SPIELSTIL Rezension

Heimspiel – Clementoni – 2016

Lesezeit: 4 Minuten

Ein Spiel entwickelt von nicht benannt
erschienen bei Clementoni

ACHTUNG! Clementoni hat diese Rezension als Grundlage genommen, um mit dem Autoren des Spiels zu sprechen. Dabei ist aufgefallen, dass sich Druckfehler in die Anleitung geschlichten haben. Die Änderungen findet ihr hier: Heimspiel Änderungen


Millionen von Bundestrainern, die Zuhause auf der Couch oder auf den Plätzen im Stadion sitzen wissen, dass sie es besser könnten. Besser als diese 11 Hansel, die mit dem Bällchen auf dem Feld spielen. Besser als dieser Trainer. Besser als alle eben. Und für eben diese hat Clementoni „Heimspiel“ herausgebracht. Dort kann man beweisen, dass man den eigenen Verein erfolgreich durch eine komplette Bundesliga Saison führen kann. Aber, wie erfolgreich kann es den in Deutschland erfolgreichsten Sport aufs Spielbrett transferieren?

 


Tooooor!! Tooooor!!! Toooooor!!

In „Heimspiel“ erhält jeder eine zufällig zusammengestellte Mannschaft. Diese kann er vor dem Start der Liga mit Topspielern aufrüsten. Das Restgeld wird direkt in die Saison übernommen. Die Spiele selbst entscheiden sich durch den aktuellen Team-Score, einen Würfelwurf und 3 Ereigniskarten. Je nachdem, wie es ausgeht erhält man mehr oder weniger Punkte, sowie Geld. Letzteres darf man zwischen den Spielen auf dem Transfermarkt einsetzen oder die eigene Mannschaft, bzw. deren Spieler, durch Training aufwerten.

Einen genauen bebilderten Spielablauf findet ihr in dieser Galerie.

Im Spiel zu zweit wollen wir euch Heimspiel präsentieren.
Zu Beginn erhält jeder eine Mannschaft zugelost.

Jeder hat ein Startkapital von 85 Millionen. Von diesen zieht er den Wert der aktuellen Spieler ab. Mit dem Restgeld darf man die Mannschaft nun noch um Topspieler ergänzen.

Jeder Spieler erhält hierfür 5 Topspieler.

Der mit dem niedrigsten Scorewert deckt den ersten auf. Er hat nun das Vorkaufsrecht auf diesen Spieler.
Wir entscheiden uns dafür und kicken für Julian Baumgartlinger den Spieler Janik Haberer aus dem Team. Die Differenz (der neue Spieler kostet 8 Millionen, der alte hatte 2 Millionen gekostet) muss nun bezahlt werden.
Entscheidet man sich mal gegen den Kauf dürfen die Gegner auf diesen Spieler zugreifen.
Hat jeder seinen Stapel durchgearbeitet hat man seine Mannschaft komplett. Nun prüft man, von welchem Verein man die meisten Spieler hat.
Diesen erhält man nun für dieses Spiel. In unserem Beispiel steuern wir die Geschicke von Hertha BSC.
Um beginnen zu können müssen wir uns für ein Spielsystem entscheiden. Zu Beginn haben wir für Hertha die Systeme 4-3-3 und 4-5-1 freigeschaltet.

Wir entscheiden uns für 4-3-3 und stellen die Spieler entsprechend aufs Feld.

Im Anschluss errechnen wir unseren Teamscore, also die Stärke der Mannschaft.

Und schon kann das Spiel beginnen. Wir werfen einen Blick auf unseren ersten Gegner. Wir treten gegen den SC Freiburg an, der eine Stärke von 72 (71 + aktueller Spieltag) aufweist.
Wir werfen den 20-seitigen Würfel und addieren das Ergebnis zu unserem Team-Score. Somit sind wir nun bei 60 gegen 72 Punkte.
Das Spiel ist jedoch noch nicht vorbei. Wir erhalten noch 3 Ereingiskarten, die wir alle durchspielen müssen.
Juhu, wir müssen einen unseren Spieler auswechseln, da wir sonst einen Malus von -5 erhalten.
Also nehmen wir Niklas Stark vom Platz.
Und stellen dafür Marco Höger auf. Unser Glück. Beide haben eine Stärke von 4, so dass sich unser Team-Score nicht verändert.
Ereigniskarte 2 ist das Formtief, welches wir mit einem Spieler mit der Eigenschaft „Führungsspieler“ abwenden könnten. Haben wir leider nicht, also trifft uns der Malus von -5.
Die nächste Karte ist Formstark wir erhalten einen Bonus von +5. Wenigstens etwas.
Also hat sich vom Ergebnis nicht viel geändert. Wir haben 60 Punkte, der SC Freiburg 72. Da wir mehr als 4 Punkte hinter ihm liegen haben wir verloren. Wir kreuzen also 0 Punkte an und erhalten als Entschädigung 500.000 Euro.
Nachdem unser Mitspieler dieselben Schritte durchgeführt hat öffnet sich der Transfermarkt. Wir dürften nun verdeckt Gebote für die aufgedeckten Spieler abgeben (es ist dann wieder die Differenz zu dem von uns ausgetauschten Spieler zu bezahlen), aber das Mindestgebot ist uns bei beiden zu hoch.
Wir investieren lieber in unsere Spieler. 2 Millionen in Marvin Plattenhardt, der nun eine Stärke von 6 hat.
Und 2 Millionen in Felix Wiedwald, der ab jetzt die Fähigkeit „Elfmeterkiller“ innehat.

