Lorenzo der Prächtige – Asmodee – 2017

“Lorenzo der Prächtige” war ein Bankier und Politiker aus dem Geschlecht der Medici, der im 15. Jahrhundert in Florenz gelebt hat. Er überlebte nur knapp ein Attentat. Der damit abgewendete Putsch sorgte dafür, dass der Republik Florenz der Krieg erklärt wurde. Durch geschicktes Handeln konnte Lorenzo einen Friedensvertrag aushandeln, was seine Machtstellung festigte. Den Beinamen erhielt er wegen seiner Förderung der schönen Künste. Leider war sein wirtschaftliches Wissen nicht ganz so geprägt, so dass er entsprechend Rückschläge zu verantworten hatte. Wir können es jedoch besser und so begeben wir uns ins Florenz der Renaissance, um zu zeigen, dass wir mehr können, als der Namensgeber des Spiels.


Der Endzweck der Wissenschaft ist Wahrheit, der Endzweck der Künste hingegen ist Vergnügen.

(Gotthold Ephraim Lessing)

In “Lorenzo der Prächtige” jonglieren wir mit unseren Familienmitgliedern, um rechtzeitig die richtigen Aktionen auszulösen. Wir erweitern Schritt für Schritt unsere Macht in einzelnen Bereichen, dürfen dabei aber die Religionsunterstützung nie aus den Augen lassen. An vielen Stellschrauben ergattern wir Siegpunkte, die uns beim Sieg über unsere Mitspieler helfen können.

In dieser Galerie findet ihr einen kurzen Ablauf des Spiels:

Für unser Beispiel zeigen wir euch eine Runde zu dritt.
Dies ist die ausgeloste Spielerreihenfolge. Wir (gelb) sind Startspieler.
Wir werfen die 3 Würfel, die nun für alle gültig sind.
Unser oranges Familienmitglied ist laut Würfel 5 Punkte wert. Wir werten ihn mit 2 Arbeitern, die wir abgeben, auf insgesamt 7 Punkte auf.
Danach setzen wir ihn in ein passendes Einsetzfeld. Als Sofortbonus erhalten wir 2 Holz.
Den Wald legen wir in unser Königreich. Auch dafür erhalten wir als Sofortbonus (= Blitz) 1 Holz.
Grün ist an der Reihe. Er setzt sein, dem schwarzen Würfel (4) zugeordneten, Familienmitglied auf ein 3er Einsetzfeld. Für den Bauern, den er haben möchte, zahlt er noch 3 Gold.
Die Karte legt er an sein Tableau.
Nun ist rot am Zug. Er setzt sein orangenes Familienmitglied (Wert 5) in den Personenturm. Dort befindet sich bereits jemand, weswegen er zuerst Eintritt in Höhe von 3 Gold bezahlen muss. Zusätzlich bezahlt er 3 Gold für die Äbtissin.
Für das Einsetzfeld erhält er als Sofortbonus 1 Stein.
Die erworbene Karte legt er an sein Tableau an. Auf der Karte selbst sind 2 Sofortbonusse abgebildet.
1 Religionspunkt, den er sich sofort nimmt.
Und ein "Einsetzfeld" bis zur Stärke 4 in einem beliebigen Turm, ohne ein Familienmitglied verwenden zu müssen. Er wählt das "Wagnis" Mauerbau und zahlt dafür noch 3 Steine.
Auch das Wagnis wird an das Tableau angelegt. Am Spielende ist es 3 Siegpunkte Wert. Aber, auch diese Karte hat einen Sofortbonus.
Nämlich 2 Militärpunkte.
Und einen Ratsbeschluss, der einen der abgebildeten Rohstoffe wert ist.
Rot entscheidet sich für einen weiteren Religionspunkt.
Wir sind wieder an der Reihe. Wir setzen unseren schwarzen Würfel (4) auf die Ernte.
Dafür dürfen wir alle Erntefelder der Stärke 4 oder weniger aktivieren. Wir erhalten über das am Tableau anliegende Feld und unseren Wald insgesamt 1 Arbeiter, 2 Holz und 1 Stein.
Grün hebt sein neutrales Familienmitglied mit 1 Arbeiter auf den Wert von 1 an und setzt ihn zu den Gebäuden. Das Theater kostet ihn 2 Geld und 2 Holz.
Er legt die Karte in seine Stadt.
Als Sofortbonus erhält er 6 Siegpunkte.
Rot ist am Zug. Auch er wertet sein neutrales Familienmitglied auf, um es im Rathaus einsetzen zu dürfen.
Neben 1 Gold erhält er dafür einen Ratsbeschluss, den er wieder für 1 Religionspunkt verwendet.
Wir werten unser neutrales Familienmitglied auf und setzen dieses in den Landschaftsturm ein. Da sich dort bereits jemand befindet müssen wir 3 Gold Eintritt bezahlen.
Das erhaltene Dorf wird in unserer Landschaft platziert.
Grün entscheidet sich 5 Arbeiter am Markt aufzunehmen.
Rot schnappt sich die 5 Gold.
Wir lösen mit unserem weißen Familienmitglied (Würfelwert = 4) eine Produktion aus.
Da wir aktuell keine Gebäude haben, erhalten wir nur die Güter unserer Grundproduktion.
Wir bekommen 1 Militärpunkt und 2 Gold.
Grün möchte nun auch produzieren. Er nimmt orange (Würfelwert = 4). Da er jedoch auf dem großen Feld einsetzen muss, wird vom Wert seines Familienmitglieds 3 abgezogen. Die Aktion ist also nur noch 1 wert.
Somit produziert zwar sein Grundbonus 1 Arbeiter und 2 Militärpunkte, sein Theater wird jedoch nicht aktiviert, da hierfür mindestens eine 6 benötigt wird.
Rot macht dasselbe über die Ernte. Auch hier werden 3 Punkte vom Wert abgezogen, so dass nur noch eine 1 übrig bleibt.
Da jedoch der Grundbonus sowieso nur eine 1 benötigt, lohnt es sich nicht den Wert mit Arbeitern anzuheben. Rot erhält somit 1 Holz, 1 Stein und 1 Arbeiter.
Am Rundenende wird die Reihenfolge der eingesetzten Familienmitglieder im Rathaus geprüft.
Dementsprechend wird die neue Spielreihenfolge festgelegt. Dann sammeln alle ihre Familienmitglieder wieder ein. Die Karten in den Türmen werden ausgetauscht und der Startspieler wirft die Würfel für die neue Runde.
Nach jeder zweiten Runde wird die Religionszugehörigkeit geprüft. Bei der ersten Prüfung ist 3 die Mindestanforderung.
Wer diese nicht erreicht wird "Entkommuniziert". Als Strafe erhalten wir für das restliche Spiel auf alle Würfel, die wir für die Produktion verwenden, einen Abzug von -3.
Von den anderen beiden Spielern entscheidet sich rot der Kirche zugewandt zu sein. Er legt seine Scheibe wieder auf das Feld 0 der Leiste und erhält dafür 3 Siegpunkte. Grün möchte dies nicht tun und wird dementsprechend auch "Entkommuniziert".
Etwas später haben wir in unserem Lager 10 Holz liegen.
Damit haben wir diese Anforderung einer unserer Anführerkarten erfüllt.
Wir legen sie aus und dürfen sie nun einmal pro Runde verwenden, um 2 Militär- und 1 Siegpunkt zu erhalten.

So geht das Spiel über insgesamt 6 Runden. Nach einer Endabrechnung (Punkte für Religion, Wagnisse, erhaltene Charaktere, Militär) gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten.


Not lehrt Künste.

(Sprichwort)

Man sollte sich vor einer Partie “Lorenzo der Prächtige” über eines im Klaren sein. Das Spiel ist ein unbarmherziger Hirnverzwirbler. Hätte ich es nach meiner ersten Partie bewertet, hätte ich nur noch darüber schimpfen müssen. Bestrafung der Erfolglosen und eine nicht eingängige Symbol-Sprache wären noch die kleinen Punkte gewesen. Ja, ich hatte die erste Partie verloren. Aber nicht nur verloren, sondern ich bin mit Pauken und Trompeten untergegangen.

Jetzt einige Spiele später, hat sich meine Meinung über das Spiel gebessert. Natürlich sollte man ausgeschlafen und entsprechenden Titeln zugeneigt sein, aber dann offenbart Lorenzo seinen Reiz. Die einzelnen Teilaspekte des Spiels sind recht gut miteinander abgemischt. Es gibt viele Wege ans Ziel, wobei die per Drafting erworbenen Anführerkarten natürlich einen gewissen Weg vorgeben können. Es gibt einfache Wege an Siegpunkte zu gelangen, wobei die “komplexeren” dann doch etwas mehr Siegpunkte einbringen können.

Die oben erwähnte Symbolsprache von ist zwar nicht intuitiv, aber nach ein paar Runden dann doch eindeutig. Leider wurde es im Regelheft und der beiliegenden Kurzübersicht versäumt Unklarheiten auf einfache Art und Weise zu klären. Teilweise muss man sich noch durch Beispiele ackern, um bestimmte Symbole und ihre Bedeutung zu finden. Gleiches gilt für die Anführer. Auch bei diesen gibt es Sonderkarten mit Symbolen, die einem die Deutung nicht leicht machen. Die Anführer selbst sind dann noch auf der Kurzübersicht bunt zusammengewürfelt, so dass man schon etwas Zeit zur Suche aufbringen muss. Das bremst vor allem das Drafting zu Beginn des Spiels extrem, da jeder bei seiner kompletten Hand das Blatt zur Erklärung benötigt.

Ansonsten hat “Lorenzo der Prächtige” alles, was ein Euro-Spiel ausmacht. Ein Thema, das im fortlaufenden Spiel immer weiter verschwimmt. Man denkt dann nur noch über Rohstoffe und Skalenpunkte nach, nicht, wie man Florenz zur Blüte führen könnte. Erneut besteht die Interaktion unter den Spielern im Grunde nur dadurch, dass man seinem Gegner ein Einsetzfeld vor der Nase wegschnappt. Dabei hilft es auch nicht, dass man geistig abschaltet (bzw. sich mit seinem nächsten Zug beschäftigt), wenn ein Mitspieler eine große Kette an Aktionen, Produktionen oder Ernten auslöst. Gut, man könnte sich alles erklären lassen, aber eigentlich ist man mit dem nächsten eigenen Problem beschäftigt und möchte nicht aus dem Gedankengang gerissen werden.

Macht das Spaß? Ja, mir schon. Nicht immer und nicht zu jederzeit, aber das effiziente Spiel eines solchen Brockens stellt natürlich auch eine gewisse Befriedigung dar. Wobei sich das Wort “Brocken” eher auf die Verschachtelung und Nöte im Spiel bezieht, als auf die Komplexität der Regeln. Diese sind sogar erstaunlich leicht zu erlernen, was jedoch nicht bedeutet, dass man beim ersten Spiel nicht doch vollkommen überfahren vor dem Brett sitzt und sich fragt, was man denn jetzt eigentlich genau tun soll.

“Lorenzo der Prächtige” ist ein Spiel, für Spieler, die eine neue Herausforderung mit kleinen, neuen Nuancen im Bereich des Experten-Euro-Spiels suchen. Wer bei entsprechenden Spielen sowieso bereits die Augen verdreht und JASE (= just another soulless eurogame) ruft, kann einen weiten Bogen darum machen. Das Spiel selbst wird einen nicht mögen. Im Gegenteil es wird euch Steine in den Weg legen und bestrafen. Lorenzo und ich haben inzwischen eine erfolgreiche S/M Beziehung aufgebaut. Es ist sozusagen für mich ein Teil “Fifty Shades of Grey” Titel der Brettspielwelt.

Lorenzo der Prächtige

Asmodee 2017


Autoren: Virginio Gigli, Flaminia Brasini, Simone Luciani
Dauer: ca. 30 – 45 Minuten je Spieler
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Fortgeschrittene – Profi

Anmerkungen

Dir gefällt dieser Bericht? Dann könnte dich das hier auch interessieren: