Getäuscht: Mord in Hong Kong – Heidelberger 2016

 

Wir haben lange Zeit genug in der Haut von Werwölfen und Dorfbewohnern gesteckt. Dennoch wollen wir nicht auf kommunikative Spiele verzichten. Also, was sollen wir tun? Wie wäre es denn zum Beispiel mit „Getäuscht – Mord in Hong Kong“? Wir haben zwei Verräter (= Werwölfe), einen Forensiker (= Spielleiter), einen Zeugen (= Sonder-Dorfbewohner) und viele Ermittler (= Dorfbewohner). Doch was haben wir noch? Nur einen grauenhaften Mord, viele Tatwaffen, Indizien und einen Spielleiter der aktiv ins Geschehen eingreifen darf. Also viele Zutaten, die hoffentlich sauber miteinander vermischt wurden.

Unlogischerweise werden Tatsachen verdreht, damit sie zu Theorien passen, anstatt Theorien den Tatsachen anzupassen.

Nachdem alle Rollen verdeckt verteilt wurden outet sich der Forensiker, der ab dem Zeitpunkt die Führung übernehmen wird. Er lässt sich vom Mörder das Indiz und die Tatwaffe zeigen. Im Anschluss darf er dem kompletten Team Hinweise geben. Aber nicht beliebig, sonst wäre es zu einfach. Er darf lediglich aus vorgefertigten Tafeln das passendste Wort wählen. Nun beginnen die Diskussionen, an dessen Ende der Mörder hoffentlich gefasst wurde. Doch selbst wenn… Sollten er und sein Komplize den Zeugen benennen können wird es nicht zur Verhandlung kommen.

Bebilderte Beispielszüge findet ihr hier.

 

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Wir haben 6 Spieler versammelt und teilen die Rollenkarten verdeckt aus.

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Unser Forensiker gibt sich zu erkennen.

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Alle anderen Spieler erhalten je 4 Indizien (rot) und 4 Tatwaffen (blau).

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Teil 1: Damit ihr miträtseln könnt hier der Überblick über alle ausgeteilten Karten 

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Teil 2

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Teil 3

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Teil 4

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Teil 5

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Währenddessen übernimmt der Forensiker die Leitung. Er lässt alle die Augen schließen und ruft Mörder und Komplize auf. Beide dürfen nun die Augen öffnen und erkennen sich nun. Der Mörder zeigt auf eine vor sich liegende Indizien und Tatwaffen Karte. Im Anschluss müssen sie wieder die Augen schließen und der Forensiker ruft den Zeugen auf. Still zeigt der Spielleiter dem Zeugen, welche zwei Personen er vom Tatort weglaufen sah.

Sind diese Vorbereitungen abgeschlossen legt der Forensiker die Hinweistafeln bereit. Die Todesursache ist jeweils dieselbe.

 

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Im Anschluss sucht er sich aus den Tatorten eine Tafel heraus, die ihm am passendsten erscheint und zieht vier verdeckte Hinweistafeln vom Stapel.

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Alle Spieler nehmen sich eine Polizeimarke, der Forensiker 6 Munitionsmarker und los geht es.

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Der Forensiker markiert den ersten Hinweis. Als Tatort legt er den Wald fest.

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Der zweite Hinweis ist die Todesursache. Schwere Verletzung.

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Während die Spieler nun schon heftig diskutieren, auf welche Karte das passen könnte macht der Forensiker weiter. Als besonderes Ereignis gab es einen Schrei.

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Der Beruf des Opfers „Arbeiter“.

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Die Persönlichkeit des Mörders „Wütend“.

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Und zuletzt die Spuren an der Leiche. Am ganzen Körper.

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Nachdem man den Spielern eine gewisse Zeit gelassen hat geht es daran, dass jeder eine Vermutung abgibt, welches Indiz und welche Tatwaffe die Lösung ist. Wie auch im restlichen Spiel darf jederzeit ein Spieler unterbrechen und seine Polizeimarke abgeben, um eine Lösung zu präsentieren.

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Nun benennt man ein Indiz und eine Tatwaffe. In unserem Beispiel die Kettensäge und der Eiswürfel. Der Forensiker schüttelt jedoch den Kopf. Das war die falsche Kombination. Jedoch wissen wir nun auch nicht, ob wir wenigstens teilweise richtig lagen.

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Nachdem nun jeder einen Verdacht (bitte nicht mit Lösung verwechseln) geäußert hat zieht der Forensiker eine neue Hinweistafel und ersetzt damit eine bereits ausliegende. Wir erfahren nun, dass der Zeuge ein anhaltendes Geräusch wahrgenommen hat.

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Einer der Spieler versucht erneut eine Lösung. Er wirft die Polizeimarke ab.

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Und verweist auf Messer und Gabel, sowie den Ventilator. Erneut schüttelt der Forensiker den Kopf.

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Diverse Diskussionen und eine Verdachtsrunde später gibt es eine letzte Hinweistafel. Wir wissen nun, dass das Beweisstück am Tatort in keiner direkten Verbindung zur Tat steht.

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Also versucht der nächste Kollege sein Glück. Er wirft die Polizeimarke ab.

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Und tippt auf Kettensäge und Pin-Nadel.

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Der Forensiker nickt. Das war die richtige Kombination. Der Mörder zeigt nun seine Identität.

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Genau, wie der Komplize.

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Beide haben nun eine letzte Möglichkeit zu gewinnen. Sie müssen den Zeugen finden.

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Sie finden ihn, wodurch dieser den Beginn der Gerichtsverhandlung nicht mehr erlebt. Die Beweiskette bricht zusammen und die Bösen kommen frei.

Wenn du das Unmögliche ausgetilgt hast, das, was bleibt, so unwahrscheinlich es auch sei, muss die Wahrheit sein.

Eines vorweg. Spieler, die keine kommunikativen Spiele ohne Strategie und Taktik mögen können hier sofort aufhören zu lesen. Ihr werdet mit dem Spiel keinen Spaß haben.

Allen anderen, die noch hier sind kann ich versichern, dass „Getäuscht – Mord in Hong Kong“ Spaß macht. Zumindest, wenn man es nicht übertreibt. Beginnen wir jedoch erst bei den positiven Seiten. Wie man sich denken kann handelt es sich um ein Spiel, in das jeder voll integriert ist. Denn wer schweigt macht sich verdächtig. Oder doch nicht. Schließlich könnte es auch der Zeuge sein, der sich nur etwas zurückhält, um nicht aufzufallen. Und so ist jeder eingebunden. Etwas, das nicht jedes Gesellschaftspiel schafft.

Schön ist auch, dass der Spielleiter besser eingebunden ist, als in den Werwölfe Spielen. Er hat die härtesten Entscheidungen zu treffen. Ähnlich Codenames sollte man sich Gedanken machen, wie das eigene Team es auffassen könnte. Und diese werden häufig nicht denselben Gedankengang haben, wie man selbst. Vor allem, wenn man unpassende Hinweise geben muss, die einem der Zufall zugelost hat. Und dann wären da noch der Mörder und dessen Komplize, die genau das ausnutzen werden, um das restliche Team zu täuschen.

 

 

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Auch nicht bei „Getäuscht – Mord in Hong Kong“. So fehlt eine Skalierung zur Gänze. Somit ist es ein reines Glücksspiel, wie leicht oder schwer ein Fall zu lösen ist. Zieht man eine passende Hinweistafel und liegen die falschen Tatwaffen ist es für den Mörder so gut wie unmöglich sich herauszureden. Gleichfalls kann es extrem schwer werden, wenn zu viele passende Begriffe liegen. Vor allem bei vielen Spielern. Aber vielleicht sollte man einfach getreu dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ spielen, egal, wer gewinnt, Hauptsache das Spiel war eine Erfahrung.

Analysiert man das Spiel zur Gänze könnte man noch anmerken, dass nicht alle Übersetzungen glücklich gewählt sind. Cruel würde ich persönlich zum Beispiel nicht mit eiskalt übersetzen. Was sich spielerisch aber auch nicht so richtig auswirkt, da die Hinweise allesamt recht ungenau passend gewählt sind, um die Ermittler in eine Richtung leiten zu können, ohne sie direkt mit der Nase darauf zu stoßen. Das mag manchen mehr stören, als andere, ich fand es jetzt nicht so schlimm.

Wichtiger ist es, dass man die Diskussionen zeitlich begrenzen sollte, da sie sich ansonsten einfach immer und immer wiederholen, ohne richtig zum Ziel zu führen. Das fühlt sich dann eher an, wie eine geschäftliche Besprechung (Jour-Fixe anyone?) in der viel geredet, aber nichts gesagt wird. Der Ablauf wirkt dabei auch etwas holprig. So ist es meines Erachtens nicht nötig, dass jeder gezwungen wird einen Verdacht in Spielerreihenfolge abzugeben. Ich weiß, irgendwie muss „die Runde“ abgeschlossen werden, aber dabei ergeben sich selten wirklich neue Erkenntnisse.

„Getäuscht – Mord in Hong Kong“ ist ein schönes, kurzweiliges, Spiel, bei dem man gerne einfach eine weitere Runde mit anhängt. Zwar nicht unbegrenzt, aber bis zu dem Zeitpunkt hat man mit vielen Spielern eine schöne Zeit. Nicht uneingeschränkt, aber dennoch spaßig.

 

Deception: Murder in Hong Kong

Heidelberger 2016


Autor: Tobey Ho
Dauer: ca. 15 – 20 Minuten
Spieler: 4-12
Schwierigkeit: Einfach

Anmerkungen

  • Deutsch und Englisch Sprache

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