Wer regelmäßig auf Spielstil unterwegs ist, weiß, dass ich ein kleines Faible für schöne und vor allem asiatisch angehauchte Spiele habe. Und selbst, wenn “Ohanami” eigentlich nichts Weiteres ist, als Kartenreihen legen, ist mein Sinn für Ästhethik voll angesprochen. Nachdem wir nun genügend Partien absolviert haben, kann ich euch auch sagen, ob die Optik das alleinige Merkmal des Spiels ist.


Der entwischte Fisch ist immer der größte.

(Japanisches Sprichwort)

“Ohanami” liegt ein reiner Drafting-Mechanismus zugrunde. Heißt, wir suchen zwei Karten aus, legen sie in unsere Auslage und geben die restliche Hand weiter. Danach beginnt der Kreislauf von vorn. In der Auslage stehen uns drei Kartenreihen zur Verfügung, an die wir jeweils nur außen anbauen dürfen. Dann aber auch nur auf- oder absteigend. Und gleichzeitig achten wir auf die Punktevergabe, denn nur, wer die richtigen Karten sammelt, wird gewinnen.

In dieser Galerie findet ihr ein Beispiel zum Ablauf:

In diesem Beispiel zeigen wir euch eine Runde "Ohanami" aus der Sicht eines Spielers.
Dies ist unsere aktuelle Kartenhand.
Von dieser wählen wir zwei Karten. Hat jeder Spieler seine Wahl getroffen werden sie aufgedeckt.
Wir können bis zu drei Kartenreihen anlegen, beginnen aber aufgrund der nahe beieinanderliegenden Zahlen mit einem einzelnen.
Danach erhalten wir die Handkarten des Spielers zur Rechten.
Erneut suchen wir uns zwei davon aus.
Ist jeder mit der Wahl fertig, wird wieder angebaut. Dabei dürfen wir eben die bis zu drei Reihen erstellen oder an bestehende anbauen. Angebaut wird immer an oberster oder unterster Stelle und dementsprechend auf- oder absteigend.
Wieder bekommen wir die restlichen Karten unseres rechten Mitspielers.
Wieder suchen wir zwei davon aus. 
Und bauen diese an unsere Gärten an. Wir haben Glück und passende Karten. Aber es steht uns jederzeit frei die Karten zur Seite zu legen und nicht in unseren Garten zu integrieren.
Das geht immer so weiter.
Dabei ist egal, was auf den Karten abgebildet ist, sofern die Reihenfolge der Zahlen passen.
Die Runde ist abgeschlossen, wenn keine Karten mehr im Umlauf sind. Dann wird abgerechnet. Nach der ersten Runde zählt jede Wasser-Karte drei Punkte.
Es werden noch zwei weitere Runden, wie beschrieben gespielt.
Nach drei Runden endet das Spiel. Zu der Wertung gesellen sich nach Runde zwei noch Pflanzenkarten. Diese sind jeweils vier Punkte wert. Nach Runde drei kommen noch die Steinkarten hinzu, welche jeweils sieben Punkte zählen. Ganz am Schluss zählen wir noch die Menge an Kirschbäumen, deren Wert wir in der Tabelle unten ablesen. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Ein Mensch lernt wenig von seinem Siege, aber viel von seiner Niederlage.

(Japanisches Sprichwort)

Christian meint:

“Ohanami” hat mich in den ersten Partien wirklich begeistert. Ein einfaches Spielprinzip, das in wenigen Sätzen zur Gänze erklärt ist, gepaart mit scheinbar unliebsamen Entscheidungen trifft bei mir genauso einen Nerv wie die wunderschöne Optik. Schnell ist eine Partie gespielt und irgendwie hat jeder ein gutes Gefühl, da er eine ansprechende Auslage gebastelt hat. Aber, ich habe es natürlich nicht sein lassen können und Partie um Partie um Partie gespielt.

Jetzt wäre es falsch zu sagen, dass die Luft aus dem Spiel raus ist, aber ein gewisser Schleier ist schon gefallen. Denn, eigentlich ist die oben erwähnte Entscheidungsfindung dann doch eher marginal. Fangen wir mal bei den Kirschblüten an. Schafft es ein Spieler zu viele von ihnen zu sammeln, hat er automatisch gewonnen. Um das zu verhindern, nimmt sie nun jeder in kleinen Dosen mit. Zusätzlich dann noch die restlichen Karten, die zur aktuellen Runde passen und voila, das Kartenglück scheint wichtiger zu werden, als die Entscheidung, was ich durchlassen sollte. Denn, auch, wenn zum Beispiel Steine einen höheren Wert haben, als die anderen Karten, habe ich mit einer Wasserkarte zum Zeitpunkt, wenn die Steine wichtig werden, bereits dreimal gepunktet. Oder anders ausgedrückt ist eine Wasserkarte, die in Runde eins gespielt wurde zwei Punkte mehr wert, als ein gespielter Stein. Das im Hinterkopf verführt natürlich dazu in einer einfachen Reihenfolge zu sammeln. Das gekoppelt mit dem Überspringen von Zahlen – was gar nicht so schlimm ist, wie zu Beginn befürchtet – sorgt dafür, dass sich eine Entscheidung plötzlich gar nicht mehr so wichtig anfühlt.

Aber (und eigentlich sollte ich ein großes ABER schreiben), das ist etwas, was Gelegenheitsspieler vielleicht aus dem Bauch heraus richtig spielen, jedoch so nicht wahrnehmen. Das und der leichte Einstieg hilft mir natürlich im Familienkreis oder mit Freunden, die normalerweise nicht spielen, mal etwas Abwechslung auf den Tisch zu bringen. Ihnen zu zeigen, warum mein Hobby eigentlich das tollste auf der Welt ist. Und dort zündet “Ohanami” dann auch, weil es eben als Gateway-Spiel alle wichtigen Kriterien erfüllt. Optik, niedriger Einstieg und nach einer Partie hat jeder ein positives Gefühl.

Dementsprechend wäre es nun unfair von mir Maßstäbe eines Freundes komplexer Spiele anzulegen. Denn zum einen will “Ohanami” diese Zielgruppe nicht bedienen. Zum anderen würde es auch dort eher als Absacker auf dem Tisch landen. Und da macht es einen wirklich guten Job. Und sucht ihr mal ein Gastgeschenk für Familien oder nicht ganz spielaffine Menschen, könnt ihr hier auch bedenkenlos zugreifen.


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Ohanami

NSV


Autor: Steffen Benndorf
Dauer: ca. 20 Minuten
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen