SPIELSTIL Rezension

Jamaica

Ein Spiel entwickelt von Bruno Cathala, Malcolm Braff, Sébastien Pauchon
erschienen bei Space Cowboys

Ach, das wäre jetzt was. In der Karibik am Strand liegen, den Wind auf der Haut und das Rauschen des Wassers in den Ohren. Sich keine großen Gedanken machen und nur das Hier und Jetzt genießen. Aber die Realität sieht anderes für mich vor. Ich darf im nasskalten Wetter arbeiten und den Blick sehnsüchtig auf den Horizont richten.

Aber wir Brettspieler haben Glück. Unserem Sinn nach Eskapismus können wir bedingt nachgeben. Und so begeben wir uns zumindest auf dem Spieltisch in die Karibik und schippern in der Jamaica Neuauflage fröhlich durch die Gegend auf der Suche nach Ru(h)m und Reichtum!

Einen Räuber zu berauben ist kein Raub.

(Aus Frankreich)

Wir alle starten mit unserem Schiff in Port Royal und versuchen den Rundkurs um Jamaica zu absolvieren. Hierzu wirft der Startspieler die beiden Würfel und ordnet sie der Tag- und Nachtaktion zu. Danach wählen alle jeweils eine Handkarte, die man verdeckt vor sich ablegt.

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Links die Tag- und rechts die Nacht-Aktion.

Reihum wird nun aufgedeckt und die auf der Karte angegebene Tag- und Nachtaktion ausgeführt. Dabei gibt der jeweils zugeordnete Würfel an, wie stark diese ist. So sammeln wir drei verschiedene Rohstoffe (Gold, Nahrung, Kanonen) oder bewegen unser Schiff. Der Clou, neue Rohstoffe brauchen einen jeweils eigenen Platz im Frachtraum. Ist dieser voll, können wir nichts aufnehmen.

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Nur noch ein Lagerplatz ist frei.

Endet unsere Bewegung auf einem Wasserfeld müssen wir hierfür die angegebene Nahrung abgeben. Auf einem Hafenfeld dafür Gold. Kommen wir auf ein Piratenversteck mit einem Schatz, dürfen wir diesen nehmen. Dahinter verbergen sich Plus- und Minuspunkte oder Ausrüstung, die uns Fähigkeiten einbringen.

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Auf den Seefeldern müssen wir Nahrung abgeben.

Landen wir auf einem Feld eines Mitspielers, kommt es zum Kampf. Dieser wird mit dem zugehörigen Würfel und den gesammelten Kanonen ausgetragen. Wer gewinnt, darf beim Gegner etwas klauen oder ihm einen Schatz mit Minuspunkten zuschustern.

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Ein Rundkurs voller Möglichkeiten.

Das Spiel endet in der Runde, in der ein Spieler wieder in Port Royal ankommt. Dann gibt es Punkte für den aktuellen Standort des Schiffes und die im Besitz befindlichen Schätze. Wer die meisten hat, gewinnt.

Die letzte Zeit der Piraten macht sie am erfinderischsten.

(Manfred Hinrich)

Christian meint:

Jamaica ist eines der Spiele, das man einfach aufbauen und losspielen kann. Denn das Brettspiel kommt mit wenigen Regeln und Aktionen aus, die im Handumdrehen erklärt sind. Diese sind im beiliegenden Regelheft übersichtlich aufgearbeitet und immer griffbereit zu finden. Richtig cool fand ich die Registerkarten am Rand, die bei einer derart kleinen Anleitung eigentlich unnötig sind, aber dennoch für Überblick sorgen. Das wäre etwas, das ich mir für große Brecher wünschen würde.

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So einfach. Die Würfelaugen geben an, wie viele Rohstoffe wir bekommen oder wie weit wir fahren dürfen.

Das Spiel selbst kommt dann doch etwas harmloser her, als es auf den ersten Blick wirkt. Zumindest mit wenigen Mitspielenden. Hier skalieren die Felder nicht, was immer wieder dazu führt, dass man gar nicht in die Versuchung kommen kann, andere gezielt anzugreifen. Hier hätte ich mir etwas mehr Chaos gewünscht. Gut, mit mehr Mitspielenden kommt dann auch mehr Interaktion untereinander zum Tragen, aber wer hat denn schon immer die Leute für eine voll besetzte Partie zur Hand.

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Lila kam um längen früher ins Ziel.

Äußerst gut gefallen hat mir die Qual der Wahl, die ich jede Runde habe. Wenn die Würfel mal wieder in der falschen Reihenfolge ausliegen und ich mich für das geringere Übel auf meiner Hand entscheiden muss. Das sind Spielmomente, die ich liebe. Wenn man mit sich und seiner Kartenhand hadert und dann doch irgendwie alles etwas anders kommt, als man denkt, weil uns die anderen einen Strich durch die Rechnung machen.

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Welche der drei Karten soll man nur nehmen?

So ist Jamaica dann auch ein schönes, fluffiges Spiel, das schneller vorbei ist, als man es eigentlich möchte. Schön wäre es, wenn auch bei weniger Spielern mehr gegeneinander unternommen werden könnte. Hier bleibt man dann eher mal auf Minuspunkten sitzen, weil man sie niemanden mehr in die Schuhe schieben kann. Das macht Jamaica zu einem wunderschön anzusehenden, einfach zu lernenden und nettem Spiel, das dann doch etwas zahnloser zubeißt, als es möchte.

Jamaica - Brettspiel - Cover

Jamaica macht vor allem in voller Besetzung spaß. Dank fehlender Skalierung ist das Spiel jedoch mit weniger Mitspielenden etwas zu harmlos.

  • Erscheint bei Space Cowboys
  • Für 2 – 6 Spielende und dauert 30 – 60 Minuten.
  • Am besten geeignet für Familie

Spielstil – Wertung

7/10
Das gefiel uns
  • Schnell zu erlernen.
  • Ein flottes Spiel ohne spürbare Wartezeiten.
  • Man kann jeden ins Spiel integrieren.
Das nicht so
  • Etwas mehr Chaos hätte dem Spiel gut getan.
  • Die Willkür in Belohnung und Strafe liegt nicht jedem.
Hier bekommt ihr „Jamaica“

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Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

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Christian Renkel

Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

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