Masmorra: Dungeons of Arcadia – Cool Mini or Not – 2017

Für mich hat alles irgendwie mit “Hero Quest” angefangen. Mein Onkel hatte es damals “für sich” gekauft und Stunde um Stunde mit uns gespielt. Inzwischen sind fast 30 Jahre vergangen und das System “Hero Quest” hat trotz all der Nostalgie und rosaroten Brille ziemlich Staub angesetzt. Da kam mir “Masmorra” gerade recht. Ein leichtes, schnelles System in einem moderneren Gewand. Alles auf Deutsch, also auch gut spielbar mit meinem Sohn, der nun Keule schwingend durch Kerker zieht, um Goblins einen neuen Scheitel zu verpassen.


Die Vernunft ist eine Fackel in einem Kerker.

(Friedrich von Schiller)

“Masmorra” hat zwei verschiedene Spielmodi. Im kooperativen ziehen wir los um gemeinsam einen Dungeon zu erkunden, Monster zu verkloppen und Endgegner zu besiegen. Unsere Aktionen werden dabei durch Würfel, freigeschaltete Talente und Karten beeinflusst. Besiegen wir Monster erhalten wir Erfahrungspunkte und werden besser.

Der kompetitive Modus spielt sich ähnlich. Nur behindern wir hier durch erworbene Schatzkarten und der Gegnerbewegung unsere Mitstreiter, damit wir mit den meisten Erfahrungspunkten das Spiel gewinnen.

In dieser Galerie findet ihr einen kurzen Ablauf des kompetitiven Spiels:

Hier zeigen wir euch ein paar Züge des kompetitiven Modus von "Masmorra". Damit es etwas Abwechslung gibt, habe ich entgegen der Anleitung beiden Charakteren bereits die ersten Talente gegeben.
Wir beginnen und werfen die Würfel.
Zuerst verwenden wir einen Schritt.
Für diesen bekommen wir 2 Bewegungspunkte. Den ersten setzten wir ein, um einen angrenzenden Raum zu erkunden. Wir ziehen eine Schatzkammer.
Diese legen wir angrenzend an unser aktuelles Plättchen.
Der Schädel auf dem neuen Raum zeigt an, dass ein kleines Monster dort erscheint.
Wir werfen einen blauen Würfel und legen das so erhaltene Monster in den Raum.
Unseren zweiten Bewegungspunkt verwenden wir, um in den neuen Raum zu gehen.
Danach verwenden wir ein Schwert, um dieses in 2 Schwerter und 1 Schild umzuwandeln.
Mit diesen greifen wir an. Unser Gegner hat 2 Schilde, die wir mit unseren 2 Schwertern zerschlagen. Da wir einen Nahkampfangriff ausgeführt haben, schlägt das Monster zurück. Laut Würfel mit 1 Angriffspunkt, den wir mit dem Schild abwehren.
Das Monster ist besiegt und wird entfernt.
Auf dem Würfel ist angegeben, dass der Gegner 2 Erfahrungspunkte einbringt.
Diese ziehen wir vor.
Außerdem erhalten wir eine Schatzkarte.
Ein weiteres Schwert geben wir ab, um die Truhe im Raum zu öffnen.
Wir erhalten die darauf liegende Goldmünze.
Zusätzlich bekommen wir einen weiteren Erfahrungspunkt. Mit diesem hat unser Held einen Stufenaufstieg freigespielt.
Wir entscheiden uns dazu dieses Talent zu steigern und erhalten für die Zukunft einen Wolfsbegleiter.
Außerdem erhalten wir aus der Truhe eine Schatzkarte.
Zuletzt spielen wir die Schatzkarte Kettenblitz.
Da unser Gegner im Nachbarraum steht trifft dieser ihn.
Er erleidet einen Punkt Schaden.
Da weder Monster noch Portale im Dungeon sind, endet unser Zug. Unser Gegner wirft die Würfel.
Er entscheidet sich zwei neu zu werfen.
Auch er beginnt mit einer Bewegung.
Er legt einen neuen Raum mitsamt Monster an.
Danach zieht er hinein.
Er gibt dann einen Bogen, ein Schwert und einen Schild aus. Hätte der Angriff nur aus Fernkämpfen bestanden, wäre nichts passiert. Aber so schlägt das Monster mit 3 Schaden zurück. Einen kann unser Gegner mit dem Schild abwehren.
Es bleiben aber noch 2 Schaden, die er abtragen muss.
Die zwei Erfahrungspunkte für das Monster schreibt er sich gut.
Unser Gegner hat eben Erfahrungspunkte erhalten. Wir spielen die Karte "Benommen", um ihn einen davon zu stehlen.
Dieser wehrt unsere Karte jedoch mit einem "Gegenzauber" ab.
Zuletzt erhält unser Gegner eine Schatzkarte für das besiegte Monster.
Es befindet sich kein Monster im Dungeon, sonst dürfte unser Gegner dieses bewegen. Aber nun haben wir ein Portal.
Durch dieses kommt wieder ein kleines Monster herein. Der Nachschub ist gesichert.
So geht das Spiel weiter, bis ein Spieler 16 Erfahrungspunkte erreicht hat. Es können nun noch Schatzkarten eingelöst werden. Wer danach die meisten Erfahrungspunkte hat, gewinnt das Spiel.