Spielen wie Flasche leer.

„Heimspiel“ wendet sich ganz klar an den breiten Markt derjenigen, die eigentlich nicht so viel mit Brettspielen am Hut haben. Dabei macht es jedoch den Fehler durch ein zu langes Regelheft schon einmal die ersten wieder abzuschrecken. Diejenigen, die sich durch dieses durchgebissen haben werden jedoch mit ganz anderen Problemen konfrontiert.

Sind wir in „Heimspiel“ mit unserer Startaufstellung fertig ergibt sich im Normalfall eine Mannschaft mit einem Team-Score von 50 – 60 Punkten. Hinzu kommt ein Wurf mit einem 20-seitigen Würfel. Also einem Würfel mit Ergebnissen von 1 – 20. Diese Spanne ist einfach viel zu groß. Im schlechtesten Fall starten wir also mit 51, im besten Fall mit 80 Punkten in ein Spiel. Hinzu kommen dann noch 3 Ereigniskarten, wobei man sagen muss, dass die negativen weitaus heftiger ins Gewicht fallen, als die positiven. Von Spielabbruch und einer 2 Millionen-Strafe (unseres Erachtens die heftigste Karte) und einem -5 Malus weil man eine Anweisung nicht ausführen kann oder Verletzungen und dem dabei verbundene Ausfall für mehrere Spiele, ist da alles dabei. Dem entgegen steht ab und an mal ein Bonus von +2, im besten Fall von +5.

Nun sehen wir uns an, gegen was wir antreten. In den meisten Fällen gegen neutrale, das heißt von „Heimspiel“ geführte Mannschaften. Diese haben etwa einen Wert von 71 – 80 Punkten plus den aktuellen Spieltag. Nehmen wir mal an, dass wir gegen den 71er am 1. Spieltag spielen. So hat dieser dann einen Team-Score von 72. Wir selbst nehmen mal den Besten Fall an, also dass wir eine 60er Mannschaft haben. Da sind die Differenz schon mal 12 Punkte. Heißt, wir müssen mindesten 12 würfeln, um überhaupt gleich zu ziehen, haben dann aber noch keine Ereigniskarte ausgespielt.

Macht nichts, werden die einen oder anderen sagen. Schließlich kann ich in „Heimspiel“ doch erst mal Geld sammeln und das in meine Mannschaft stecken. Klar… Kann man. Eine Niederlage bringt ja auch 500.000 Euro. Das kann man dann schon mal investieren. Aber. Um einen eigenen normalen Spieler auch nur um 1 Punkt im Team-Score anzuheben muss man 2.000.000 Euro investieren. Auf Deutsch, erst einmal 4 Spiele verlieren! Klar kann man versuchen Spieler aus dem Transfermarkt zu erhalten, das steigert den Mannschafswert gleich um mehrere Punkte. Aber die Investition ist einfach auch größer.

Schade, dass in „Heimspiel“ genau der zentrale Mechanismus, eben die Fußballspiele, überhaupt nicht funktioniert und ein reines Glücksspiel mit größeren Chancen bei den Gegnern ist. Besser könnte es natürlich bei direkten Spielen gegen den/die Mitspieler funktionieren. Aber hier kann man das fast auch schon auf „wer würfelt höher“ reduzieren. Hier wäre so viel möglich gewesen. Klar musste man für „Heimspiel“ einen Mechanismus finden, der schnell funktioniert, denn man hat 34 Spiele zu bestreiten, bis eine komplette Saison vorbei ist. Aber was bringt es das schnell abzuhandeln, wenn man eben keinen Einfluss hat, bzw. das Spiel eben durch Unfairness zu einem vollkommen langweiligen Ablauf tendiert, bei dem jeder eben nur noch hofft, dass es möglichst schnell vorbei ist.

Heimspiel

Clementoni 2016


Autor: ?
Dauer: ca. 90 – 120 Minuten
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Fortgeschrittene

Anmerkungen

Heimspiel – Clementoni – 2016 von nicht benannt

Spielstil – Wertung

Christian:

1/10

Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.

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Written by Christian Renkel
Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

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