Trollfjord – Zoch – 2018

Letztes Jahr besuchte ich mit meinem Sohn auf einem Schulausflug eine Veranstaltung des Münchner Sinfonieorchesters. Dort wurde die Peer Gynt Suite auf kindgerechte Weise aufbereitet und vorgeführt. Dabei durfte natürlich „In den Hallen des Bergkönigs“ nicht fehlen. Unterlegt wurde das Lied mit einem kleinen Troll-Reim, der einem noch Tage später im Kopf herumspukte. Ich hatte Glück, als ich ihn wieder beiseite räumen konnte. Zumindest so lange, bis ich angefangen hatte „Trollfjord“ zu spielen. Und so hämmere ich nun im Takt des Reimes auf den beigelegten Turm.


Mit heißen Tränen wirst du dich dereinst Heim sehnen nach den väterlichen Bergen.

(Friedrich Schiller)

Die namensgebenden Obertrolle marschieren in „Trollfjord“ auf einer Leiste um den Spielplan. Dadurch lösen die Spieler Aktionen aus. Diese beschränken sich auf das Einsetzen ins oder Verschieben von Trollen auf dem Spielfeld. Sind alle Bedingungen erfüllt, darf ein Spieler zusätzlich auf den beiliegenden Turm hämmern. Fallen dabei zu viele Edelsteine heraus, ist der Bergkönig erzürnt. Doch ist er sanftmütig, dürfen wir einen anliegenden Punktemarker nehmen. Das Spiel endet, wenn ein Spieler alle Punktefelder belegt hat. Dann gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten.

In dieser Galerie zeigen wir euch ein Beispiel zum Spielablauf:

Wir spielen heute "Trollfjord" zu dritt.
Unser Obertroll steht auf der Laufleiste ganz hinten, weswegen wir beginnen.
Wir dürfen mit dem Troll bis zu drei Schritte gehen. Gegnerische Figuren werden dabei übersprungen. Wir laufen insgesamt zwei Landschaftsfelder und stehen nun auf Wasser.
Je Schritt dürfen wir einen unserer kleinen Trolle auf die passende Landschaft stellen.
Nun ist schwarz am Zug. Er läuft drei Felder, bis er auf Gebirge steht.
Dafür stellt er drei Arbeiter ein.
Nun läuft orange drei Felder.
Er stellt drei Trolle auf ein Schneefeld.
Wir stehen wieder ganz hinten, so, dass wir wieder an der Reihe sind. Wir gehen ein Landschaftsfeld weiter. Da wir hinter den anderen Spielern stehen, erhalten diese Rückenwind. Bedeutet, sie dürfen jeweils einen Troll einsetzen.
Dafür stellen wir einen Troll auf einen Wald.
Da wir immer noch hinten stehen, sind wir erneut an der Reihe. Wir gehen drei Felder.
Und setzen dafür drei Trolle ins Wasser. Danach entscheiden wir uns, dass wir hämmern möchten. Wir müssen dazu auf mindestens zwei angrenzenden Feldern zum aktuellen Turm stehen.
Da wir insgesamt fünf Trolle als Arbeiter vor Ort haben, dürfen wir fünfmal hämmern.
Wir nehmen den Turm und Hammer.
Der erste Schlag befördert diese Edelsteine ans Tageslicht. Wir dürfen von keiner Farbe (außer weiß) mehr Edelsteine haben, als Trolle am Turm stehen. Sonst werden wir bestraft. Aktuell ist es jedoch kein Problem, so, dass wir weiterhämmern.
Nach fünf Schlägen haben wir insgesamt 13 Edelsteine herausgeholt.
Die Plättchen, auf denen wir stehen, zeigen jedoch 14 und 25 an. Damit haben wir das Ziel, zum Nehmen der Plättchen, nicht erreicht. Wir müssen alle Trolle von einem der benutzten Felder nehmen. Unser Zug endet.
Später im Spiel bewegt sich Schwarz auf den Fußspuren vorwärts.
Damit darf er seine eingesetzten Trolle bewegen. Er hat auf der Leiste zwei Schritte gemacht.
So dass er insgesamt zwei Bewegungspunkte hat, die er einsetzt, um zwei Trolle vom Sumpf umzusetzen.
Etwas später versuchen wir erneut dem Turm die Edelsteine zu entlocken. Da unsere Mitspieler inzwischen genügend Trolle vor Ort haben und auch an zwei Seiten angrenzen, dürfen sie sich uns aufdrängen. Der schwarze Spieler hämmert mit uns mit, da er insgesamt mehr Trolle zu Verfügung hat.
Zusammen haben wir neun Trolle, was neun Schläge ausmacht.
Diese nutzen wir komplett. Damit sammeln wir 26 Edelsteine.
Wir nehmen uns das Punkteplättchen 25 und legen es auf unseren Beutel. Da wir auf dem ersten Feld das höchste Plättchen gesammelt haben, erhalten wir auch noch die Krone.
Danach darf sich schwarz noch ein Plättchen aussuchen, muss es jedoch in den unteren Punktebereich des Beutels legen.
Im Anschluss werden alle unsere Trolle entfernt.
Das Spiel geht weiter, bis ein Spieler alle nötigen Plättchen gesammelt hat.
Die anderen Spieler dürfen nun noch jeweils einen Zug machen. Danach werden die Punkte gezählt. Wer die meisten hat, gewinnt.

Man muss nicht alle Berge ebnen wollen.

(Sprichwort)

„Trollfjord“ versucht einen gefährlichen Spagat. Wir haben einen Einsetzmechanismus, der nur auf den ersten Blick relativ einfach und beliebig aussieht. Dazu ein Gimmick in Form eines Turms, auf den geklopft wird. Kombiniert wird beides mit einem Regelwerk, das vom Umfang und den Details relativ weit von der Zielgruppe Familienspielern entfernt ist. Das Spiel setzt sich damit irgendwie zwischen so ziemlich alle Stühle und weiß nicht ganz genau, was es will.

Dennoch würde ich es am ehesten als Familienspiel kategorisieren. Auch, wenn vielen von ihnen beim Regelwerk die Puste ausgehen könnte. Diverse Formulierungen und die Länge benötigen schon ein gewisses Maß an Arbeit, um sich ins Spiel hinein zu fuchsen. Nicht, dass das Spiel arg schwer wäre, aber an der einen oder anderen Stelle merkt man schon, dass Regeln nur eingeschoben wurden, dass das Spiel nicht kippt. Das ist fürs erste erlernen dann eine Hürde, die genommen werden möchte, selbst, wenn es während der Partie schnell in Fleisch und Blut übergeht gibt es viele Möglichkeiten Regelfehler zu begehen.

Das Spiel selbst hat eine angenehme Länge und bietet gewisse taktische Entscheidungen, die dazu führen, dass wir schön Pläne schmieden und uns beim Gegner einnisten können, um von seiner harten Arbeit zu profitieren. Hier kommen dann auch Mehrheiten und Platzierungen ins Spiel, die beachtet werden müssen. Wer das beherrscht, tut sich mit dem Sieg leichter. Hier ist dann auch die große Stärke von „Trollfjord“, denn trotz der kindlichen Aufmachung sollte wohl überlegt werden, was man macht. Eine Stärke, aber dann auch ein zweischneidiges Schwert. Vor allem, wenn man mit Kindern spielt und sie wieder an der Nase herumführt, sind diese nicht allzu begeistert.

Kommen wir noch zum Turm. Die Idee dahinter ist ja wirklich ganz nett. Optisch ist er natürlich ein Highlight und bringt auch ein „Push-your-Luck“ Element mit ins Spiel. Gleichzeitig ist er vollkommen unberechenbar, da ich nie weiß, wie hoch das Risiko mit dem nächsten Schlag wirklich ist. Es wirkt dabei fast wie ein Fremdkörper. Spielerisch werden hier natürlich eher Kinder angesprochen, die eine wahre Freude daran haben auf den Turm einzuschlagen.

Somit ist „Trollfjord“ ein Spiel, das seine Sache weder besonders gut, noch schlecht macht. Es ist durchaus unterhaltsam, jedoch wird ein Mitspieler benötigt, der sich einarbeiten möchte.


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Trollfjord

Zoch


Autor: Eilif Svensson, Kristian A. Østby
Dauer: ca. 45 – 60 Minuten
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger bis Fortgeschrittene

Anmerkungen

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