Call of Cthulhu – PS4 / XBOX One – Focus Home Interactive – 2018

Seit 1926 können wir uns mit dem Mythos um die großen Alten gruseln. Da hat H.P. Lovecraft die erste Kurzgeschichte namens “Call of Cthulhu” veröffentlicht. In der Zwischenzeit gibt es neben Literatur und Film diverse spielerische Umsetzungen. Eine ganze Reihe von Computerspielen, ein Rollenspiel und diverse Brettspiele haben den Mythos aufgenommen und verarbeitet. Mit “Call of Cthulhu” erschien eine neue Version des Grauens für PS4 und XBox One. Wir haben uns die Playstation Fassung bereits ansehen können und erzählen euch, ob sich die Anschaffung lohnt.


Befragt die Geringeren, auf daß nicht die Größeren Euch antworten und mehr heraufbeschwören, als Ihr vermöget.

(H.P. Lovecraft)

Wir spielen “Call of Cthulhu” aus der Ego-Perspektive. Dabei steuern wir keinen Übermenschen, sondern einen vom ersten Weltkrieg gezeichneten Privatdetektiv. Dieser begibt sich nach Darkwater, um das Schicksal der Tochter eines Firmenmoguls zu lösen. Sie hat nicht nur Bilder gezeichnet, die einen Wahnsinn vermuten lassen, sondern kam vor kurzem mit ihrer Familie bei einem Brand im Haus ums Leben.

Während unserer Ermittlung führen wir viele Gespräche und untersuchen Orte, um Hinweise auf das Schicksal der verunglückten Familie zu finden. Dabei begeben wir uns immer weiter in das dunkle Geheimnis, bis es uns selbst zu verschlingen droht.

Wir haben für euch ein paar Lets Plays auf Youtube zusammengestellt. In diesen könnt ihr das Spiel im genauen Ablauf verfolgen. Aber Achtung, es besteht 100 %-ige Spoilergefahr!

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https://www.youtube.com/playlist?list=PLQtdHiYrFE5Augv9Ert-yaPffJUiU0G9R

Weitere Eindrücke seht ihr in unserer Galerie:

Der Ladebildschirm klärt uns über den aktuellen Verlauf der Geschichte auf.
Diese Charakterfähigkeiten legen unser Wesen fest. Dabei können Medizinkunde und Okkultismus nicht direkt über erhaltene Charakterpunkte gesteigert werden.
Für diese müssen wir im Spiel verteilte Bücher finden.
Jedes Buch oder Schriftstück lässt unseren Wert etwas besser werden.
Mögliche Aktionen werden auf dem Bildschirm eingeblendet.
Häufig wandeln wir durch dunkle Bereiche, die wir mit einer passenden Lichtquelle erhellen können. Dabei steht uns jedoch nur ein begrenzter Vorrat an Lampenöl zur Verfügung.
Die Sprachausgabe ist komplett in Englisch gehalten. Auf Wunsch können Deutsche Untertitel eingeblendet werden.
Manche Aktionen müssen durch längeren Tastendruck ausgelöst werden.
Nach und nach finden wir Gegenstände, die uns weitere Informationen zu unserem Fall liefern.
Diese sind, samt Orten und Personen stets im Options-Menü verfügbar.
In Gesprächen dürfen wir unsere Fragen und Antworten selbst wählen. Dabei beeinflussen unsere Ermittlungen und Charakterwerte, welche Optionen uns zur Verfügung stehen.
Kommen wir an bestimmte Orte, können wir eine Rekonstruktion der Ereignisse starten.
Dort verwenden wir unter anderem unser Wissen, um neue Hinweise zu analysieren.
Mit fortschreitender Ermittlung in der Rekonstruktion ...
... vervollständigt sich das Bild der Geschehnisse.
Bis wir einen Überblick erhalten, was tatsächlich passiert ist.
Zwischendurch kommt es zu Schleichpassagen.
In diesen dürfen wir uns vor unseren Verfolgern in Schränken verstecken. Da unser Charakter jedoch unter Klaustrophobie leidet, sollten wir nicht zu lange drin verweilen.
Kämpfe sind keine Option für unser Alter-Ego. Sehen wir mal ein solches Wesen aus der Nähe, bedeutet es unseren Tod.
Das Spiel wird durch Rätsel aufgelockert. Manches offensichtlich als solches Erkennbar, manches als Storyelement. Hier müssen wir zum Beispiel die Kombination eines Safes herausfinden. Das Rätsel ist zu 100 % mit Logik lösbar.
Auch Schalterrätsel haben ihren Weg ins Spiel gefunden.
Unser Abenteuer spielt in Darkwater. Einer beschaulichen Insel vor Boston.
So manch ekliger Anblick bleibt uns nicht erspart, wobei die angefressenen Wale noch harmlos sind.
Zwischensequenzen werden in Videos erzählt. Meist zu Beginn oder Ende eines Kapitels erhalten wir einen Clip.


Das älteste und stärkste Gefühl ist Angst, die älteste und stärkste Form der Angst, ist die Angst vor dem Unbekannten.

(H.P. Lovecraft)

Mein Gott hat mich “Call of Cthulhu” gefesselt. Die Atmosphäre die der Titel aufbaut ist extrem dicht, so dass ich mit aufgestellten Haaren durch dunkle Gänge wandernd beinahe das Atmen vergessen habe. Wobei wichtig ist, dass man sich in das Spiel hineinversetzt. “Call of Cthulhu” ist kein Effekthascher. Das Grauen kommt nicht mit dem Holzhammer, sondern schleicht sich von hinten an, um den Rücken hinaufzukriechen und einem ins Ohr zu brüllen. Man kann die Spirale erfühlen, die unser Alter-Ego hinab ins Grauen verfolgt.

Aber ja, die Grafik ist nur in Ordnung und die Figuren wirken recht hölzern. Manche sehen auch eher aus, wie Puppen eines Marionettentheaters. Hier muss man einfach mal ein Auge zukneifen, denn man erhält als Belohnung gut geschriebene Dialoge und eine klasse englische Vertonung, die einen Emotionen spüren lässt.

Dabei vergisst man schon beinahe, dass man eigentlich durch einen Schlauch geleitet wird. Man bewegt sich durch die Szenerie auf der Suche nach weißen Aktionsfeldern. Böse gesagt könnte man behaupten, dass es sich um ein gigantisches Wimmelbild-Spiel handelt. Die Entwickler lassen einen das sehen, was sie möchten. Achtet man darauf, merkt man seine eingeschränkte Freiheit ganz genau. Doch das ist ein Tod, den man sterben muss, wenn man eine packende Story haben möchte. Eine Geschichte, die einen Spannungsbogen aufbaut, der nicht immer wieder zusammensackt, weil man nun in einer kleinen Nebenquest 3 Federn sammeln soll.

Ein kleines Highlight sind dabei die “Rekonstruktionen”. In diesen versuchen wir in einem begrenzten Raum Geschehnisse zu ergründen. Dabei baut sich Stück für Stück eine Szenerie auf, die uns neue Hinweise für unseren Fall liefert. Ja, auch hier ist der Part im Grunde genommen ein Suchspiel nach markierten Bereichen, aber die Atmosphäre täuscht hier über vieles hinweg.

Kämpfe werdet ihr in dem Spiel übrigens vergeblich suchen. Wir steuern keinen Übermenschen mit hunderten Waffen, sondern einen vom Krieg gezeichneten Detektiv. Klar wird hier kein Klischee ausgelassen. Natürlich ist unser Detektiv Alkoholiker. Natürlich sind alle Menschen auf der Insel verschlossen. Natürlich wabert überall der Nebel. Ich persönlich bin niemand der daran Anstoß nimmt. Ich sehe auch in Filmen darüber hinweg, wenn sie mich ansonsten unterhalten und in ihren Bann ziehen können. Solltet ihr das nicht können, wird dieser Umstand auch bei “Call of Cthulhu” ein steter Dorn in eurem Auge sein.

Ich persönlich habe das Spiel sehr genossen. Ein stimmiger Horrorthriller, der Klischeeklippen nicht umschippert, sondern direkt rammt, dabei aber das Grauen Stück für Stück aufbaut. Ein Spiel, das mit Blut nicht geizt, dieses aber nicht als Hauptmerkmal des Grusels zu stilisieren versucht. Für mich ist “Call of Cthulhu” zwar spielerisch gesehen nicht allzu anspruchsvoll, aber dafür eine gute, erlebte Geschichte, die mit “Was passiert denn jetzt gerade???” Momenten nicht geizt. Nicht alles ist logisch und so manches muss man einfach akzeptieren. Wie etwa die Optik der Charaktere und allgemein Grafik, die noch gut Luft nach oben hätten. Dennoch zieht es mich immer wieder nach Darkwater, selbst an Stellen, an denen ich zu nagen hatte, weil die Lösung dann doch nicht ganz offensichtlich war.

Call of Cthulhu

PS4, XBox One


Developer: Cyanide Studios
Spieler: 1
Schwierigkeit: Fortgeschrittene

Anmerkungen

Sprache: Englisch – Deutsche Untertitel

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