Leisure Suit Larry Wet Dreams don’t dry – Switch

Er ist zurück. Larry, der Held unserer Jugend. Ich weiß noch, wie heute, wie wir uns damals durch seine Abenteuer tippten, ohne zuvor überhaupt ein Wort Englisch gekonnt zu haben. Aber weit sind wir auch nicht gekommen, denn schließlich konnten wir außer “open door” fast nichts formulieren. Doch die Zeiten von Parsern sind längst vorbei. Und auch die Pfeiltasten sind als Steuerungsoption vollkommen out. Spiele haben sich, wie die Menschheit selbst, weiterentwickelt. Und so werfen wir in “Wet Dreams don’t dry” einen Blick durch Larrys Augen der 80er Jahre auf unsere heutige Gesellschaft. Ich habe mir die Switch-Version durchgespielt und sage euch, ob sich der Ausflug lohnt.


Ken sent me.

(Leisure Suit Larry)

In seinem neuesten Abenteuer auf der Switch, können wir Larry wahlweise per Touch oder linken Analogstick steuern. Mit dem rechten Stick bewegen wir einen Mauszeiger auf dem Bildschirm. Wie in Adventures üblich führen wir viele Gespräche mit den Charakteren, denen wir begegnen. Gegenstände, die wir unterwegs finden stecken wir ein und können sie etwas umständlich über unser Inventar kombinieren oder mit der Umgebung benutzen. Kurz nach Beginn erhält Larry ein Smartphone über das er dann vorwiegend die Dating App “Timber” und den Fahrdienst “Unter” bedient.

Ein paar Details zum Spiel findet ihr in dieser Galerie:

Larry beginnt sein Abenteuer dort, wo er bereits in Teil eins zum Bildschirmleben erweckt wurde. In Lost Wages vor Lefty's Bar.
Doch nicht nur Lefty ist älter geworden. Auch die Bar hat schon bessere Momente gesehen.
Über die Mini-Map können wir im Verlauf des Spiels bis zu fünf Orte ansteuern.
Um es den Spielern leichter zu machen, gibt es auf Tastendruck eine Markierung, die alle Personen und Dingen zeigt, mit denen wir interagieren können.
In Gesprächen können wir das Thema selbst vorgeben. Wobei die einzelnen Optionen keinen Einfluss darauf haben, wie sich das Spiel entwickelt. Oftmals versteckt sich dahinter einfach ein Witz.
Larry hat das App-Dating für sich entdeckt. Immer wieder bekommen wir neue Partnervorschläge.
Manche davon sind witzig, andere eher peinlich. Wenigstens haben die Vagiana Sisters noch einen Verweis auf ihren ersten Auftritt im Profil.
Haben wir eine der Damen überzeugt kommt es zu schlüpfrigen Handlunge. Aber Larry wäre nicht Larry, wenn diese immer so verlaufen würden, wie er es sich wünscht.
Auch an die Boss-Taste wurde gedacht.
Larry kann wieder sterben. Aber nur äußerst selten und in solchen Einzelbildern. Dafür ist es kein endgültiges Spielende. Wir steigen genau an dieselbe Stelle ein, an der wir das zeitliche gesegnet haben.
Schade nur, dass dieser Verweis auf Larrys erstes Abenteuer nicht mit etwas mehr Liebe bedacht wurde.
Ein Ausflug in frühere Zeiten darf natürlich nicht fehlen. Aber einen Skandal haben wir sofort entdeckt. Wenn Larry behauptet, dass die Toilette genau wie früher aussieht, dann...
lügt er maßlos.

Give apple to Eve.

(Leisure Suit Larry)

Christian meint:

“Wet Dreams don’t dry” ist ein typisches Point & Click Adventure, wie es sie zu tausenden gibt. Es spielt in einem gemächlichen Tempo und versucht vor allem durch Humor zu punkten. Dabei wird jedoch so manches Mal die Grenze der Fremdscham weit überschritten. Waren Larry Spiele schon immer anzüglich, gab es immer noch eine gewisse Grenze, die nicht überschritten wurde. So war Larry zwar nie der tatsächlich familienfreundliche Spaß, aber im Grunde genommen eigentlich recht zahm. Zumindest kann ich mich nicht erinnern, jemals ein durch (wie umschreibe ich das nun?) einen “Unfall” entstelltes Höschen aus dem Müll gefischt zu haben um einen Fetisch zu bedienen. Etwas subtileres Verhalten hätte hier meines Erachtens gutgetan. Als zweites Beispiel fällt mir gerade noch die Szene ein, in der sich Larry aus Langeweile eine “Sexpuppe” bastelt. Sorry, aber das ist weder lustig, noch etwas, was man Larry zugetraut hätte.

Die Rätsel selbst rangieren Genre-Üblich irgendwo zwischen “das ist doch keine Herausforderung” und “verdammte Axt, was haben die Designer denn da geraucht???”. Ein Großteil ist jedoch durch nachdenken gut lösbar. Lediglich bei zwei Problemen musste ich in der Lösung nachsehen, weil ich so überhaupt nicht weitergekommen bin.

Die Steuerung funktioniert nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sehr gut auf der Switch. Ich bin irgendwann dazu übergegangen das Spiel über die Analog-Sticks und die Hotkeys zu spielen. Zwar geht die Touch Steuerung auch gut von der Hand, die über die Sticks ist jedoch etwas intuitiver. Nur die Fahrten mit “Unter” hätte man etwas besser gestalten können. Immer hieß es, dass man vom aktuellen Ort erst zurück zur Straße muss, bevor man die Szene wechseln kann. Komfort geht anders.

Wunderbar fand ich, dass “Wet Dreams don’t dry” voller Easter Eggs und Anspielungen auf die alten Spiele oder die Videospielindustrie im Allgemeinen ist. Neben bekannten Locations und Charakteren findet man auch den Walter-Dildo aus Teil sieben oder König Graham aus Kings Quest.

Leider hatten die Entwickler diese Sorgfalt nicht in allen Bereichen walten lassen. Die Charaktere, auf die Larry trifft, sind allesamt üble Klischees auf zwei Beinen. Überspitzung ist natürlich ein gewisser Teil der Satire, aber dennoch bleiben einige der Figuren einfach nur Platte Abziehbilder ihrer selbst. Schade, hier wäre mehr drin gewesen. Da hilft dann auch der Vortrag über das tatsächliche Verhalten gegenüber Frauen nicht. 

“Wet Dreams don’t dry” ist dennoch mehr als einen Blick wert. Ihr bekommt hier ein schönes Adventure für eure Switch, das eure grauen Zellen fordert. Zwar muss man auch etwas guten Willen mitbringen, um über den teilweise recht niveaulosen Humor hinweg sehen zu können, aber dafür blitzt zwischendrin auch immer wieder der gute, alte Larry auf. Der eher spitzbübisch, als absolut pervers daherkommt und es dann auch schafft einen laut zum Lachen zu bringen.

Leisure Suit Larry – Wet Dreams don’t dry

Switch


Developer: ASSEMBLE Entertainment
Spieler: 1
Sprache: Deutsch, Englisch
Schwierigkeit: Einsteiger bis Fortgeschritten

Anmerkungen

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