Ich habe mir selber den Kerker gemauert.

(Henrik Ibsen)

“Masmorra” hat ein großes Hauptproblem, das es sich mit vielen Ameritrash Titeln teilt. Die Aufbereitung der Regeln. Diese sind im Grunde genommen relativ einfach und lassen sich gefühlt in 2 Sätze zusammenfassen, ohne etwas auszulassen. Sieht man sich die Anleitung an, ist diese jedoch viel umfangreicher und wirkt dabei etwas unstrukturiert.

Hat man die Regeln verinnerlicht und alle Details gefunden offenbart sich ein schnelles, nettes Spiel. Im kompetitiven Modus inklusive dem Ärgerfaktor von “Munchkin” aber weitaus weniger nervig. Natürlich hat auch “Masmorra” hier seine Fehler. Der hohe Glücksfaktor sorgt dafür, dass manche Spieler mit besseren Monstern – und somit mehr Möglichkeiten für Erfahrungspunkte – gesegnet sind, während man sich selbst an Kleinvieh aufreibt. Stört das? Mich nicht. Locker, leicht und schnell gespielt. Auch, wenn man in den Zügen eigentlich dieselben 3 Aktionen immer wieder durchführt.

Diese Leichtigkeit wird durch den epischen (kompetitiv) und dem Kooperativen Modus nicht mehr ganz gehalten. Nein, es gibt keine komplexen Questreihen mit unterschiedlichen Storymodulen. Auch hier stürmt man den Dungeon, haut allem auf den Schädel und versucht den Obermotz platt zu machen. Es gibt nun aber etwas mehr zu beachten, damit das Spiel nicht kippt.

Das Material ist einfach klasse. Vor allem die Würfel machen nicht nur einen wertigen Eindruck, sondern sind mit den abgebildeten Monstern auch ein toller Blickfang. Eine gelungene Abwechslung zu den vielen Miniaturspielen.

“Masmorra” ist kein Spiel für die Ewigkeit. Es ist ein “Beer & Brezel” Titel, der funktioniert, aber seinen Reiz aus den Mitspielern zieht. Mit diesen steigt und fällt das Spiel. Denn komplett nüchtern betrachtet steckt nicht viel Abwechslung hinter “Masmorra”. Aber es geht nichts über das Gefühl einem Mitspieler, der gerade noch um Haaresbreite einen Monsterangriff überlebt hat einen Kettenblitz in den Hintern zu jagen.

Masmorra: Dungeons of Arcadia

Cool Mini or Not 2017


Autoren: Daniel Alves, Patrick Matheus, Eurico Cunha Neto
Dauer: ca. 20 – 45 Minuten
Spieler: 1 – 5
Schwierigkeit: Einsteiger bis Fortgeschritten

Anmerkungen

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