Rezension – Terra Formars – Japanime Games – 2016

Ihr habt bei Terraforming Mars bereits den roten Planeten erfolgreich besiedelt und zu einem erdähnlichen Himmelskörper gemacht? Viel zu umständlich, wenn man “Terra Formars” glauben darf. Setzt Küchenschaben auf dem Mars aus und überlasst ihn sich selbst. Die Krabbler regeln das schon. Blöd nur, wenn man dann versucht zu landen und die Schaben inzwischen riesengroße, muskelbepackte Wesen sind, die die Eindringlinge ohne mit der Wimper zu zucken umbringen (und das ganz ohne Wimpern!). Es hilft also nichts, man nimmt eine Spezialeinheit, die den Dingern mal gehörig in den Rektalbereich tritt. Wäre doch gelacht…

Das überstrapaziert trashige Szenario basiert auf der gleichnamigen, erfolgreichen Anime-Reihe. Ich selber habe noch keine Folge davon gesehen, dachte mir aber, dass diese abgedrehte Story genau das richtige für mich sein könnte. Leider habe ich mich immens geirrt.


No matter how scared you are, it is important that you learn about what you fear.

(Adolf Reinhardt – Terra Formars)

Wir treten in “Terra Formars” alle gegeneinander an. Während wir mit dem Begleitheft versuchen herauszufinden, was die einzelnen Karten können, verwenden wir Kampfwürfel um Ausrüstung oder Unterstützung zu kaufen, Spezialaktionen auszulösen und den Schaben so richtig eins auf die Zwölf zu geben. Besiegen wir sie erhalten wir Siegpunkte und unsere Kollegen Bonusplättchen. Ist keine Schabe mehr zum Nachfüllen da, gewinnt derjenige das Spiel der die meisten Siegpunkte durch diese Monstrositäten sammeln konnte.

In dieser Galerie findet ihr einen kurzen Ablauf des Spiels:

Heute spielen wir "Terra Formars" zu dritt.
Wir sind Startspieler. Unser Marker liegt gerade auf dieser Schabe, die wir versuchen zu bekämpfen.
Damit wir wissen, was die Schabe für eine Sonderfertigkeit hat, schlagen wir das im Begleitbuch nach.
Auch unser Charakter verfügt über Fähigkeiten, die wir im Begleitbuch nachschlagen können (okay, man muss zugeben, dass die Symbole hier eindeutiger sind).
Was können denn die Karten auf unserer Hand? Zumindest bei einer sollten wir nachschlagen.
Wir haben uns auf unseren Zug vorbereitet und werfen die Kampfwürfel.
Zuerst möchten wir eine Karte aus der Auslage kaufen und prüfen, mit dem Begleitheft, welche denn am besten zu uns passt.
Wir nehmen diese hier (was auch immer sie darstellt) und geben dafür 3 Sterne aus.
Die Ausrüstung ordnen wir unserem Charakter zu. Er kann nun je Zug einen Stern in einen Schaden umwandeln.
Die Kaufauslage wird danach sofort aufgefüllt. Die neue Karte kann... Das sagt uns bestimmt das Begleitheft...
Wir kaufen noch Komachi, der uns 2 Sterne und ein Serum kostet und danach auf unsere Kartenhand wandert.
Zuletzt fügen wir der Schabe noch so viel Schaden zu, wie unsere Würfel angeben.
Danach müssen wir einen anderen Spieler auf unsere Schabe ziehen (Fähigkeit der Schabe).
Der nächste Spieler ist an der Reihe. Er verwendet 2 Sterne und 1 Serum, um seine Spezialfähigkeit zu aktivieren. Wie ihr dem Symbol entnehmen könnt darf er eine Ausrüstungskarte ziehen. Zumindest sagt das das Begleitheft.
Er zieht also blind eine Karte.
Danach spielt er Alex Kandley Stewart aus.
Dieser erlaubt ihm den Spezialwürfel zu werfen, was der Spieler auch sofort tut.
Nun spielt er Marcos E. Garcia.
Diese Karte fügt seiner Schabe direkt 3 Schäden zu.
Zusätzlich fügen seine Würfel der Schabe noch 3 Schäden zu, so dass ihr Wert von 6 erreicht wurde. Die Schabe ist besiegt.
Wären nun noch andere Spieler auf der Karte, würden sie die abgebildete Beute (zum Beispiel Schadensmarker) erhalten.
Die Schabe selbst wandert zum Spieler, der sie besiegt hat.
Diese wird durch eine neue Schabe ersetzt.
Danach sucht sich der Spieler eine neue Schabe aus, die er nun bekämpfen möchte. Der lila Spieler entscheidet sich für diese, da die Chance hoch ist, dass die Schabe besiegt und er einen Teil des Bonus erhalten wird.
So geht das Spiel weiter, bis keine Schaben mehr nachgezogen werden können. Nun zählt jeder Spieler die erreichten Siegpunkte. Wer die meisten hat, gewinnt.


