Dem Schwaben wird im Grunde genommen dasselbe nachgesagt, wie dem Schotten. Beide seien sehr sparsam und haben lustig klingende Nachnamen. Als Allgäuer Distanziere ich mich natürlich davon, dass wir Schwaben wären (ja, ich weiß… wir liegen im Regierungsbezirk Schwaben), aber dennoch kann ich nicht abstreiten, dass mir Schotten irgendwie sympathisch wären. Vor allem die auf dem Cover von „Kilt Castle“. Klischeehaft, aber dennoch irgendwie nett. Wie ein Onkel von mir, wodurch das Cover irgendwie heimische Gefühle weckt, obwohl wir für Löcher, nicht für Türme bekannt sind. Also, auf zu den Kiltträgern und Türme bauen.

Kilt Castle


Auch der höchste Turm fängt ganz unten an.

(aus China)

In „Kilt Castle“ versuchen wir möglichst, große, zusammenhängende Flächen mit unseren Türmen zu versehen. Damit das nicht zu leicht gelingt bestimmen Karten, wer nun bauen darf. Ist eine Karten-Reihe leer wird ein Zahltag ausgelöst, bei der jeder eine Belohnung für die größte von ihm bedeckte Fläche erhält. Das Spiel endet, wenn ein Spieler keine Türme mehr hat. Es kommt zu einer letzten Wertung und der Spieler mit dem meisten Geld gewinnt.

Einen bebilderten Spielablauf findet ihr in dieser Galerie:

  • Kilt Castle
    Wir wagen ein kleines Spielchen zu Dritt. Das Siegel zeigt, dass wir Startspieler sind.
  • Kilt Castle
    Wir dürfen eine der ausliegenden Karten aussuchen.
  • Kilt Castle
    Diese verschieben wir, in diesem Fall auf eine bereits ausliegende Karte. Im Spiel zu Dritt, darf keiner der Stapel 3 Karten übersteigen.
  • Kilt Castle
    Da nur unsere Farbe abgebildet ist, dürfen nur wir einen Turm einsetzen. Dies machen wir auf dem ersten, freien Feld dieser Reihe.
  • Kilt Castle
    Das Siegel wandert zum nächsten Spieler, der nun am Zug ist.
  • Kilt Castle
    Er legt eine weitere Karte dazu. Wie man an der Farbe erkennt, muss er selbst nicht auf der Karte vertreten sein.
  • Kilt Castle
    Der hellgraue Spieler setzt seinen Turm (anstatt auf das nächste freie Feld) auf unseren und muss uns dafür je Ebene 1 Dukaten geben.
  • Kilt Castle
    Nun ist hellgrau am Zug. Er nimmt eine Doppelkarte.
  • Kilt Castle
    Diese legt er auf das nächste, freie Feld. Doppelkarten müssen zuvor jedoch umgedreht werden.
  • Kilt Castle
    Hellgrau muss nun zuerst einen Turm platzieren, danach wir.
  • Kilt Castle
    Das Siegel ist wieder bei uns.
  • Kilt Castle
    Wir nehmen diese Karte weg.
  • Kilt Castle
    Da das die letzte Karte in einer Reihe war drehen wir das Siegel auf die Wertungsseite. Nach unserem Zug ist Zahltag.
  • Kilt Castle
    Auch wir müssen die Karte drehen, da zwei Farben darauf abgebildet sind.
  • Kilt Castle
    Dunkelgrau liegt innen und muss beginnen. Er setzt seinen Turm auf das erste freie Feld der Reihe.
  • Kilt Castle
    Wir platzieren einen Turm mit einem unserer Wappen auf dem ausliegenden, hellgrauen. Er erhält dafür 1 Dukaten von uns, da wir ihn überbaut haben.
  • Kilt Castle
    Nun ist Zahltag. Jeder Spieler erhält für seine größte, zusammenhängende Fläche Geld. Je Feld 1 Dukaten + 1 Dukaten je sichtbarem Wappen.
  • Kilt Castle
    Das Spiel endet, wenn ein Spieler seinen letzten Turm baut. Nach einem eventuellen Zahltag kommt eine letzte Abrechnung, in der jeder Turm und jedes Wappen ausbezahlt wird. Es gewinnt, wer das meiste Geld sammeln konnte.

Türme misst man an ihrem Schatten, große Männer an ihren Neidern.

(aus China)

„Kilt Castle“ ist ein nettes Spiel für Zwischendurch. Die Regeln sind einfach und schnell erklärt. Dennoch hat das Spiel eine gewisse, wenn auch nicht enorme Tiefe, die es einem immer wieder erlaubt taktisch interessante Entscheidungen zu fällen. Gleichzeitig kann es aber auch gut vorkommen, dass man sich durch das Spiel oder seine Gegner gespielt fühlt. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem man ausbricht und seinem Mitspieler zeigt, wer denn den Tanz tatsächlich führt. Zumindest für wenige Schritte.

Somit stehe ich dem Spiel etwas zwiegespalten gegenüber. Auch, wenn ich meine Freude mit dem Spiel hatte, konnte ich den Spaß meiner Mitspieler nicht immer so ganz nachvollziehen. Was vielleicht daran lag, dass ich bevorzugtes Opfer war. Denn „Kilt Castle“ lädt fast schon dazu ein, einzelne Sündenböcke auszusuchen, die man immer wieder unterdrückt. Ist man einmal durch einen solchen Strudel nach unten gezogen worden, befreit man sich normalerweise nicht mehr daraus. Zumindest nicht, wenn man nicht mindestens einen Gegner hat, der die Seite wechselt. Die Befriedigung, zu sehen, wie sich die eigenen Türme wieder ausbreiten, ist dann mit einem Gefühl der Königsmacherei unterlegt. Also des unterstützen eines führenden Spielers, damit dieser noch die letzten Punkte zum Sieg herausholt.

Das sind natürlich Gedanken einen Vielspielers, die beim normalen Familienspielern nicht auftreten. Dadurch schließt sich nun der Kreis wieder, denn das Spiel ist auf sie ausgerichtet (das meine ich nicht wertend, ich würde mich selbst niemals als was „Besseres“ ansehen). Diese genießen das Spiel einfach, ohne sich derart zu verbeißen. Sie mögen es sich gegenseitig eins auszuwischen. Und, wenn mal jemand extrem in den Matsch gedrückt wurde, macht es nichts, dann spielt man es eben sofort nochmals. Denn das Spiel ist schön und kurzweilig. Das kann ich verstehen und trotz obiger Überlegungen bin ich dennoch gerne immer wieder mal dabei. Und irgendwann gewinne ich dann bestimmt auch mal. Hoffentlich.

Kilt Castle – Zoch – 2016

Autor: Günter Burkhardt
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger
Dauer: ca. 15 – 20 Minuten

Nach „Kilt Castle“ noch Lust auf weiter Familienspiele?

Oceanos

NMBR9

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