Valletta – Hans im Glück – 2017

Okay, das habe ich bisher auch noch nie gesehen. Eine ganzseitige Werbeanzeige prangt auf der Rückseite des Begleithefts, in dem die einzelnen Karten zu „Valletta“ erklärt werden. Eben jene Hauptstadt von Malta will man uns dort als Reiseziel schmackhaft machen. Den Grund dafür werde ich wohl nie erfahren. War einfach eine Seite übrig und der Redakteur Fan von Malta oder hat man eine Werbeanzeige verkauft? Gleichfalls ratlos bleibe ich zurück, ob ich das nun gut finde oder nicht. Optisch ist es natürlich ansprechend, aber ich hoffe gleichzeitig, dass es keinen neuen Trend im Brettspielbereich einläutet Werbeanzeigen in Anleitungen zu verkaufen. Naja, wenn sie zumindest passend sind kann ich es noch verschmerzen, aber ich möchte nicht, wie eine Zeitlang in Büchern von Heyne (wenn mich mein Gedächtnis nicht im Stich lässt) eine Seite der Marke „Das ist aber spannend, besser jetzt noch eine 5-Minuten Terrine essen.“ vorfinden…
 

Wer alles glaubt, was man ihm erzählt, glaubt nicht an sich selber.

(aus Malta)

In „Valletta“ bauen wir die gleichnamige Hauptstadt von Malta auf. Die Steuerung erfolgt dabei über ein Kartendeck, das die Mitspieler individuell erweitern und ausdünnen. Diverse Handwerker und zeitgenössische Persönlichkeiten helfen uns dabei das uns zustehende Ansehen zu erreichen. Denn nur, wer zum Schluss am meisten Punkte sammeln konnte, kann gewinnen.

Einen bebilderten Spielablauf findet ihr in dieser Galerie:

 


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Zur Demonstration habe ich euch ein 2er Spiel von Valletta aufgebaut.

 

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Wir beginnen und haben zum Start diese Kartenhand.

 

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Für unseren ersten Zug spielen wir "Jean de la Valette".

 

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Das sorgt dafür, dass dieser auf seiner Leiste den ersten Schritt macht. Das dort verdeckt liegende Fass decken wir auf. Wir erhalten das darauf abgebildete Goldstück.

 

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Als zweite Valette-Aktion entlassen wir unseren Steinhauer aus der Kartenhand, um unser Deck auszudünnen.

 

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Die zweite Karte, die wir spielen, ist der Baumeister.

 

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Wir geben 1 Gold, 1 Stein und 1 Ziegel aus, um 1 Steinmetz zu bauen.

 

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Die dort liegende Karte nehmen wir auf die Hand und stellen dafür eines unserer Häuschen auf das Gebäude.

 

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Als dritte Karte spielen wir den soeben erworbenen Steinmetz.

 

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Da auf unseren bisherigen Gebäuden 1 Stein abgebildet ist, erhalten wir auch genau 1 Stein dafür.

 

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Die 3 gespielten Karten wandern auf den Ablagestapel.

 

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Und wir ziehen nach, bis wir wieder 5 Karten auf der Hand haben.

 

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Unser Gegner ist am Zug und beginnt mit dem Holzfäller, der ihm 1 Holz einbringt.

 

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Danach erhält er für die Magd 1 Ziegel.

 

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Zuletzt kopiert er mit dem Lehrling die Magd und nimmt sich dafür 1 Stein.

 

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Wir sind wieder am Zug und haben nun diese Kartenhand als Ausgangslage.

 

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Da wir etwas rar an Rohstoffen sind holen stocken wir mit diesen Karten unseren Vorrat wieder etwas auf.

 

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Nun ist unser Gegner wieder dran. Er spielt Valette.

 

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Erhält für den Schritt 1 Ziegel.

 

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Danach nimmt er sich aus dem "Restestapel" 1 Baumeister (erlaubt durch Valette).

 

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Diesen spielt er sofort.

 

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Und baut 1 Schreiner.

 

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Da Valette gerade im passenden Straßenabschnitt war und mit Begeisterung gesehen hat, dass an Valetta gebaut wird, erhält der blaue Spieler dafür 2 Siegpunkte.

 

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Auch die dritte, gespielte Karte ist ein Baumeister.

 

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Er möchte seinen Schreiner aufwerten und bezahlt dafür die Rohstoffe, ohne die aufgedruckten Goldkosten.

 

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Dafür darf er die Karte drehen. Diese ist nun nicht nur doppelt so viele Siegpunkte wert, sondern produziert nun auch 2 statt 1 Holz.

 

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Das Spiel geht so lange weiter, bis 1 Spieler die 25 auf der Siegpunktleiste erreicht.

 

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Alternativ wird das Ende auch eingeläutet, wenn Valette am letzten Feld ankommt oder ein Spieler alle Häuser verbaut hat. Dann wird der Ablagestapel mit dem Nachziehstapel gemischt und jeder Spieler darf seinen Stapel noch einmal komplett durchspielen. Wer zum Schluss die meisten Punkte hat gewinnt.

 


Schönheit wird geliebt, ohne dass sie etwas weiß, und Hässlichkeit wird gehasst, ohne dass sie schuld ist.

(aus Malta)

Was haben wir nicht alles bereits im Vorfeld zu „Valletta“ gehört? Die einen jammerten, dass Hans im Glück kein weiteres Spiel im Kaliber von „First Class“ veröffentlicht. Die anderen hatten erkannt, dass der Startspieler einen uneinholbaren Vorteil genießt. Das ging so weit, bis Hans im Glück eine neue Regel zur Startspielervergabe nachschob, die sogleich wieder zerlegt wurde.  Aber wisst ihr was, wir machen jetzt erst einmal eines. Wir atmen tief durch und werfen alle Vorurteile über Bord. Ja, „Valletta“ ist im Gegensatz zu anderen Spielen ein „Leichtgewicht“, was aber nicht schlecht sein muss. Schließlich möchte ich auch mit nicht spielaffinen Menschen tolle Spieleabende erleben, bzw. ist mir nicht immer nach einem 5 stündigen „Eclipse“ Epos in voller Besetzung. Und genau hier setzt „Valletta“ sehr gut an. Es ist in den Grundmechanismen sehr einfach zu erlernen und zu vermitteln. Dennoch gibt es das ein oder andere zu entdecken. Aber leider von diesem nicht genug.

Ja, es gibt viele Gebäude, von denen man im ersten Spiel nicht alle zu sehen bekommt. Aber für ein Deckbau Spiel ist dann doch zu wenig Varianz drin. Im Endeffekt haben wir zu jedem Rohstoff eine Möglichkeit diesen zu erwerben, einen Baumeister, der bestimmte Rohstoffe beim Bau spart und Belohnungskarten, die Siegpunkte für bestimmte Gebäude generieren. Dann noch ein paar Varianzen dazwischen und das war es. Hier wäre mehr schön gewesen. Kein absolutes Muss, aber eben schön. Aber so gibt es zum Glück keine übermächtigen Karten, die Kombinationen erlauben, die nicht einholbar sind. Es ist alles einfach etwas bodenständig.

Was mir persönlich jedoch etwas missfällt ist, dass das Spiel zu schnell vorbei ist. Es hört immer gefühlt dann auf, wenn man alle Vorbereitungen abgeschlossen hat und nun die Früchte seiner Arbeit genießen möchte. Dass ein Spiel nun etwas zu kurz geraten ist kann man nun positiv, wie negativ auslegen. Ich nehme es mal sportlich positiv (und wandelbar), denn das ist mir lieber, als ein langes Spiel, das scheinbar kein Ende nehmen möchte und nur noch zur Qual verkommt.

„Valletta“ selbst bleibt dann eine Mischung aus altbekannten, das sich zwar nett und flott spielt, jedoch irgendwie dennoch nicht komplett anfühlt. Unsere Testrunden waren (bis auf Ausnahmen) recht ausgeglichen, selbst planlose Spieler konnten Erfolge genießen, auch, wenn sie nicht um den Sieg mitspielten. Auch, dass der Startspieler einen uneinholbaren Vorteil genießt kann ich so nicht bestätigen. Natürlich werden das manche schon allein aufgrund der fehlenden Regel zum Ausgleich des Vorteils annehmen und andere es als gesetzt empfinden, aber ich konnte nichts derart in Stein gemeißeltes feststellen.

Ob das Konzept im Massenmarkt aufgeht, werden wir sehen müssen. Die oben genannten „Nichtspieler“ haben jedenfalls problemlos teilnehmen können und weitere Partien eingefordert. Ein gutes Zeichen. Auch ich, der ich nun einige Partien und noch viel mehr verschiedene Spiele auf dem Buckel habe, bin weiteren Partien nicht abgeneigt, sondern freue mich über einen schnelles Spiel zwischendurch. Wenn es nur etwas länger dauern würde und viel mehr Kombinationen geben würde…

 

 

Valletta

Hans im Glück 2017


Autor: Stefan Dorra
Dauer: ca. 10 – 15 Minuten je Spieler
Spieler: 2-4
Schwierigkeit: Einfach

Anmerkungen