Interview Andreas Godot – Godot Games

Im Gegensatz zu Estragon und Wladimir hatten wir das Glück, dass wir nicht auf Godot warten mussten. Andreas Godot von Godot Games hat sich die Zeit genommen, um uns ein paar Fragen zu „Human Punishment“, Kickstarter und die Zukunft zu beantworten.

 

 

 

Hi Andreas, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, um uns ein wenig über die Hintergründe zu erzählen. Fangen wir vielleicht am Anfang an. Wer steckt denn alles hinter Godot Games?

Godot Games besteht aus Stefan, Marko und Andreas Godot. Wir sind Freunde seit Schulzeiten und nutzen natürlich immer, wenn es unsere Freizeit erlaubt, jede Gelegenheit für Brett- und Kartenspiel Sessions. 

Arbeitet ihr jetzt alle hauptberuflich für Godot Games?

Aktuell noch nicht, aber wir arbeiten dran 😊

Begonnen hat alles mit „Human Punishment“, worum geht es denn in dem Spiel?

Die Menschheit steht kurz vor ihrer Auslöschung, die Maschinen haben sich selbstständig gemacht und zusätzlich gibt es auch noch egoistische Gesetzlose, die ebenfalls die Macht an sich reißen wollen. In Human Punishment geht es um den finalen Showdown, der in einer verlassenen Fabrik spielt. Die letzten Menschen kämpfen um ihr Überleben, doch nicht jeder trägt eine Waffe, manch einer bringt auch mächtige Programme mit sich und zusätzlich weiß niemand, wer überhaupt in welchem Team ist. Daher ist das Motto ganz klar: „Finde dein Team, traue niemandem!“ 

 

 

 


 

Oberflächlich betrachtet weist das Spiel viele Parallelen zu der Welle an „Werwölfe“ Spielen auf. Wo ist euer Alleinstellungsmerkmal?

Wir bringen viele neue Mechanismen mit, die es so noch nie gegeben hat. Weder im Genre, noch generell. Man kann zum Beispiel ausgeschiedene Spieler wiederbeleben. Da ausgeschiedene Spieler die Teamzugehörigkeit aller Spieler kennen, sind diese besonders starke Verbündete. Es gibt sogar die Möglichkeit sich selber wiederzubeleben, man also zum Beispiel etwas warten und später im richtigen Moment wieder ins Spiel eingreifen kann.

Des Weiteren gibt es zwei geheime Teams, welche sich im Laufe einer aktiven Runde erst bilden können. Es gibt eine geringe Chance in der laufenden Runde durch Programmkarten das Team zu wechseln. Dies kann Vor- oder Nachteile mit sich bringen, je nachdem ob man vorher in einem starken oder schwachen Team war.

Das Spiel wird von Social Deduction Liebhabern und Hassern gleichermaßen gespielt und geliebt. Das liegt daran, dass man nicht zum Lügen gezwungen wird. Ein schlechter Lügner kann dennoch in Human Punishment dominieren und niemand wird dazu gezwungen, seine Komfort-Zone zu verlassen. Social Deduction Veteranen erhalten aber gleichzeitig genug Tiefe um ebenfalls ordentlich Spaß zu haben.  

Unser größtes Alleinstellungsmerkmal ist jedoch, dass Human Punishment ab vier Spielern bereits perfekt funktioniert. Es gibt im Social Deduction Bereich bei dieser Spieleranzahl kaum Konkurrenz. 

Euren Kickstarter kann man als vollen Erfolg bezeichnen. 36.000 € bei benötigten 12.000 €. War die Kampagne von vorn bis hinten problemlos oder gab es Phasen, in denen ihr gezweifelt habt?

Zum Glück war ab Tag eins klar, dass das Spiel erscheinen wird. Trotzdem war es hinter den Kulissen viel Arbeit, weil das Funding Ziel echt schnell erreicht war. Die Stretch Goal Karten waren natürlich schon fertig, aber die Texte und die grafische Aufarbeitung mussten jeden Tag immer frisch erstellt werden. 
 
Ein Unterstützer hat sogar 300 € bezahlt, um eine „Menschliche Rolle“ zu benennen. Wie war das Gefühl, als ihr gesehen hattet, dass sich jemand so sehr mit eurem Spiel identifizieren kann?

Das war ein unbeschreibliches Gefühl und „Grunwald“ ist auch eine ganz tolle Rolle, die von allen gerne gespielt und geliebt wird. Die Zusammenarbeit mit dem Backer war auch angenehm, gemeinsam wurde das Artwork und die Fähigkeit ausgesucht und am Ende kam dann eine sehr spannende Rolle heraus.  

Wir alle wissen, eine erfolgreiche Kickstarter Kampagne muss auch gut aussehen. Dürfen wir wissen, wie viel ihr zum Start der Kampagne selbst investieren musstet?

Stefan Godot ist zwar kein Grafik Designer, kennt sich aber dennoch recht gut mit Photoshop und Video Bearbeitung aus, daher hat die Kampagne an und für sich genau 0€ gekostet. Natürlich wurde viel Zeit aufgebracht, aber anders kann man heutzutage in Kickstarter auch keine Erfolge mehr als Neueinsteiger feiern. Die Artworks, Werbung etc. haben dann natürlich schon einiges an Kosten mitgebracht, was aber völlig normal ist.

 

 


 

Die Kampagne wurde abgeschlossen, ihr habt ausgiebig gefeiert, doch dann begann die Arbeit. Was waren die nächsten Schritte?

Der erste Schritt war, die Dateien einem Profi (und Freund) in die Hand zu drücken. Karsten Schulmann hat das Layout von Human Punishment auf eine neue Ebene transportiert und jetzt sieht das Spiel einfach phantastisch aus.

Danach ging es den üblichen Weg mit der Produktion. Wir haben in Deutschland produziert, hatten somit eine teure Produktion, die aber in Sachen Qualität unschlagbar ist. Hiernach folgte die Auslieferung über unser Fulfillment Center und dann kamen die tollen Erfahrungsberichte von begeisterten Spielern. 

Gab es Stolpersteine? Welche Probleme gab es zu bewältigen?

Das einzige Problem war eigentlich, dass das Zeitfenster schwer zu kalkulieren ist. Wir haben 1,5 Monate später als geplant ausgeliefert. Wenn man aber bedenkt, dass die Produktion auch erst einige Monate später gestartet ist, ist das eigentlich ein akzeptabler Rahmen.

Wenn ihr zurückblickt. Auf die Zeit vor und während des Kickstarters oder der Produktion. Was würdet ihr mit euren neu erworbenen Erfahrungen anders machen?

Wir würden versuchen uns noch mehr Zeitfenster/Freiräume zu schaffen, dieses war leider nicht immer 100% möglich. Es gab noch sehr viele Pläne, wie z.B. live Sessions / FAQ oder ein „Ask me anything“ während der KS Kampagne.

Wie waren denn die ersten Rückmeldungen, als ihr die Spiele ausgeliefert habt?

Unfassbar! Wir haben so viele tolle Berichte und Bilder von Spielern von überall auf der ganzen Welt erhalten. Von italienischen Spielevereinigungen bis hin zu Kollegen, die es am Arbeitsplatz gespielt haben. Das Feedback ist wirklich spektakulär und wir werden Ende Juli damit anfangen, die eingesendeten Bilder zu veröffentlichen. 

Was ist die Zukunft von Godot Games? Stehen schon neue Spiele in der Pipeline?

Und ob! Im Januar 2019 startet unsere zweite Kampagne auf Kickstarter. Auf P:HG darf man gespannt sein, besonders, wenn man bereits Spaß mit Human Punishment hatte! 

Du glaubst doch nicht, dass wir uns mit dem Namen zufriedengeben. Worum geht es in P:HG? Wird es Mechanismen von Human Punishment aufnehmen oder was ganz Eigenes werden?

Wir bleiben unserer 2.0 Linie treu und werden einen Mechanismus aus Kingdom Death Monster in ein anderes Genre transferieren und dadurch ein völlig neuartiges Erlebnis schaffen, welches es aktuell in diesem Genre so noch nicht gibt. Mehr Details können wir derzeit nicht preisgeben, aber auf unserer Facebook-Page werden wir regelmäßig Updates posten.  

 


 

Nun noch etwas persönlicheres. Da muss jeder hier durch. Was tust du, wenn du mal nicht spielst?

Dann schaue ich mir gerne Fußball an. Ich bin Fußball-Fan seit meiner Kindheit und habe früher auch aktiv gespielt. Außerdem liebe ich Filme & Serien. Gerade Serien können mich auch richtig packen. Falls dann noch Zeit bleibt, kümmere ich mich um meine Frau.  Demnächst werde ich zum ersten Mal Vater. Also da gibt es immer etwas zu tun. 😊
 
 Welches Buch hat dich in letzter Zeit fasziniert und warum?

„Kafka am Strand“. Murakami schreibt wie kein anderer und jedes Kapitel, teilweise jeder Dialog fühlt sich wie eine ganz eigene Welt an. Das Buch lässt vom Namen her etwas ganz Anderes vermuten, aber wenn der Hauptcharakter plötzlich beginnt mit Katzen zu sprechen, die wiederum ihren Schatten für zu blass einstufen, dann ist das der Beginn einer unglaublichen Reise, bei der kein Auge trocken bleibt. 

Was ist dein absoluter Lieblingsfilm und warum sollte man ihn sich ansehen?

Also da fällt mir spontan direkt Batman – The Dark Knight ein. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Ich finde dieser Film macht eigentlich alles richtig und bietet 2,5 Stunden beste Unterhaltung!!
 
Du strandest auf einer Insel mit genügend Spielpartnern, welche 5 Spiele hättest du denn gerne dabei?

Kingdom Death: Monster – Aufgrund der langen Kampagne und der vielen Zufalls-Events kann man das Spiel problemlos Jahre spielen ohne dass es langweilig wird.
Human Punishment – Ein Spiel, bei dem keine Runde der anderen gleicht. Ist das perfekte Spiel für die Insel.
Magic: the Gathering – Das Spiel unserer Jugend. Mit Magic (vor allem in Großrunden) kann man einfach unendlich Zeit verbringen.
Blood Rage – Der Sieger von Blood Rage ist für einen Tag der König der Insel. (Und das ist bestimmt sehr nützlich)
Ticket to Ride – Um auf der Insel voran zu kommen, müssen wir unsere Wege kennen und dabei hilft Ticket to Ride.

Du landest in der Hölle und wirst gequält, indem du ein Spiel immer und immer wieder spielen musst. Mit welchem könnte man dich am meisten quälen?

Monopoly – Dieses Spiel ist mir einfach zu langweilig und langatmig, dazu basiert es nur auf Glück. In meiner Kindheit habe ich es viel gespielt, aber nun gibt es ja viele gute Alternativen. 😊 

Was wolltest du der Spieleszene schon immer sagen, hast dich aber nie getraut?

Legacy ist komplett überbewertet. Nichts spricht gegen Kampagnen, gerne auch mit optionalen Wegen, aber Legacy ist völlig unnötig und macht nichts besser, was nicht auch eine gute Kampagne kann.


Vielen Dank Andreas für deine Zeit. wir wünschen euch weiterhin viel Erfolg mit Human Punishment. Und eine Bitte. Haltet uns unbedingt auf dem Laufenden mit P:HG!

Dir gefällt dieser Bericht? Dann könnte dich das hier auch interessieren: