Nightmare – Das Thriller Spiel – Preview

Autor: Team Identity
Verlag: Noris

Spieler: 4 - 5
Dauer:
2,5 Stunden
Zielgruppe: Einsteiger

 

- 19.Feb.2021

Ihr kennt das sicherlich. Da schlendert man gemütlich über eine Messe, denkt darüber nach, was man sich denn als Nächstes ansehen möchte und plötzlich steht es direkt vor einem. Ein Werbeschild, das einen sofort in seinen Bann zieht. Das einem so richtig anspringt und dabei schreit: „Ich wurde nur für dich gemacht!“

So erging es mir voriges Jahr auf der Spielwarenmesse in Nürnberg. Sogar zweimal mit demselben Spiel. Das lag jetzt nicht daran, dass mich mein Hirn einer Erinnerung betrog, sondern an… sagen wir glücklichen Umständen. Das erste Mal reizte mich „Nightmare – Das Thriller Spiel“ am Stand von Identity Games. Dort noch unter dem Namen „Nightmare Horror Adventures: Welcome to Crafton Mansion“. Ich bin ein Fan von Horrorfilmen. Also den guten, die einem so richtig unter die Haut gehen und einen auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle schicken. Diejenigen, die einen an den Rand einer Klippe stellen, den Anschein erwecken, dass man dem, was folgt, entkommen könnte und einen dann doch lachend in den Abgrund stoßen. Also den Filmen, die meine Frau so überhaupt nicht mag, was für die ein oder andere Diskussion an Filmabenden sorgt.

Aber das mal nur am Rande. Schließlich geht es darum, warum mich das Spiel in seinen Bann zog. Also im Kern die Kombination aus Nightmare und Horror. Ich weiß, ich bin ein einfacher Mensch mit einfachen Gefühlskombinationen, die durch die richtigen Knöpfe gedrückt werden können. Aber warum sollte es mir besser gehen als anderen, die bereits in Euphorie verfallen, wenn sie einen schwarz-weiß gefleckten Ball sehen?

Also, angezogen von meinen niedersten Trieben ging ich in den Stand und sah mir den Teaser-Trailer in der vorbereiteten Kammer an. Was ich sah, gefiel – mir sollte dabei erst beim Schreiben des Artikels zur Spielwarenmesse auffallen, dass ich eigentlich nichts vom Spiel gesehen habe, aber das lassen wir mal besser unter den Tisch fallen. Jedoch war mein Entschluss gefallen, das Spiel musste ich haben!

Das Spiel war notiert, die erste Lust befriedigt und die Eindrücke so vielfältig, dass ich erst einmal wieder mit genügend anderen Dingen beschäftigt war. Bis ich dann am Stand von Noris vorbeischlenderte. Und dort hing es, das nächste Schild, das Nightmare ankündigte. Als deutsche Version! Ich weiß, dass das Dilemma vielleicht nicht jeder nachempfinden kann, jedoch landen bei mir rein deutsche oder sprachunabhängige Spiele leichter auf dem Tisch. Natürlich habe ich auch für englische Mitspieler, aber eben weniger.

Auf Rückfragen bekam ich nun die Info, dass Nightmare für Herbst 2020 angekündigt war. Wie wir alle wissen, kann so ein Jahr lang sein und die Eindrücke so vielfältig, dass etwas, auf das man sich freute mit der Zeit verblasste. So erging es auch mir. Das Spiel war überhaupt nicht mehr auf meinem Schirm, als ich eines Tages die Ankündigung von Noris erhielt. Und erneut sprangen meine Freudenglocken im Geiste an und verkündeten, dass die frohe Zeit nun gekommen war und ich mich dem Spiel widmen kann. Endlich war es soweit. Nun noch nicht so ganz, denn der Versand dauerte noch etwas.

Aber als ich das Spiel dann endlich in Händen hielt und diabolisch in stiller Vorfreude zu grinsen begann, passierte eines. Der nächste Lockdown mit starken Kontaktbeschränkungen wurde verkündet. Und da war es nun. Das Spiel meiner Träume – ja, ich übertreibe hier etwas, aber nur aus stilistischen Gründen, was man mir verzeihen mag – und ich konnte es nicht angehen, weil dafür mindestens 4, noch besser 5 Spieler benötigt werden. Falls ihr eine Erschütterung der Macht gespürt haben solltet, das war ich.


Christian meint:


Okay, was kann man mit einem Spiel machen, das man aktuell nicht auf den Tisch bringt und das voller versteckter Informationen steckt, die man erst während einer Partie sehen sollte? Natürlich so weit hineinstöbern, bis man alles gesehen hat, was man darf. Also, Packung auf und rein in den Spaß.

Zuerst fiel mir ein Stapel Karten in die Hände. Diese sollte man natürlich nicht von der Unterseite ansehen und später nicht mischen. Also nichts, was wir nicht bereits aus anderen Spielen kennen würden. Als Nächstes sehen wir Augenbinden. Und es mag auf den einen oder anderen nun befremdlich wirken, aber das ist nicht das erste Spiel mit Augenbinden, das wir ausprobieren würden. Nein, ihr Ferkel! Keines aus dem Sex-Shop. Ich spreche von Nyctophobia, das eher ein Experiment als ein Spiel darstellte.

Danach kam eine eher unspektakulär wirkende rote Holzfigur, mit dem man seine Position im Horrorhaus markierend wird (was ich später erfahren sollte). Danach kam der nächste Stapel Karten mit Umschlägen in meine Finger. Gut, nun musste ich kurz in die Spielanleitung spicken. Ja, meine Erwartung wurde bestätigt. Jeder Spieler erhält einen der Charaktere inklusive einem Umschlag mit geheimen Informationen. Gibt es etwa einen Verräter? Das wäre ja wirklich spannend!

Als Nächstes liegt dem Spiel noch ein Umschlag „Vorbereitung für unsere Ermittlungen“ bei, der natürlich auch wieder nicht geöffnet werden darf. Und ja, ich habe widerstanden. Schließlich möchte ich in meiner Partie das komplette Gefühl haben! Neben einer dünnen, schon genannten, Spielanleitung war dann noch der Stapel mit Ortskarten vertreten.

Nun würde ich noch gerne aus der Anleitung zitieren, aber ich soll leider erst nach dem Aufbau umblättern. Mist! Aber gut machen wir aus der Not eine Tugend. Was sagt mir Seite eins? Wir werden hier aufgefordert, die Ortskärtchen nach einem bestimmten Muster zu legen. Stellt das ein Herrenhaus dar? Das wäre natürlich schon mal stimmungsvoll. Außerdem wird eine Web-Applikation benötigt, was diese dann alles verfolgt und einbringt, wird noch nicht erwähnt. Ich sehe diese Apps ja immer etwas skeptisch. Wie lange wird sie aktiv sein? Wird sie wirklich in die Geschichte integriert oder ist sie eher ein Stimmungskiller? Wir werden sehen.

Ich darf vielleicht nicht umblättern. Aber eines habe ich bisher noch verheimlicht. Es gibt auf Seite 1 direkt einen Stimmungstext. Ich zitiere: „Willkommen im Anwesen der Familie Crafton – ja DER Familie Crafton. Der Familie, in der vor 15 Jahren fünf Menschen einem Mörder zum Opfer fielen. Bis heute ist noch immer nicht geklärt, wer eure Eltern damals tötete. Findet gemeinsam heraus, was in der schrecklichen Nacht vor 15 Jahren geschehen ist.“

Ich fasse mal kurz meine Gedanken dazu zusammen. Ich kenne zwar die Familie Crafton nicht, aber geschenkt, mir geht es um die fiktiven Geschehnisse. Warum wurden die fünf Menschen ermordet und von wem? Die große Frage vorab ist, wer waren die fünf Menschen. Da es sich um unsere Eltern handelt, wäre es wahrscheinlich, dass es zwei Paare und eine Einzelperson waren. Also, wenn man den Plural „Eltern“ ernst nimmt. Aber ich glaube eher – und die Theorie ist für mich fast die schlüssigere – dass die Ausgangslage wie folgt ist. Wir sind fünf Spieler und stellen damit fünf Personen in der Handlung dar. Also ist von uns wahrscheinlich jeweils ein Elternteil betroffen. Und – viel wichtiger – mindestens einer von uns ist der Mörder. Warum denn sonst die geheimen Umschläge? Die Frage ist dann nur, wie ist das Spiel umgesetzt, dass man als Mörder möglichst ungeschoren davonkommt, während die Geschichte uns dennoch voranbringt? Wie lenkt es, dass wir uns nicht zu früh outen? Wie geht es mit destruktivem Verhalten um?

Wie gesagt, das sind nur Mutmaßungen. Entwicklungen, die ich persönlich interessant finden würde, jedoch ist es fast spielerisch gesehen fairer, wenn der Mörder eben nicht in unserer Gruppe weilt. Ein Hinweis darauf wäre auch ein kleiner, auf der Schachtel aufgedruckter Slogan. „ÜBERLEBT DIE STORY!“ Also eine Mischung aus Erleben und Überleben. Letzteres klingt wieder interessant für mich. Haben unsere Entscheidungen Auswirkungen? Oder vielleicht die Zeit? Wer von euch „Until Dawn“ (Playstation 4 Spiel) kennt, weiß, dass es wirklich interessant sein kann, harte Entscheidungen zu treffen. Wer wird geopfert, wer gerettet? Und welche Risiken gehe ich dabei ein? Können wir also auf ein immersives Erlebnis hoffen? Eines, das uns durch unsere geheimen Informationen voll in den Bann zieht? Welches uns in der Geschichte überrascht und uns die 2,5 Stunden Spielzeit voll mitfiebern lässt? Oder wird es eher eine Klickorgie, die uns vorgaukelt, eine eigene Wahl zu haben, uns jedoch auf einem steten Fluss in eine bestimmte Richtung treibt, um an den richtigen Stellen ums Eck zu springen und uns zu erschrecken?

Es ist, wie es ist. Ich strebe dem Zeitpunkt entgegen, an dem wir uns wieder mit einem anderen Haushalt treffen dürfen und ich dadurch fünf Spieler im passenden Alter zusammen bekomme. Bis dahin bleibt mir nur die Vorfreude und die Lust nach Grusel durch Filme zu befriedigen. Wer noch Tipps für richtig gute Horrorfilme hat, darf mir die gerne mitteilen. Egal, ob in den Kommentaren, per Mail oder Luftpost. Ich brauche Nachschub, um die Zeit zu überbrücken, bis ich endlich Nightmare – das Thriller Spiel auf den Tisch bekomme. Wobei ich es lieber mit dem original Namen anpreise. „Nightmare Horror Adventures: Welcome to Crafton Mansion“. Zumal dieser schon fast verspricht, eine Serie zu werden.

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Hinweis:
Wir haben das Rezensionsexemplar ohne Auflagen gratis vom Verlag bekommen.
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Written by Christian Renkel
Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist. So erreicht ihr ihn: Christian@Spielstil.net

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