Feiner Sand – 2F-Spiele – 2018

Es gibt tatsächlich Strände, an denen das Bauen von Sandburgen verboten ist. Die Geschichten dahinter dürften teilweise genauso kurios sein, wie diejenigen, die zu einigen skurrilen US-Gesetzen geführt haben. Da wir uns jedoch lieber mit spielerischen Aspekten beschäftigen, haben wir ganz legal mit “Feiner Sand” gebaut. Oder sollte ich besser abgebaut sagen? Denn das Spiel wirbt damit kein Deckbau-, sondern ein Deckabbau-Spiel zu sein.


Sandkorn auf Sandkorn wird schließlich zur Pagode.

(Sprichwort)

Alle Spieler sind in “Feiner Sand” jeweils gleichzeitig am Zug. Dabei führt jeder die Schritte Karten ziehen und Handkartenlimit prüfen durch. Doch zwischendrin muss man sich entscheiden, ob man lieber baut oder weitere Karten zieht. Das Tableau und die gebauten Karten bestimmen dabei, wie mächtig die einzelnen Aktionen sind. Wer es nun schafft die Maschinerie ans Laufen zu bringen und rechtzeitig die nicht benötigten Karten verschenkt, wird siegreich aus einer Partie hervorgehen. Denn, sind bei einem Spieler Nachzieh- und Ablagestapel leer endet das Spiel und der Spieler mit den wenigsten Restkarten gewinnt.

In dieser Galerie zeigen wir euch ein Beispiel zum Spielablauf:

Heute spielen wir zu dritt eine Partie "Feiner Sand".
Alle Spieler sind gleichzeitig am Zug. Zum Start des Zuges legt jeder Spieler seine Holzscheibe in die Mitte.
Danach werden die Aktionen vom Tableau ausgeführt. Schritt eins ist Karten ziehen. Wir haben bisher eine eingezeichnete Walze, die uns zwei Karten ziehen lässt.
Zusätzlich zu unserer Kartenhand zu Beginn haben wir nun acht Karten auf der Hand.
Als nächstes müssen wir uns für eine Aktion entscheiden. Wir möchten bauen und zeigen das mit dem Holzring an. Wir verfügen über einen Bagger, der eine Bauaktion liefert.
Wir legen einen Betonmischer an und zahlen die geforderten sechs Münzen. Jede abgelegte Karte ist dabei eine Münze wert, es sei denn auf ihr ist etwas Anderes vermerkt.
Zuletzt führen wir die gelbe Aktionskarte aus, die jeder Spieler einmal im Zug verwenden darf.
Sie erlaubt uns eine unsere Handkarten auf die Geschenkkarte zu legen.
Zuletzt prüfen wir anhand des Betonmischers unser Handkartenlimit. Zu Beginn darf jeder Spieler am Ende des Zuges drei Karten auf der Hand führen. Da wir jedoch bereits gebaut haben, ist unser Limit um eins erhöht.
Ist unser Zug abgeschlossen, nehmen wir die Holzscheibe aus der Mitte zurück und legen sie auf unseren Nachziehstapel. Hat dies jeder Spieler gemacht ist die Runde vorbei.
Nun wird geprüft, ob jeder Spieler ein Geschenk erhalten hat. Ist dies der Fall, nimmt man die Karten auf die Hand. Wenn nicht, bleiben sie liegen, wo sie sind.
Nach unserem Zug sieht unsere Hand so aus.
Die nächste Runde beginnt. Erneut ziehen wir zwei Karten.
Da wir sonst nichts Sinnvolles tun können, entscheiden wir uns dafür weitere Karten zu ziehen. Dies markieren wir mit dem Ring. Aktuell dürfen wir zwei Karten nachziehen.
Danach müssen wir schon wieder das Handkartenlimit prüfen.
Wir müssen zwei Karten abwerfen, da wir zu diesem Zeitpunkt sechs Karten auf der Hand hatten und unser Limit damit überschreiten.
Das Spiel geht so lange weiter, bis ein Spieler es geschafft hat keinen Ablage- und Nachziehstapel mehr zu haben (heißt, alle Karten im Umlauf oder verbaut sind).  Alle restlichen Karten zählen nun als Minuspunkte. Der Spieler mit den wenigsten Punkten gewinnt die Partie.

Was wir heute für wichtig erachten, ist morgen schon Treibsand in der Geschichte.

(Christa Schyboll)

“Feiner Sand” ist ein nettes, schnelles Spiel, bei dem kaum Downtime aufkommt. Dieser Kniff ist vorwiegend dadurch erkauft, dass das Grundlegende Gerüst relativ einfach ist und die Züge dadurch nicht allzu viel Abwägungen benötigen. Dennoch gibt es während des Zuges richtige oder falsche Entscheidungen, die in Summe das Spiel etwas beeinflussen können. Etwas deswegen, weil wir eigentlich keine Partie hatten, in der einzelne Spieler so richtig davongaloppiert sind. Was jedoch daran liegt, dass es immer noch lediglich ein Ziel gibt. Baue möglichst viele Karten oder werde sie auf andere Art los.

Das bietet im Grundspiel nicht allzu viele Wege, so dass man, wie so häufig, seine Maschinerie gezielt anwirft und dann wahllos möglichst viele Karten baut. Getreu dem Motto “Hauptsache weg”.

Das Fabelkonzept von “Feiner Sand” bringt dann schon etwas mehr Würze hinein. Zwar bleiben die Grundfesten des Spiels immer noch bestehen, doch sorgen die Karten mit Nuancen für Abwechslung. Wobei hier etwas mehr gut getan hätte. Einfach, dass die Strategie auch mal richtig angepasst werden muss.

Etwas irritiert hat die Tatsache, dass ein Spiel, in dem es im Kern darum geht Sandburgen zu bauen, einen eigentlich gar nicht dafür belohnt Sandburgen gebaut zu haben. Die normalen Sandburgen stehen am Spielende einfach da ohne irgendeinen Zweck erfüllt zu haben.

“Feiner Sand” setzt sich ein wenig zwischen die Stühle. Kennerspielern dürfte es zu einfach sein. Familienspielern fehlt die Interaktion. Es bieten lediglich einen sehr geringen, konfrontativen Aspekt. Schließlich ist “Feiner Sand” im Herzen ein Multi-Solitär-Spiel, bei dem die Gegner einen sehr wenig beeinflussen. Dementsprechend ist eine Runde auch eher emotionsarm.

Das macht es nun etwas schwer das Spiel endgültig zu bewerten. Die Grundidee und die Optik sind gut und der Ablauf schön flott. Doch sitzt man nach einer Partie dann doch etwas unbefriedigt da. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass etwas mehr dem Spiel zuträglich gewesen wäre. Sei es mehr Interaktion (für ein Familienspiel) oder Hindernisse (für ein Kennerspiel). So ist “Feiner Sand” nett für eine Partie zwischendurch. Als Fabelspiel gefällt mir “Fabelsaft” jedoch deutlich besser.

Feiner Sand

2F-Spiele


Autor: Friedemann Friese
Dauer: ca. 30 – 45 Minuten
Spieler: 1 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger bis Fortgeschrittene

Anmerkungen