Ich weiß, diese Rezension ist genau das Gegenteil von dem, was ich hier veröffentlichen möchte. Ich habe sie vor einiger Zeit für Ravensburger geschrieben und finde, dass es zu schade wäre, wenn sie irgendwo in digitalen Archiven vor sich hin verrottet…
 
Kakerlakak 


Das Material

1 HEXBUG Nano
1 Spielplan
24 Besteckteile (je 8 Gabel, Löffel, Messer)
24 NIETEN
18 Kakerlaken-Chips
2 Türen
1 Würfel
1 Ersatzbatterie

Das Material selbst ist durchdacht und von guter Qualität. Alles wirkt, als ob das Spiel selbst nach hundert Partien noch vollkommen funktionsfähig ist. Die Bestecke rasten schön ein und nehmen auch unsanftes Benehmen (welches während des hektischen Spielverlaufs durchaus auftritt) nicht übel.


Die Regeln

Auf dem Spielplan befinden sich insgesamt 24 Besteckteile, die jeweils in einer senkrechten, bzw. waagrechten Position einrasten. Diese können zwischen den beiden Stellmöglichkeiten beliebig gedreht werden. Zu Beginn entscheiden sich die Spieler für eine der vorgegebenen Startaufstellungen und setzen die Kakerlake in die Feldmitte. Diese beginnt nun über das Spielfeld zu huschen und an den Bestecken entlang zu laufen. Wer an der Reihe ist würfelt. Der Würfel zeigt entweder ein Besteckteil (Gabel, Löffel oder Messer) oder ein Fragezeichen (beliebiges Besteck) an. Nun wählt der aktive Spieler eines der Bestecke auf dem Spielfeld aus, welches er um 90° dreht. Das Spiel läuft nun reihum weiter, bis die umherlaufende Kakerlake in das Zielfeld eines Spielers fällt. Dieser erhält einen Kakerlakenchip. Danach beginnt das Spiel von vorn.
Derjenige, der zuerst eine bestimmte Menge an Chips gesammelt hat gewinnt.Sollten mal weniger als vier Spieler mitspielen ist das kein Problem, hier kann man durch eine „Tür“ verhindern, dass die Kakerlake in ein Zielfeld eines nicht vorhandenen Spielers huscht.Zu guter Letzt gibt es noch eine Spielvariante. Hier muss man versuchen die Kakerlake davon abzuhalten in das eigene Zielfeld zu gelangen.


Das Spiel

Dadurch, dass die Regeln kurz und verständlich geschrieben sind, ist der Einstieg sehr einfach. Allein das erste Zusammenbauen des Spielplans erfordert ein klein wenig Geduld. Der Aufbau selbst ist jedoch alles in allem unproblematisch, wenn man diesen Schritt für Schritt durchführt. Dann ist der Aufbau auch sehr gut in weniger als 5 Minuten zu schaffen. Einmal zusammengesteckt verbleibt der Spielplan wie er ist, so dass man zukünftige Spiele theoretisch sofort nach öffnen der Schachtel starten kann.

Das Spiel selbst verläuft angenehm schnell und wird selbst von jüngeren Semestern (unser jüngster Spieler ist 4 Jahre alt) gut verstanden. Für diese Altersgruppe kann man das Spiel sehr gut verwenden, um vorausschauendes Planen zu üben.

Seinen kompletten Reiz entfaltet das Spiel jedoch mit etwas älteren Spielern. Denn dann kommt neben der Planung noch die Geschwindigkeit mit dazu. Denn jeder Spieler hat nur wenige Momente Zeit um zu Würfeln und ein Besteck zu drehen. In der Anleitung wird auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man seine Mitspieler dazu anhalten soll schnell zu spielen. Denn nur dann kommt auch wirklich etwas „Chaos“ auf. Schnell ist ein Besteckteil gedreht, das der Kakerlake den Weg in die eigene Zielzone verwehrt. Oder man öffnet einem Mitspieler die Möglichkeit zu punkten. Hier werden die anderen natürlich schnell versuchen diese wieder zu schließen. So werden durch Zwischenrufe schnell Bündnisse geschlossen die Sekunden später wieder zerbrechen.

Alles in allem ein heilloses Chaos, aus dem das Spiel seinen Reiz zieht. Jedoch krankt Kakerlakak an denselben Dingen, wie andere „Chaos-Spiele“ (z. B. Ligretto).

– Es gibt Spieler die einen Chaotischen Spielablauf hassen. Diese sollte man nicht zwingen mitzuspielen, da dann keiner der Spieler spaß haben wird.

– Der großartige Anfangsreiz verfliegt im Grunde genauso schnell wieder, wie er gekommen ist.

Gegen das erste Problem lässt sich leider nichts machen. Außer ein anderes Spiel zu wählen. Das zweite Problem fällt nicht so sehr ins Gewicht, da man Kakerlakak immer noch als toller Absacker oder Aufheizer eines schönen Spieleabends verwenden kann. Schnell erklärt, schnell aufgebaut, schnell gespielt.


Für Gelegenheitsspieler

Gelegenheitsspieler werden über einen längeren Zeitraum hin gut unterhalten. Vor allem Kinder können sich sehr lange mit Kakerlakak beschäftigen. Ist an einem Tag dann der Reiz verflogen ruht das Spiel im Normalfall nur wenige Tage, bevor es wieder für dieselbe Begeisterung sorgen kann.Manchen Spielern war das klappernde Geräusch, das die Kakerlake beim Laufen macht zu viel. Unsere Spielrunden hat es eigentlich nicht gestört. Und jeder, der schon mal das Vergnügen hatte Hippo Flipp zu spielen, wird die Kakerlake als angenehm leise wahrnehmen. 


Für Vielspieler

Vielspieler sei Kakerlakak als Aufheizer oder Absacker ans Herz gelegt. Aber auch nur dann, wenn man sich darauf einlässt schnell zu spielen und nichts zu planen. Schafft man das nicht sollte man um das Spiel einen großen Bogen machen. Ist man sich dessen bewusst und lässt sich darauf ein ist Kakerlakak ein Spiel, das einen sicherlich immer wieder kurzzeitig Spaß bereiten wird, so dass es wahrscheinlich häufiger am Spieltisch landet, als andere Spiele.


Fazit

Eine irrwitzige Spielidee von Kakerlakak, kurze Regeln und ein chaotischer Spielablauf sorgen hier für ein herrliches Vergnügen. Holz-Fetischisten und Planer sollten sich jedoch besser ein anderes Spiel suchen. Alle anderen müssen für sich entscheiden, ob ihnen ein Spiel, das man immer wieder für ein kurzzeitiges Vergnügen aus dem Schrank holen wird in der eigenen Sammlung fehlt.

Besonders lobend möchte ich erwähnen, dass Ravensburger nicht nur eine, sondern gleich zwei Batterien mit in die Schachtel von Kakerlakak legt! Das nenn ich mal Kundenservice. Das Spiel selbst erhält von uns 4 von 5 Sternen. Spieler, die ein Faible für chaotische Spiele haben dürfen hier gern noch einen Stern drauflegen.

 

Kakerlakak

Ravensbuger 2013


Autor: Peter-Paul Joopen
Dauer: ca. 15 Minuten
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen