demselben Balken.

(Sprichwort)

Das erste, was einem bei “Owly Tribe” auffallen wird, ist die wunderschöne und stimmige optische Aufbereitung. Diese, gepaart mit relativ einfachen Regeln, sorgen dafür, dass man auch spielfremde Menschen zu einer Partie bewegen kann. Was sich dann auf den ersten Blick wie eine “Las Vegas” Kopie anhört, spielt sich bei näherem Hinsehen wesentlich konfrontativer und taktischer. Alle Informationen sind zu jeder Zeit offen. Man versucht also seine eigenen Möglichkeiten und die Züge der Gegner einzuschätzen. Diese überraschen einen dann jedoch regelmäßig, so dass dem Spiel ein gewisses chaotisches Element vergönnt ist.

Das Ganze funktionierte in unseren Testpartien sehr gut mit 2 – 4 Spielern. Die Partie mit 5 oder 6 Spielern hatten wir auf Anraten des Verlages nicht mehr getestet. Hier arbeiten die Hellion Cat Studios mit Hochdruck an neuen Regeln, damit auch diese Partien rund laufen und mit wenig Downtime auskommen. Außerdem hoffen wir, dass die Texte der Karten noch verfeinert werden. Manche von ihnen sind etwas zu offen formuliert, so dass zweideutige Auslegungen der Regeln entstehen.

“Owly Tribe” ist ein kleines, aber feines Spiel mit Ecken und Kanten. Das Spiel ist nichts für schlechte Verlierer – dafür ist es zu Hinterhältig. Nicht nur das Verhalten der Mitspieler, sondern auch die Strafen durch Mehrheiten in bestimmten Orten, sind zwar für mich stimmig, dürften aber nicht jedem gefallen. Man sollte “Owly Tribe” auch nicht zu verbissen sehen. Denn viele Faktoren führen zum Sieg. Einer davon ist natürlich auch Glück. Ein anderer das Wohlwollen der Mitspieler. So muss nicht unbedingt der beste Spieler gewinnen.

Uns hat “Owly Tribe” recht gut gefallen. Nicht perfekt, aber dennoch unterhaltsam. Und, ich muss es nochmal sagen, die Bilder (vor allem die der Eulenkrieger) sind einfach toll. “Owly Tribe” ist kein Spiel, welches ich ständig spielen möchte (dafür fehlt dann doch etwas Substanz), welches aber immer wieder als Aufwärmer oder Absacker auf unserem Tisch landen wird.

Owly Tribe

Hellion Cat Studios 2018


Autoren: Eleanor Ernaelsteen
Dauer: ca. 10 – 15 Minuten je Spieler
Spieler: 2 – 6
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen

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