SPIELSTIL Rezension

Maximum Apocalypse

Lesezeit: 5 Minuten

Ein Spiel entwickelt von Mike Gnade
erschienen bei Grimspire

- 11.Dez.2020

Wenn es zu Ende geht mit unserer Zivilisation, dann ist es doch im Grunde egal, weshalb – Roboter wie bei Terminator, Aliens wie bei Independence Day, Zombies aus The Walking Dead oder doch Mutanten aus Resident Evil? Die Menschheit ist ohnehin verloren, die letzten Überlebenden versuchen in den Trümmern der einstigen Städte irgendwie zu überleben. Kaum verwunderlich, dass also bei Maximum Apocalypse von Grimspire die Antagonisten austauschbar sind, während die Kulisse und vor allem die Protagonisten, unsere Helden, dieselben bleiben. Illustre Gestalten wie Mechanikerin, Veteran (samt treuen Gefährten, seinem Hund) oder Chirurgin – jeder hat etwas zum Überleben der letzten Menschen beizutragen.

Ich bin mir nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.

(Albert Einstein)

Das Spiel kommt dabei mit den genannten vier Antagonisten daher. Jede Gruppierung (Zombies, Mutanten, Roboter, Aliens) hat drei aufeinander folgende Missionen, in denen die Überlebenden versuchen, diese zu besiegen. Die Überlebenden kommen in sechs Archetypen oder Klassen daher: Jägerin, Chirurgin, Veteran (mit Hund), Mechanikerin, Revolverheld und Feuerwehrmann. Jeder dieser Charaktere hat sein eigenes Kartendeck mit Ausrüstung, speziellen Fähigkeiten und natürlich Waffen. Für die einzelnen Szenarien gibt es eine ganze Reihe von sogenannten „Suchkarten“, die je nach Szenario neu ausgewählt und zusammengestellt werden. Als Karte oder Spielplan dienen schließlich eine Reihe von Pappplättchen, die verdeckt zu einem Plan ausgelegt werden und über die dann die Papp-Standees er Helden bewegt werden.

Der Spielablauf ist derweil relativ simpel: Die Überlebenden sind abwechselnd am Zug, neue Ausrüstung zu spielen und sich über die Karte zu bewegen. Dabei müssen sie sich sowohl der Gegner erwehren als auch den ständig wachsenden Hunger bekämpfen. Haben sie alles beisammen, was im aktuellen Szenario benötigt wird, steigen sie in ihren treuen VW-Bus und fahren weiter. Dabei fungiert ihr Kartendeck gleichzeitig als ein Timer: Ist das Deck leer, ist ihre Zeit abgelaufen und die Partie verloren. Also heißt es, Eile an den Tag legen, die gesuchten Orte zu finden oder die notwendige Ausrüstung zu ergattern.

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Gleichzeitig sammeln sich an allen Orten Gegner, bestimmt durch zwei Würfen, und betritt man dann so ein Nest, dann muss man sich besser vorbeischleichen – oder sich den Gegnern zum Kampf stellen. Da hat jeder Held seine eigenen Stärken und Schwächen, was Schleichen, Kampf oder auch Unterstützung in Form von Lebensmitteln oder Heilung angeht.

Wenn die Welt demnächst untergeht, können wir später voller Stolz sagen: ‘Ich war dabei.

(Walter Ludin)

Thomas meint:

Als ich Maximum Apocalypse das erste Mal in meinen Händen gehalten habe, war ich schier begeistert, von der Optik – in elegantem, matten Schwarz gehalten, das Logo des Spiels in Weiß und Rot aufgedruckt. Dann, nach dem Öffnen die Artworks – in relativ grobem Comic-Stil sind die Karten illustriert, mit schroffen Outlines. Geradezu perfekt passend zu dem Thema Endzeit. Die Spielplanteile sind aus dicker Pappe und ebenso in diesem Stil klar illustriert. Dann die Token – Munition, Treibstoff und „Gegner“ – sind aus Holz und teilweise gefräst. Da kann sich manch ein Spiel eine Scheibe von abschneiden!

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Also – Alles in allem sind das Spielmaterial und auch die Optik des Spiels wirklich von allererster Güte!
Dann habe ich die Anleitung gelesen und das Spiel gespielt. Tiefer kann man nicht fallen, möchte ich meinen. Es beginnt beim Setup. Für eine Partie müssen drei Suchstapel zusammengestellt werden. Bei jedem Szenario ist die Anzahl der entsprechenden Karten angegeben, zum Beispiel „4x Lebensmittel“. Nun ist es aber so, dass es nicht einfach eine Karte „Lebensmittel“ gibt, sondern es gibt verschiedene Karten „Lebensmittel“ mit unterschiedlichen Werten – man muss also alle „Lebensmittel“ mischen und 4 zufällig ziehen. Und das gilt nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für andere Kartenarten wie „Munition“. Und natürlich muss man all diese Karten am Ende einer Partie auch wieder auseinander sortieren.

