Emojito! – Huch! & Friends – 2017

Okay, ich werde nun zuerst ein Geständnis los, bevor ich euch näher von „Emojito!“ berichte. Ich kann bei solchen Spielen nur wenig Spaß empfinden. Jetzt ist es raus. Also, lasst den Shitstorm beginnen. Wie kann einer wie ich denn nur über ein Spiel schreiben, wenn er schon weiß, dass er nicht die Zielgruppe ist? Welch niedriger Niveau des Journalismus. Aber, soll ich euch ein Geheimnis verraten? Ich hab es einfach die Zielgruppe spielen lassen. Und ja, ich war auch einige Runden mit dabei.

 

Die Gefühle offenbaren sich umso weniger, je tiefer sie sind.

(Honoré de Balzac)

„Emojito!“ kann man auf zwei Arten Spielen kooperativ oder kompetitiv. In beiden Fällen zieht der Spieler, der an der Reihe ist, eine Karte. Auf dieser ist eine Emotion abgebildet. Je nach Feld, auf dem er sich befindet, darf er die Emotion als Laut, als Gesichtsausdruck oder beides darstellen. Im Anschluss legt er insgesamt 7 Emotionskarten aus. Nun müssen die Mitspieler geheim raten, welche die dargestellte gewesen sein soll. Je nach Treffern darf man seine Figur nach vorn ziehen und eventuell Karten sammeln. Gewonnen hat derjenige, der zuerst eine bestimmte Anzahl an Karten gesammelt hat.

Einen bebilderten Ablauf einer Runde seht ihr in dieser Galerie:

 


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Wir haben eine kleine, kooperative 4er Runde aufgebaut. Wir (= Hut) spielen gegen einen fiktiven Gegner (= Sonnenbrille).

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Da wir das Spiel beginnen ziehen wir die oberste Karte und schauen uns an, was wir nun darstellen müssen.

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Das aktuelle Feld zeigt an, dass wir die Emotion mit Gesichtsausdruck und einem Laut darstellen müssen. Laut heißt dabei nicht, dass wir eine Kuh nachmachen, sondern eben die Emotion, die die Kuh hat.

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Anschließend ziehen wir noch 6 Karten, mischen unsere mit diesen und verteilen alle neben den einzelnen Zahlenfeldern.

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Unsere Mitspieler tippen nun verdeckt, welche Karte unsere war.

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Im Anschluss wird aufgedeckt.

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Je Treffer dürfen wir, je falsch geratenem der fiktive Gegner, ein Feld vor.

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Das Zeichen, auf dem neuen Feld bedeutet, dass man nur mit einem Gesichtsausdruck die Emotion darstellen darf. Hat ein Marker das Feld umrundet erhalten wir (bzw. der fiktive Gegner, wenn es seiner war) eine Karte als Bonus. Haben wir die zuvor festgelegte Anzahl an Karten gesammelt, bevor es der Gegner schafft, haben wir gewonnen.

Wo man am meisten fühlt, weiß man am wenigsten zu sagen.

(Annette von Droste-Hülshoff)

Seien wir ehrlich. Ich könnte es mir hier jetzt ganz einfach machen und schreiben, dass mir „Emojito!“ nicht gefällt. Das würde zwar größtenteils der Wahrheit entsprechen, wäre jedoch dem Autor, dem Verlag und vor allem der Zielgruppe gegenüber vollkommen unfair. Schließlich würde ich mich mit der Aussage selbst auf eine höhere, spielerische Entwicklungsstufe stellen, was ja eigentlich nicht sein kann. Schließlich gibt es an sich keine richtigen oder falschen Spiele. Die Hauptsache ist, dass diejenigen, für die ein Spiel gedacht ist, Spaß daran haben. Es würde auch niemand auf die Idee kommen „Tempo kleine Schnecke“ mit „Terraforming Mars“ zu vergleichen. Also gehen wir das hier ein wenig anders an.

Ja, ich habe „Emojito!“ gespielt. Schließlich kann ich, entgegen meiner obigen Aussage, Partyspielen etwas abgewinnen, wenn sie einen interessanten Kniff haben und man sich nicht einfach zum Affen machen muss. Positive Beispiele wären „Word-Slam“ und der allzeit Klassiker „Nobody is perfect“. Also habe ich versucht nach Lektüre der Regeln „Emojito!“ neutral gegenüber zu stehen. Mein Sohn und ein Freund von ihm waren die ersten „Opfer“. Wobei sie sich selbst nicht als dieselben ansahen. Ihnen hat das Spiel Freude bereitet. Ich war froh, als es vorbei war.

Später in Erwachsenenrunden war zwar so mancher Schmunzler dabei, aber dennoch war ich persönlich nicht überzeugt. Dennoch untermauerte es meine (und wahrscheinlich auch eure) These. Man braucht für „Emojito!“ die richtige Runde. Selbstironische Spieler, die Spaß verstehen und einen guten Tag haben werden mit „Emojito!“ garantiert glücklicher sein, als Spieler, für die es das höchste der Gefühle ist, ein Spiel zu kalkulieren, um doch noch ein paar Siegpunkte mehr aus einem verketteten Mechanismus zu ziehen.

Also ging der Test in die nächste Stufe. Ich habe mir eine entsprechende Runde gesucht und das Spiel (ohne mich) auf eben diese losgelassen. Und, sie hatten Spaß. Die lustigen Grafiken sorgten bereits für erste Lachanfälle, die versuche Emotionen nachzumachen die nächsten, und so weiter. Alles in allem hatten sie heitere Abende. Positiv wurde auch der einfache Einstieg erwähnt. Man legt das Material bereit und legt eigentlich sofort los.

Dementsprechend möchte ich das Fazit zweiteilen. Alle Spieler, die bereits bei der Erwähnung von „Activity“ ein kaltes grausen packt sollten einen weiten Bogen um „Emojito!“ machen. Spieler, die auch mal einem einfachen Spaß mit Freunden nicht abgeneigt sind dürfen beherzt zugreifen. Im Endeffekt kennt ihr euch hier selbst am besten. „Emojito!“ polarisiert, denn entweder man liebt es oder man möchte es nicht mal mit der Kneifzange anfassen. Es ist seicht, wie eine Folge „Das Traumschiff“, kann jedoch die richtigen Spieler abholen und ihnen viel Freude bereiten.

 

 

Emojito!

Huch! & Friends 2017


Autor: Urtis Sulinskas
Dauer: ca. 30 Minuten
Spieler: 2-14
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen

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