Medical Frontier – Big Fun Games – 2027

Ich liebe die Messe in Essen. Ich weiß, die letzte ist schon ein paar Monate her, aber dennoch ist es mir wichtig sie zu erwähnen. Denn nur dort schafft man es Spiele abseits des Mainstreams zu finden. Viel zu viele, um sie alle zu spielen oder auch nur anzusehen. Dementsprechend brauchen die Titel dann schon etwas, das die eigene Aufmerksamkeit auf sie zieht. So ist mir es dann 2017 bei “Medical Frontier” passiert. Ich hatte das Spiel bereits vor meinem Besuch auf der Liste. Auf der Messe habe ich dann den Autor kennengelernt. Ein sehr netter, umgänglicher Typ, mit dem ich mich gerne noch länger unterhalten hätte, wenn nicht bereits der nächste Termin gewesen wäre.

Aber schon allein dieses kurze Treffen hatte mich darin bestärkt, dass ich mir “Medical Frontier” anschauen sollte.


Glück, das ist einfach eine gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis.

(Ernest Hemingway)

In “Medical Frontier” müssen wir unsere Gelder geschickt einsetzen, um Medikamente zu entwickeln. Dies tun wir in Form von Kartensammlungen, die wir in bester Poker-Manier zusammenstellen. Doch nur wer die Stärke richtig dosiert und die Nebenwirkungen im Auge behält wird zuerst die benötigten 300 Punkte sein Eigen nennen. 

In dieser Galerie findet ihr einen kurzen Ablauf des Spiels:

Zu Dritt wagen wir uns in den Dschungel der Medikamentenforschung.
Laut Spielreihenfolge sind wir Startspieler der Runde.
Wir haben insgesamt 5 Würfel, die wir einsetzen können.
Der erste wandert in den Einkauf.
Wir suchen uns dafür diese Karte aus, die aktuell 1 Würfel kostet.
Diese nehmen wir auf die Hand.
Danach wandert ein weiterer Würfel in den Einkauf.
Und wir schnappen uns die nächste 1er Karte.
Dann schieben wir noch 2 Würfel hinterher.
Und nehmen eine Karte die 2 kostet.
Zuletzt investieren wir 1 Würfel in die Forschung.
Dafür dürfen wir eine unserer Karten auf ein beliebiges Forschungsprojekt spielen.
Am Ende des Zuges werden alle übrigen Karten nach links verschoben und die leeren Stellen aufgefüllt.
Blau investiert insgesamt 4 Würfel für den Einkauf.
Und schnappt sich dafür eine 1er und eine 3er Karte.
Den letzten Würfel platziert er in der Forschung.
Dafür spielt er eine 6 aus.
Grün kauft für 3 Würfel ein.
Er nimmt sich dafür eine 1er und eine 2er Karte.
Danach forscht er zweimal.
Dazu legt er eine 5 und eine 8 in eines seiner Projekte.
Unsere Spielreihenfolgemarker wandert ans Ende der Schlange. Blau ist nun der neue Startspieler.
Wir überspringen ein paar Züge, da darin immer dasselbe passiert. Wir steigen hier wieder ein, als wir einen Würfel bei den "Vorklinischen Studien" platzieren.
Wir entscheiden uns, dass wir dieses Medikament entwickeln möchten. Dafür benötigen wir eine Straße.
Diese haben wir mit den Werten 7 - 11 gesammelt.
Es wird ein "Vorklinisch" Plättchen angelegt. Dadurch sehen wir, wie stark das Medikament für das restliche Spiel sein muss. Es werden insgesamt 9 Spritzen benötigt.
Leiden haben wir nur 8 Stück ausliegen.
Je fehlende Spritze erhalten wir einen -5 Punkte Marker.
Im Anschluss testen wir unser Medikament an Menschen.
Es wird ein Plättchen für klinische Tests angelegt. Von den einzelnen Nebenwirkungen darf keine der abgebildeten größer als 5 sein.
Das haben wir nicht geschafft. Unser Medikament verursacht böse Magenschmerzen der Stärke 8. Wir haben den Wert also um 3 Punkte überschritten.
Unser Medikament braucht dementsprechend noch 3 Runden, bis es zugelassen wird. Das wird in der Reihenfolge markiert.
Doch wir kennen da ein paar Leute, die gerne Spendengelder entgegennehmen. Wir platzieren 3 Würfel.
Je Würfel wird unser Medikament 1 Feld weiter nach oben in der Zugreihenfolge bewegt. So weit, dass wir es sofort auf den Markt bringen könnten, wenn wir noch einen Würfel hätten. Wir müssen also warten, bis wir wieder am Zug sind.
In unserem nächsten Zug vermarkten wir uns neues Medikament.
Wir erhalten das passende Punkteplättchen. Da wir als erster dieses Medikament herausgebracht haben, gibt es noch 20 Bonuspunkte. Verrechnen wir unsere 5 Minuspunkte, die wir aufgrund der fehlenden Stärke eingefahren haben, hat uns die Veröffentlichung insgesamt 95 Punkte beschert.
Wer zuerst 300 Punkte gesammelt hat gewinnt das Spiel.

Kein besseres Heilmittel gibt es im Leid, als eines edlen Freundes Zuspruch.

(Euripides)

Medizinische Forschungen und die Entwicklung von Medikamenten sind als Thema in Brettspielen vollkommen unterrepräsentiert. Dementsprechend frisch und interessant kommt “Medical Frontier” beim ersten Kennenlernen rüber. Beschäftigt man sich dann näher mit dem Spiel kommt ein Gefühl auf, welches sich in der ersten Partie noch weiter verstärkt. Der Mechanismus ist für das bisschen Spiel dahinter leider zu umständlich und klobig. Und auch, wenn viele über eine redaktionelle Bearbeitung schimpfen und das Glätten verpönen, es hätte diesem Spiel sehr gut getan.

Herzstück sind natürlich erst einmal die Karten, die man zur Herstellung von Medikamenten benötigt. Wobei man sagen muss, dass sich die Karten mit den Werten 1 – 5 vollkommen nutzlos anfühlen. Oft ist man am Zug und möchte höherwertige Karten sammeln. Diese liegen jedoch nicht aus. Nun könnte man seinen Zug verschwenden, indem man unnütze Karten kauft. Aber dann hat der nächste Spieler eventuell die viel interessanteren Karten zur Auswahl. Was wiederum nichts ausmacht, wenn wir selbst der nächste Spieler sind (darauf komme ich gleich zu sprechen). Aber das kommt zu selten vor. Agiert jeder Spieler auf die Art kommen wir meist früher, als später in eine Art “Machtvakuum”. Heißt, die schlechten werden nur dann gekauft, wenn man einen Sinn darin sehen kann. Wenn nicht, bleiben sie liegen. Denn es ist lukrativer auf seinen Zug komplett zu verzichten, als dem Gegner eine Vorlage zu liefern.

Was mir ausgesprochen gut gefallen hat, ist die Spielerreihenfolge. Diese bietet mir einen guten Überblick über die nächsten Runden, was ein gewisses Grad an Planungssicherheit bringt. Außerdem sind so immer wieder Doppelzüge möglich, die einen, wenn man sie geschickt nutzt, voranbringen.

Leider fehlt “Medical Frontier” neben einzelnen, guten Ideen dann noch genügend Spiel, um die Repetition, die darin steckt, zu überdecken. Man sammelt Karten, spielt sie umständlich aus und muss sie über mehrere Aktionen auf den Markt bringen. Heißt, eine einfache, wahrscheinlich auch schnelle Spielidee wurde künstlich aufgebläht, was dem Spiel leider nicht gut tut. Denn, man erwischt sich dabei, dass man sich immer wiederholt.

Schade, denn mir gefällt die Idee dahinter inklusive der beachteten Abläufe und Probleme. Hier wirken sie aber wie Fremdkörper, was zu einem mittelmäßigen Spielerlebnis führt. Dennoch gibt es natürlich auch bei “Medical Frontier” die Momente, die dennoch spaßig sein können. Doch sieht man immer wieder den unbehandelten Diamanten durchblitzen, der geschliffen gehört hätte. Und das macht einen fast schon traurig.

 

Medical Frontier

Big Fun Games 2017


Autor: Chu-Lan Kao
Dauer: ca. 10 – 15 Minuten je Spieler
Spieler: 2 – 5
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen

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