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Hat man das bewältigt, muss man den Stapel an Orten zusammenstellen. Noch mehr als zuvor bei den Karten gibt es hier quasi von jedem Ort mehrere Versionen mit unterschiedlichen Werten – also auch hier mischen, zufällig auswählen. Hat man dies erledigt, legt man die Orte in einem Muster nach eigenem Gusto (verdeckt) aus, und das Spiel kann quasi beginnen.

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Nun wäre all diese Vorbereitung überhaupt nicht so schlimm, wenn man mit einem epischen, langen und strategischen Spiel belohnt werden würde. Leider ist es aber so, dass nun das eigentliche Glücksspiel beginnt: Man zieht jede Runde Karten von dem Überlebenden-Deck, bewegt sich auf der Karte und erkundet diese und sucht nach den wichtigen Lebensmitteln, um nicht zu verhungern – und nach den relevanten Quest-Gegenständen. Da es hier keinerlei Steuerung der Kartendecks gibt, gibt es auch keine Progression in der Spannung oder der Schwierigkeit. So kann ein Spiel ein reiner Durchmarsch sein, weil man in den ersten 2-3 Karten des Suchdecks bereits die benötigten Karten zieht, und auf den Orten, die man zum Ziel aufdeckt, keine Gegner auftauchen – oder aber man sucht und sucht, findet keine Lebensmittel, verhungert elendig, während man nur die stärksten Gegnertypen vom Deck zieht.

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Und hier tritt das eigentliche Problem im Design zutage: Entweder ich habe ein schnelles Bier & Brezel-Spiel, das ich mal eben aus dem Regal hole und schnell herunterspielen kann – Oder ich bereite ein Spiel aufwendig vor, um dann eine lange, epische Partie zu spielen. Hier treffen leider diese beiden Welten in der schlechtesten Kombination aufeinander.

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Den krönenden Abschluss bilden dann noch, Fehler in den Szenarien und unklare Regeln, sodass man sich fragt, ob dieses Spiel überhaupt ordentlich redaktionell bearbeitet wurde. Ich jedenfalls bin maßlos enttäuscht davon.

Dir hat die Rezension gefallen? Du denkst wir liegen völlig daneben? Lass uns wissen was du denkst.

Maximum Apocalypse von Mike Gnade

Das Spiel würde als lockeres Bier & Brezel-Spiel taugen, wenn das Setup nicht so endlos überladen und mühsam wäre. So ist es leider weder schnell zu spielen, noch lohnt der immense Setup-Aufwand für das, was das Spiel bietet.

Spielstil – Wertung

Thomas:

4/10
Das gefiel uns
  • Das Spielmaterial hat tolle Qualität.
  • Das Artwork ist stimmig und thematisch.
Das nicht so
  • Äußerst langwieriges und kompliziertes Setup.
  • Komplett zufälliger Ablauf.
  • Damit keine Steigerung in der Spieldramatik.

Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

Mehr Informationen zu Affiliate Links und Rezensionsexemplaren findet ihr in unserer Übersicht zur Transparenz und in den Bestimmungen zum Datenschutz.

Thomas Büttner

Tom schätzt neben komplexen Euros auch thematisch satte Solitär-Meisterwerke - und natürlich feine App-Umsetzungen. Dabei wird er schon mal ungehalten, wenn die Steuerung umständlich ist oder das User Interface unintuitiv.

So erreicht ihr Thomas:

3 Comments
  1. Hi Tom, haben das Spiel seit einem Jahr. 10 x gespielt, im Schrank verschwunden. Es hat uns gelangweilt. Da baut man ewig auf und dann passiert so wenig. Da ist das ähnlich gelagerte ( Mechanik ) Burgle Bros 3 Klassen besser. Dann gefiel uns auch das Design nicht.

    Gruß
    Ralf und Sabine

    Reply
    • Portrait Tom

      Hallo ihr Beiden,

      Meint ihr, wir sollten uns Burgle Bros auch mal ansehen? ?

      Liebe Grüße,
      Tom

      Reply
      • Hi Tom, ist dasselbe Spielprinzip wie Apocalypse Aber viel eleganter und auch spannender inszeniert.
        Können wir empfehlen…..

        Reply

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