An die Typen, die in Dungeons rennen, um Monster zu erschlagen und Schätze zu heben, denkt jeder. Aber wir sind diejenigen, die sich um die Sauerei kümmern müssen. Wenn die Helden wieder heulend rauskommen, wenn sie mal in den Hintern gebissen wurden. Wir sind die wahren Helden. Gut… alle bis auf die da… Die ist total irre. Deswegen nennen wir sie auch “Dynamite Nurse”. Ich frage mich eh, wie sie bei den ganzen Amputationen so einen flecklosen Kittel haben kann. Naja, mir solls recht sein. Die soll sich ruhig um die hoffnungslosen Fälle kümmern. Bessert meine Statistik auf, wenn du verstehst. Aber ich muss wieder los. Da kommt der nächste Transporter.


Die meisten Menschen sterben an ihren Arzneien, nicht an ihren Krankheiten.

(Moliére)

“Dynamite Nurse” ist ein klassischer Deckbuilder. Wir starten alle mit denselben Karten und erweitern durch Geld unser Deck, damit wir gegen die Unwägbarkeiten des Spiels bestehen können. Doch einen kleinen Twist haben wir. Denn mit der Zeit kommen immer mehr Patienten ins Spiel, die wir behandeln müssen. Dabei versucht jeder Spieler den anderen die unliebsamen zuzuschustern. Denn, kann man sie nicht behandeln, können Patienten sterben. Dadurch sammeln wir Killmarker, die uns im schlimmsten Fall noch die “Dynamite Nurse” ins Haus bringen. Bringt sie uns während des Spiels noch Vorteile, sorgt sie am Ende für viele Minuspunkte.

Das Spiel endet, wenn entweder alle Killmarker verteilt oder der Patientenstapel leer ist. Dann zählen wir die Punkte. Wer die meisten hat, gewinnt.

In dieser Galerie zeigen wir euch ein Beispiel zum Spielablauf:

Zu Dritt prüfen wir heute, wer die "Dynamite Nurse" werden wird.
In unserem Zug haben wir diese Karten auf der Hand.
Diese spielen wir einfach aus. Die linken würden uns bei der Behandlung helfen. Da wir aktuell keinen Patienten haben, passiert nichts. Die rechten geben uns insgesamt zwei Geldeinheiten.
Für diese kaufen wir aus der Auslage die Karte "Hit the Books".
Als nächstes decken wir den nächsten Patienten auf.
Diesen ordnen wir de grünen Spieler zu.
Dieser Patient hat als Fähigkeit, dass er, sobald er zugeordnet ist, sofort im Krankenhaus des Spielers landet. Grün nimmt ihn bei sich auf.
Zum Abschluss legen wir die gespielten, sowie die gekaufte Karte auf unseren Ablagestapel.
In der nächsten Runde spielen wir zuerst unsere Nurse aus. Diese erlaubt uns, dass wir eine Karte ziehen dürfen.
Die restlichen Handkarten legen wir ab und haben nun drei Geldeinheiten zum Einkaufen.
Dafür nehmen wir uns "Black Magic".
Wir decken den nächsten Patienten auf. Da dieser einfach zu behandeln ist, ordnen wir ihn direkt uns selbst zu. Wir könnten den Patienten nun in unser Krankenhaus bringen lassen, entscheiden uns jedoch, dass er erst einmal im Krankenwagen bleiben soll.
Mit der Zeit läuft der Krankenwagen voll. Bis zu fünf Karten können dort liegen. Sollte man dann eine neue Karte zuordnen müssen ...
... wird der Patient ganz rechts in einen kritischen Zustand versetzt.
Aber auch unser Krankenhaus hat nur begrenzt Platz. Nämlich zwei Betten. Liegen am Ende der Runde mehr als zwei Patienten dort ... 
... werden die überzähligen auch in kritischen Zustand versetzt.
Gehen wir mal ein paar Runden weiter. Wir spielen "Black Magic". Mit dieser Karte transportieren wir einen Patienten (heißt wir decken einen neuen Patienten auf).
Als nächstes spielen wir eine Krankenschwester und erhalten dafür eine weitere Karte.
Nun geht es weiter mit der "Serious Surgery" für die wir eine weitere Karte ziehen dürfen.
Zusätzlich spielen wir noch zweimal "White Magic". Nun verfügen wir über acht Behandlungspunkte. Die sieben Grundpunkte plus einen, weil wir insgesamt zwei "White Magic" gespielt haben.
Dies sind unsere aktuellen Patienten. Normalerweise ist nur eine Behandlung pro Zug möglich, doch unsere Krankenschwester sorgt dafür, dass wir beide behandeln können. Mit acht Punkten können wir beide Patienten komplett behandeln. Hätten wir weniger Punkte, hätten wir für einen Behandlungspunkt den kritischen Patienten auf die normale Seite zurückdrehen dürfen.
Für die zwei geheilten Patienten ziehen wir uns zwei neue Krankenschwestern vom Stapel und packen sie in unser Deck.
Kommen wir zum letzten Punkt. Hier haben wir drei kritische Patienten in unserem Krankenhaus. Wir konnten diese Runde keinen behandeln. Wie wir wissen, haben wir nur zwei Betten, so dass einer sich nicht erholen kann.
Wir müssten also einen in kritischen Zustand versetzen. Da alle jedoch bereits kritisch sind, stirbt einer der Patienten. Er wird komplett abgeworfen.
Dafür müssen wir uns einen Kill-Marker ziehen. Diese sind am Spielende Minuspunkte wert.
Da wir aktuell die meisten Killmarker haben, erhalten wir zusätzlich die "Dynamite Nurse". Diese ist am Ende so viel wert, wie zwei Kills, bringt uns während des Spiels jedoch Vorteile.

