For Sale – Iello – 2017

Makler und Autoverkäufer haben gemeinhin nicht den besten Ruf. Das liegt aber wahrscheinlich einfach daran, dass wir uns, egal, wie gut das Geschäft für uns lief, immer übervorteilt fühlen. Nun können wir uns bei der Neuauflage von „For Sale“ wieder um den Kauf und Verkauf von Häusern kümmern. Doch die Konkurrenz ist groß und jeder am Tisch ein Schlitzohr. Niemandem sollte man vertrauen, zumindest nicht, wenn man den Gegner über den Tisch ziehen möchte. Ob das Spiel auch heute noch begeistern kann? Wir werden sehen.
 

Wer bauen will, muss 2 Pfennige für einen rechnen.

(Deutsches Sprichwort)

„For Sale“ wird in zwei Phasen gespielt. Zuerst kaufen wir Häuser auf einer Versteigerung, nur um sie in Phase 2 möglichst gewinnbringend abzustoßen. Wer zuletzt das meiste Geld hat, gewinnt.

Bebilderte Beispielszüge findet ihr in dieser Galerie:

 


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Im Spiel zu zweit zeige ich euch ein paar Züge.

 

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In Phase 1 wird je Spieler 1 Häuserkarte aufgedeckt.

 

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Wir beginnen die Bietrunde und bieten 1.000 $.

 

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Der Gegner zur Linken bietet 2.000 $.

 

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Der nächste Mitspieler erhöht auf 4.000 $.

 

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Das wird uns zu viel und wir steigen aus. Wir müssen von unserem Gebot die Hälfte (aufgerundet) bezahlen und erhalten dafür das ausliegende Haus mit dem niedrigsten Wert.

 

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Spieler 2 erhöht auf 5.000 $.

 

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Der Dritte Spieler steigt aus. Er bezahlt die Hälfte seines Gebotes und bekommt nun das aktuell niedrigste Haus.

 

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Der letzte, der übrig bleibt, zahlt den vollen Betrag und bekommt das letzte Haus. Es werden nun die restlichen Häuser des Stapels nach demselben Prinzip versteigert, danach endet Phase 1.

 

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In Phase 2 wird je Spieler 1 Scheck vom Stapel gezogen. Jeder darf nun ein Haus aus seiner Hand wählen, welches er diese Runde einsetzen möchte.

 

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Hat jeder ein Haus gewählt wird aufgedeckt. Der Spieler mit dem höchsten Häuserwert bekommt den höchsten Scheck, der Rest wird absteigend verteilt. Danach werden die Häuser abgelegt und es kommt zu einer neuen Runde. Phase 2 endet, sobald alle Häuser verkauft wurden.

 

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Zum Schluss zählt jeder Spieler die Werte der Schecks, sowie sein restliches Guthaben aus der Versteigerungsphase zusammen. Der Spieler mit dem meisten Geld gewinnt.

 


Wer die Sucht zu bauen hat, bedarf zu seinem Verderben keines anderen Feindes.

(Aus Frankreich)

„For Sale“ ist für mich, trotz des Kultstatus, den es teilweise genießt, ein viel zu beliebiges Spiel ohne Höhen und Tiefen. Relativ spannungsarm plätschert es vor sich hin. Dabei habe ich es in verschiedenen Gruppen unterschiedlicher Größe versucht. Das Ergebnis blieb immer dasselbe. Es hatte an sich keiner großartig etwas am Mechanismus auszusetzen, dennoch kam nie das Gefühl auf, dass man das Spiel nun besonders zu seinen Gunsten steuern würde. Auch die Versteigerung war alles in allem einfach nur nett und leidet unter dem üblichen Problem. Neue Spieler können nicht einschätzen, wie hoch sie gehen sollen. Der Nachteil wäre aber ab dem zweiten Spiel nichtig. Wenn es denn zu einer nächsten Partie kommt.

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass wir immer häufiger gespielt haben, was jedoch einfach daran lag, dass ich darauf bestand. Schließlich möchte ich mir ein Bild machen und verhindern, dass ich ein ungemein geniales Spielerlebnis übersehe. Aber auch mit jeder weiteren Partien blieb das Gefühl, das ich von Anfang an hatte. Bin ich einfach übersättigt oder haben sich die Spiele seit 1997 (Jahr der Erstauflage) so weit verbessert?

Dabei wollte ich das Spiel doch mögen. Stammt es doch aus dem Hause Iello, deren Spiele ich schon allein wegen der Schönheit des Designs mag. Auch hier wurde alles gegeben. Die zu kaufenden Häuser sind mit solch wunderbaren Details ausgestattet, dass es schon eine Freude ist, die Karten näher zu betrachten. Doch lebt ein Spiel nicht von der Optik allein. Auch „For Sale“ nicht.

Was bleibt ist ein Versteigerungs- und Bluffspiel ohne große Spannungskurve. „For Sale“ ist vielleicht der Beweis, dass ein ehemaliger Knaller heutzutage eher im Mittelmaß anzusiedeln ist. Schade.

 

 

For Sale

iello 2017


Autor: Stefan Dorra
Dauer: ca. 20 – 30 Minuten
Spieler: 3-6
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen