Lighthouse Run – Amigo – 2018

Sie steht wieder an. Die Zeit, in der die Nächte länger und die Tage kürzer werden. Die Zeit, in der man sich wieder auf die Familie besinnt und beschließt schöne Abende in gemeinsamer Runde zu verbringen. Eine Tasse Kakao und ein Spiel in ruhige Atmosphäre helfen dabei den Tag ausklingen zu lassen und wieder zusammen zu rücken. Da kommen dann die ganzen Neuheiten im Bereich Familienspiel genau richtig. Doch kann “Lighthouse Run” dafür sorgen, dass alle freudig am Tisch sitzen und lachen? Oder ist es eher das gefühlte, spielerische Äquivalent zum Bauchplatscher? Wir haben uns das Spiel genau angesehen und verraten es euch.


Ein Mensch ohne Plan ist wie ein Schiff ohne Steuer.

(Emil Oesch)

In “Lighthouse Run” versuchen wir unsere Schiffe intelligenter zu bewegen, als unsere Mitspieler. Über Karten gesteuert fahren wir nur auf einem Fluss in Richtung Hafen, sondern sorgen auch dafür, dass uns die Leuchttürme den Weg leuchten. Denn nur, wenn keine Dunkelheit herrscht dürfen wir durch den Abschnitt schippern. Dabei sollten wir uns nicht zu viel Zeit lassen, dann ein Sturm zieht auf. Holt er uns ein, müssen wir stehen bleiben.

Sind alle Runden gespielt werden die Punkte für die einzelnen Schiffe gezählt. Je weiter man vorangekommen ist, desto mehr Punkte bringen sie ein. Wer davon die meisten hat, gewinnt.

In dieser Galerie findet ihr einen kurzen Ablauf des Spiels:

Zu viert wagen wir den Wettlauf in "Lighthouse Run".
Blau beginnt und spielt diese Karte. Das obere Symbol ignoriert er, da der zugehörige Leuchtturm nicht in der passenden Position ist.
Er möchte eines seiner Boote 3 Felder bewegen. Da jedoch nur der erste Streckenabschnitt beleuchtet ist, kommt er nicht weiter, als 2 Schritte.
Wir sind an der Reihe uns spielen diese Karte. Im oberen Bereich befindet sich ein Leuchtturm Joker.
Für diesen ziehen wir eines der Lichter zum Leuchtturm im zweiten Streckenabschnitt.
Danach bewegen wir von jedem Spieler eines der Schiffe um 2 Felder.
Da wir unsere Gegner mit bewegt haben, erhalten wir 2 weitere Schritte als Belohnung. Der Weg ist inzwischen ausgeleuchtet, so dass wir weiterfahren dürfen.
Grün ist an der Reihe.
Der Spieler zieht mit einem Boot 3 Felder.
Zuletzt ist rot am Zug.
Auch der Spieler bewegt ein Schiff jedes Spielers um ein Feld vor.
Und erhält als Bonus einen weiteren Schritt.
Am Rundenende wandert das Unwetter ein Feld weiter.
Der Spieler links wird neuer Startspieler und eine neue Runde startet.
Nach 6 Runden ist das Unwetter am Fluss angekommen.
Von da an wandert es jede Runde flussaufwärts. Jedes Schiff, das dabei ein- oder überholt wurde, darf sich nicht mehr bewegen.
Runde für Runde setzt das Unwetter dabei immer mehr Schiffe fest.
Das Spiel endet, wenn das Unwetter den Hafen erreicht hat. Nun zählen alle Spieler die von jedem Schiff erreichten Punkte. Der Spieler mit den meisten gewinnt.


In einem wankenden Schiff fällt um, wer stillesteht, nicht wer sich bewegt.

(Ludwig Börne)

Wenn man so die Vergangenheit Revue passieren lässt, fällt einem sofort auf, welch riesigen, optischen Sprung Brettspiele gemacht haben. Auch “Lighthouse Run” sieht mit seinen 3D-Leuchttürmen und Aufsteckkugeln einfach super aus. Das, und die einfachen Regeln, sorgt dafür, dass selbst nicht ganz so geübte Spieler sofort eine Partie wagen möchten. Läuft die erste Partie manchmal noch etwas holprig, plätschern die danach folgenden eher vor sich hin. Denn das Spiel ist an sich vollkommen emotionslos. Doch davon lebt ein gutes Spiel. Sei es Freude über einen besonders gewitzten eigenen Zug oder der Kloß im Hals, wenn man dem Gegner in die Falle läuft. Das ist das Schmiermittel eines Brettspiels, das dafür sorgt, dass man die Welt um sich herum vergisst.

Dieses auf und ab der Gefühle, was ein besonderes Spiel ausmacht. Vor allem Familienspiele leben davon. Denn die Spiele selbst sind eher schwach auf der Brust. Das ist nicht mal negativ oder böse gemeint. Denn wir bewegen uns in einer Zielgruppe, die keine Komplexität, bis ins kleinste Detail ausgewogene Spielerlebnisse oder große Geschichten erwartet. Hier heißt es eher auspacken und loslegen.

Doch was bietet “Lighthouse Run”, wenn die Emotionen wegbleiben? Einen grundsoliden, zentralen Mechanismus. Nichts innovatives oder arg Gewitztes, aber dafür funktionell und schnell spielbar. Obwohl gerade die Leuchtturmregel (man darf nur in beleuchtete Gebiete ziehen) von mir beim Lesen der Anleitung als interessant eingestuft wurde, zeigte sich im Spiel, dass diese so gut wie überhaupt keine Auswirkung hat. Dafür gibt es zu viele Möglichkeiten die Lichter zu beeinflussen, als dass man hier wirklich ausgebremst werden würde. Schade, denn ein solcher “Take-That”-Mechanismus hätte wieder zu den oben erwähnten Emotionen geführt.

Was bleibt am Ende des Tages übrig? Ein wunderschön gestaltetes Spiel, das viel zu brav daherkommt. Und auch, wenn es sich oben anders anhört, würde ich mich persönlich nicht sträuben “Lighthouse Run” zu spielen. Denn neben der tollen Optik bekommt man noch ein schnelles Spiel mit genau dem richtigen Tempo und Rhythmus. Doch habe ich die Wahl, würde ich ein anderes wählen. Eines, das vielleicht nicht ganz so hübsch aussieht, bei dem jedoch die Hütte bebt.

Lighthouse Run

Amigo 2018


Autoren: Jim Harmon
Dauer: ca. 5 Minuten je Spieler
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen

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