Der Zahn der Zeit nagt an allem. Auch an Spielprinzipen und Aufmachungen. Das wurde mir unlängst wieder bewusst, als mir eine alte Ausgabe der Spielbox in die Hände fiel. Kaum 12 Jahre alt und schon sieht man, welchen Sprung Spiele seit 2005 gemacht haben. Optisch, von der Ausstattung, sowie spielerisch haben sie sich ständig weiter entwickelt. Dem einen oder anderen mag diese Entwicklung gar nicht derart bewusst sein, aber manch vermeintlicher „Klassiker“, der nach knapp 20 Jahren wieder mal auf dem Tisch landete entpuppte sich als rosa verfärbter Murks, bei dem man sich fragt, wie man etwas derartiges überhaupt mal leiden konnte. Was das mit „Raffzahn“ zu tun hat? Na, bis auf den Zahn gar nichts.
 

 

Zähne kommen und gehen mit Schmerzen

(Sorbisches Sprichwort)

In „Raffzahn“ versuchen wir durch geschicktes Würfeln Monster bei uns zu horten. Am liebsten die mit vielen Zähnen. Doch man sollte aufpassen, denn die Monster können vom Gegner geraubt oder von uns abgeworfen werden, was den einen oder anderen Fluch entlockt. Doch ganz wehrlos sind wir nicht, zumindest wenn Plättchen geschützt sind. Doch zum Schluss entscheidet rein die Anzahl der Zähne, wer der Sieger ist.

Bebilderte Beispielszüge seht ihr in der folgenden Galerie:

 


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Die Auslage wird vorbereitet, indem wir die Plättchen nach ihrem Wert sortieren. Großer Vorteil, die Grafiken zeigen einem bereits jetzt, wie viele Zähne sich hinter den einzelnen Monstern verstecken.

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Unser Gegner beginnt und wirft die 3 Würfel. Leider hat er einen faulen Zahn. Sein Zug ist sofort vorbei.

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Wir sind an der Reihe und werfen die Würfel.

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Den Stern legen wir zur Seite und werfen die anderen beiden Würfel erneut.

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Auch den neuen Stern legen wir zur Seite und werfen ein letztes Mal mit dem verbliebenen Würfel. Wieder ein Stern!

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3 Sterne bedeutet, dass man sich das Plättchen mit dem höchsten Wert aus der Mitte nehmen darf. In unserem Fall die 40.

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Unser Gegner ist wieder an der Reihe. Er wirft 34.

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Die 30 und die 2 legt er zur Seite und wirft den dritten Würfel erneut und kommt so auf ein Endergebnis von 35.

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Er nimmt sich das 35er Plättchen aus der Mitte.

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Wir sind wieder am Zug und haben nach 3 Würfen als Endergebnis 2 Sterne.

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Wir dürfen also das niedrigste Plättchen nehmen (alternativ hätten wir uns natürlich auch die 5 schnappen können).

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Da das Prinzip klar sein dürfte springen wir etwas in die Zukunft. Wir werfen die 3 Würfel und erhalten folgendes Ergebnis.

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Da Sterne an sich 0 Punkte ergeben haben wir eine 1 gewürfelt. Damit haben wir uns selbst getroffen.

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Da das Plättchen nicht geschützt war müssen wir es aus dem Spiel entfernen.

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Unser Gegner würfelt 40.

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Er klaut uns damit das 40er Plättchen.

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Als unser Gegner später wieder am Zug ist hat er die 25 erwürfelt.

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Er nimmt sich das Plättchen aus der Mitte. Da nun 3 Monster aufgedeckt vor ihm liegen, darf er das gesammelte Plättchen geschützt (= verdeckt) vor sich ablegen. Es kann dadurch nicht geklaut werden. Sollte er einen Eigentreffer auf die 25 würfeln wird das Plättchen nicht abgegeben, sondern nur umgedreht.

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Das Spiel endet, wenn alle Plättchen aus der Mitte gesammelt wurden. Die Monster werden umgedreht. Wer nun die meisten Zähne gesammelt hat, gewinnt.

Ein weher Zahn – schlechter Schlafkumpan.

(Wilhelm Busch)

Vor kurzem haben wir hier bereits „Mistkäfer“ für euch rezensiert. Ein weiterer Titel aus der „Klein und Gemein“ Reihe von Schmidt Spiele, der dieses Jahr erschienen ist. „Raffzahn“ schlägt dabei in dieselbe Kerbe. Ein einfaches Würfelspiel, das man mit niemandem spielen sollte, der keinen Spaß versteht. Schlechte Verlierer sind hier schlecht aufgehoben. Genauso, wie schlechte Gewinner. Denn eigentlich ist „Raffzahn“ ein reines Glücksspiel. Hier wird man ohne Zutun Versagen oder Siegen. Ein Aspekt, der mich seinerzeit bei „Heckmeck im Bratwurmeck“ bereits gestört hat. Auch weist „Raffzahn“ zu diesem diverse Parallelen auf. Wir haben eine zentrale Auslage, aus der wir uns mit Würfeln bedienen und dürfen bei Gegnern klauen. Erweitert wurde das Ganze jedoch durch den faulen Zahn, welcher meines Erachtens zu stark straft. Außerdem gibt es da noch die „Eigentreffer“ und einen größeren Zugriff auf die Plättchen der Gegner. Man könnte also sagen, dass man das Grundkonzept übernommen, sich aber Gedanken gemacht hat, wie man dem ganzen einen fieseren Charme geben kann.

Der Charme von „Raffzahn“ ist bei uns nicht so ganz angekommen. Wie gesagt, dafür fühlt man sich zu sehr den Ergebnissen der Würfel ausgeliefert. Über Sieg und Niederlage scheinen gerade nur die zu entscheiden. Dafür dauert dann eine Partie auch zu lange, um einfach mal darüber hinweg zu sehen. Runde um Runde muss gedreht werden, bis endlich der letzte Stein aus der Mitte genommen wurde. Sehr positiv dabei ist der Mechanismus mit den Sternen. Diese helfen, dass man die Plättchen schneller und gezielter abräumen kann, so dass „Raffzahn“ nicht zu einem Endlosspiel mutiert.

Alles in allem konnte uns „Mistkäfer“ dann doch mehr überzeugen. Der größere Einfluss dort gefällt uns besser, wobei die optische Aufmachung mit den ganzen unterschiedlichen Monstern bei „Raffzahn“ immens zu gefallen weiß. Wobei ich nur noch einmal betonen kann, dass „Heckmeck am Bratwurmeck“ bei mir nicht hoch im Kurs steht. Soll heißen, wer Fan von den Bratwürmern ist, der sollte sich „Raffzahn“ dennoch ansehen, schließlich sind Geschmäcker zum Glück verschieden. Für mich ist hier jedoch Schluss, ich muss noch ein paar Mistkugeln sammeln und hoffen, dass ich auch einmal gewinnen kann.

 

 

Raffzahn

Schmidt Spiele 2017


Autor: Rüdiger Klotze
Dauer: ca. 20 – 30 Minuten
Spieler: 3-6
Schwierigkeit: Einfach

Anmerkungen