Jedes Übel hat seine Vorteile, von denen niemand spricht. Kakerlaken zum Beispiel sind still und leise.

(Walter Ludin)

Oh… oh… oh… Wo fange ich nur an? Die Qualität des Spielmaterials ist ganz gut. Das war es dann aber auch schon mit dem positiven.

“Terra Formars” ist ein beliebiges Spiel, welches an keiner Stelle so richtig punkten kann. Am nervigsten ist dabei, dass die verwendete Symbolsprache in vielen Fällen null Aussagekraft hat, so, dass man ständig im Begleitbuch nachschlägt. Es ist Japanime Games anzurechnen, dass sie ein Multilinguales Spielvergnügen bieten wollten, aber bitte nicht auf diese Art.

Das Spiel selbst ist leicht problembelastet. Es herrscht das Glück an allen Ecken und Enden. Und nein, ich beziehe mich dabei nicht nur auf die Würfel. Die Karten selbst sind auch nicht balanciert, so dass es leicht passiert, dass ein Spieler ohne große Anstrengung oder spielerisches Geschick einen immensen Vorteil davonträgt. Ja, ich weiß, es gibt viele Titel, die genau darauf aufgebaut sind, aber bei “Terra Formars” fühlt es sich einfach vollkommen falsch an.

Die Optik orientiert sich an der filmischen Vorlage. Obwohl ich ein Fan von Anime bin, komme ich hier teilweise sehr nah ans Uncanny Valley. Vor allem die Schaben wirken auf mich sehr befremdlich. Gleichzeitig habe ich dasselbe Problem, wie mit jedem Spiel, das Filmgrafiken verwendet. Es wirkt nicht, wie aus einem Guss. Das können “normale” Spiele besser.

Ein weiteres Problem ist die deutsche Anleitung. Tut euch selbst einen Gefallen und werft sie weg. Ich weiß nicht, was bei “Terra Formars” genau schiefgelaufen ist, aber sie wirkt teilweise extrem unsauber formuliert, verwendet falsche Grammatik (der Plural von Serum ist nicht Serums) und stellt teilweise sogar die Regeln auf den Kopf. Ich weiß, ich selbst bin auch kein Held der deutschen Sprache, aber das war dann sogar mir zu viel. 

Im Komplettpaket bietet “Terra Formars” viele kleine Baustellen. Über den einen oder anderen Punkt würde ich hinwegsehen, wenn das Spiel dahinter wenigstens richtig gut ist. Leider ist dieses eher belanglos und bietet keine richtige Spannungskurve. Dementsprechend würde ich eher abraten. Japanime Games hat weitaus bessere Spiele für den geneigten Fan japanischer Comics im Sortiment. Verderbt euch die Vorliebe dafür nicht hiermit. 

Eine kleine Anmerkung zum Schluss. Die Altersangabe von 14+ kommt nicht vom Level der Komplexität, sondern ist ein Ergebnis der Illustrationen, die manchmal nicht allzu zimperlich ist.

Terra Formars

Japanime Games 2016


Autor: Nicolas Badoux
Dauer: ca. 30 Minuten
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen

Das Spiel wurde uns freundlicherweise von Japanime Games zur Verfügung gestellt.

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