Das Spiel geht weiter, bis der Patientenstapel leer ist oder alle Killmarker vergeben wurden. Danach werden die Siegpunkte der Karten gezählt. Wer die meisten hat gewinnt.

Das Angebot schafft sich seine Nachfrage. Ganz salopp gesagt: Wo ein Krankenhaus ist, liegt auch ein Kranker drin.

(Norbert Blüm)

Auf den ersten Blick wird “Dynamite Nurse” wie gefühlt 90 % des Katalogs von Japanime Games. Ein 08/15 Deckbuilder, dem eine weitere Komponente hinzugefügt wurde, um ein eigenständiges Szenario zu erschaffen. Dabei wurde auch das Rad nicht komplett neu erfunden, denn einen Stapel, von dem Siegpunktkarten aufgedeckt werden (und was Anderes sind die Patienten nicht) kennen wir bereits von Thunderstone. Neu hingegen ist, dass wir gezielt Mitspieler ärgern können, indem wir ihnen ungeliebte Patienten zuteilen oder ihr Krankenhaus überschwemmen. Dabei ist es wichtig den Punkt abzuschätzen, an dem wir Patienten lieber selbst übernehmen, da die Decks im Laufe der Zeit natürlich immer besser werden. Glaubt man zu Beginn noch, dass man mit den wenigen Karten nichts Großartiges ausrichten kann, entwickelt sich das eigene Deck mit der Zeit so, dass wir mit Behandlungspunkten überschwemmt werden. Zumindest dann, wenn wir uns nicht allzu blöd anstellen. Das ist dann aber auch der Zeitpunkt, in dem das Spiel eher repetitiv wird und wir Zug um Zug immer dasselbe machen.

Auch wäre eine flexiblere Kartenwahl sinnvoll gewesen. Da immer alle Karten im Spiel sind, blockiert dies Überraschungen und neue Strategien. Zumal sich auch sinnlose Karten ins Spiel geschlichen haben. Garniert mit wenigen, aber dafür offensichtlichen Kombos, die uns das Spiel etwas anspruchsvoller manipulieren lassen.

Dennoch hat das Spiel was. Und damit meine ich nicht die halbnackten Frauen mit Monstermöpsen, die auf den Karten abgebildet sind. Die Grafik schwankt hier mehr als in anderen Japanime Games Titeln zwischen unerotisch aber überzogen und äußerst geschmacklos. Während einer Partie treten die Bilder dann aber in den Hintergrund. Denn man konzentriert sich nur noch auf die nackten Zahlen (hihi… er hat nackt gesagt…).

Das Spiel selbst hat eine gewisse Leichtigkeit und einen schönen konfrontativen Charakter. Hier kann man seine Mitspieler beeinflussen, ohne wirklich zerstörend zu wirken. Man schafft ihnen einfach Probleme, die sie zu bewältigen haben. Leider nimmt dieses Element im Laufe einer Partie immer mehr ab. Es würde “Dynamite Nurse” nicht schaden, wenn es kürzer und knackiger wäre. Denn im Grunde genommen liegt ein unterhaltsamer Deckbuilder vor, der sich perfekt als Absacker eignet, da er sich nicht gänzlich solitär anfühlt.

“Dynamite Nurse” ist für mich ein gutes, unterhaltsames Spiel, das seine Schwächen jedoch sehr offensichtlich präsentiert. Dennoch spielen wir es trotz der Optik recht gern, da es schnell und ohne groß zu überlegen von der Hand geht.

Dynamite Nurse

Japanime Games


Autor: Atsuo Yoshizawa
Dauer: ab 45 – 60 Minuten
Spieler: 3 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger – Fortgeschrittene

Anmerkungen