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Die kleinen Drei – 3 neue Spiele auf dem Prüfstand

Skate - The Card Game - Cover
3
10

Skate

Autor: Christian Shelton
Spieler: 2 – 4
Dauer: 30 – 60 Minuten
Komplexität: Einsteiger

Transparenz:
Kostenloses Rezensionsexemplar

Skate – The Card Game

Ich bin eine Art Balancelegastheniker. Heißt, ich kann mich weder auf Rollerblades, Schlittschuhen oder eben Skateboards halten, ohne dass ich den Boden küssen würde. Aber man hat zum Glück ja andere Qualitäten. Jedoch sorgt die Minderbegabung dafür, dass sich meine Erfahrungen in diesen Bereichen auf diverse Tony Hawk Spiele konzentrieren. Und natürlich die ganzen Failarmy Videos. Das ist aber kein Grund, um nicht auch mal im Brettspielbereich einen Blick auf die Thematik Skateboarding zu werfen. Schließlich will man auch mal mehr als nur Rohstoffe abbauen und veredeln.

Ouch!

Man hat immer zwei Karten auf der Hand. Sind beide im eigenen Zug Eat Pavement Karten, fällt man hin und verliert den aktuellen Zug. Im Normalfall tauscht man jedoch bis zu dreimal seine Fußkarten, um die Kartenhand zu optimieren oder spielt einen der Füße aus.

Ansonsten kann man durch erfolgreiches Tauschen Grind-Karten erhalten, die man vor sich zu einer Rail auslegt und auf die man gleichfarbige Füße spielen kann. Zusätzlich ist es noch möglich einen Fuß eines Mitspielenden zu entfernen, indem man einen eigenen abwirft. Hat man es dann geschafft, die farbigen Füße vor sich liegen zu haben, die dem aktuellen Trick entsprechen, darf man sich diesen nehmen. Waren die Füße auf Rails, bekommt man einen Bonuspunkt.

Es gewinnt, wer zuerst fünf Tricks gesammelt hat.

Skate - The Card Game

Kick. Grind. Gnarly. Häh?

Hmmmm… wo fange ich hier an. Vielleicht am Anfang. Ich hatte diverse Probleme mit den Regeln. Zwar bin ich des Englischen mächtig, aber es gab einfach diverse Hürden, für die ich erst noch 2 Erklärvideos gebraucht habe. Danach sind auch mir die einzelnen Trigger-Wörter in der Anleitung aufgefallen, die ich zuvor gekonnt ignoriert habe, aber alles in allem hätten es hier ruhig noch ein paar weitere Worte sein dürfen.

Das Spiel selbst ist dann leider immens langweilig. So sehr, dass ich mir auch noch diverse Let’s Play Videos angesehen habe, um zu erkennen, ob etwas mit mir nicht stimmt. Aber nein, auch wenn die Personen in den Videos vorgeblich Spaß zu haben schienen, konnte ich ihn auch dort nicht nachvollziehen.

Warum auch? Das Spiel hat weder interessante Mechanismen oder Entscheidungen noch wirklich spannende oder emotionale Momente zu bieten. Es ist ein bisschen Karten ziehen und ausspielen und warten, bis es klappt. Keine große Interaktion untereinander oder Möglichkeiten für geschicktes Spiel. Es hat halt Karten. Ende.

Schade, denn eigentlich hätte das Thema durchaus Möglichkeiten zu bieten. Vor allem einen richtig harten Push-Your-Luck Mechanismus im Ausüben diverser Tricks hätte ich mir hier richtig gut vorstellen können. So ist es alles in allem zu wenig.

Dont drop the soap - Cover
5
10

Don’t drop the soap

Autor: Martin Bruun Pedersen
Spieler: 3 – 6
Dauer: 5 – 15 Minuten
Komplexität: Einsteiger

Transparenz:
Kostenloses Rezensionsexemplar

Don’t drop the soap

Ok, das wird jetzt nicht leicht. Wie geht man die Thematik des Spiels an, die eigentlich lustig sein möchte, aber gleichzeitig einen Hintergrund verwendet, der es einfach überhaupt nicht ist? Wie mag dieses Spiel auf Opfer dessen wirken, was eben durch die fallengelassene Seife in der Knastdusche dargestellt sein soll? Aber ich werde hier einen Move verwenden, den ich vom olympischen Komitee gelernt habe. Wie sie es mit der Politik handhaben, werde ich es nun mit dem Thema machen. Einfach ignorieren und es euch überlassen zu entscheiden, ob ihr den Pfad gehen möchtet oder nicht.

Kicher… guck mal was da auf der Karte ist.

Das Ziel von Don’t drop the Soap ist es, niemals gezwungen zu sein, eine Seife zu legen. Jedoch muss man in seinem Zug genau eine Karte ausspielen und hat man nur noch Seifen auf der Hand, hat man halt Pech.

Auf den ganzen Karten sind dann noch Aktionen, die uns erlauben, anderen Seifen zuzuschieben, Karten zu ziehen oder auch mal die komplette Hand zu tauschen. Alles mit dem Ziel, eben jemanden dazu zu bringen, eine Seife legen zu müssen, damit dieser dann verliert.

Dont drop the Soap - Beispiel

Spiel halt endlich die verdammte Seife!

Zuerst einmal muss ich eines loswerden. Auch wenn ich eigentlich das Thema nicht anschneiden wollte, muss ich es an dieser Stelle nun doch. Denn das Spiel ist nicht witzig. Weder die Illustrationen noch die Wortwitze sorgen dafür, dass ich lachen oder zumindest ein wenig schmunzeln müsste. Ich weiß nicht, wessen Humorzentrum das treffen sollte, aber bei mir gab es keine Regung. Das betraf aber auch meine Mitspielenden. Egal welchen Geschlechts oder welcher Neigung. Die Karten sind halt bunt, in einem seltsamen Zeichenstil und versuchen durch Überdrehtheit zu punkten. Leider hat man dabei eben den Witz vergessen. Nun mag man mir Spießertum vorwerfen. Aber ich habe durchaus auch einen Humor mit bösen Zügen oder kann über Witze unter der Gürtellinie lachen. Sie müssen halt nur gut sein.

Bleibt aber noch das Spiel übrig. Das ist ganz nett. Nicht mehr, nicht weniger. Es funktioniert, ist aber nicht sonderlich clever. Oftmals spielt man eine Karte, weil man es eben muss, nicht weil sie einen besonders weiterbringen würde. Ja, es gibt auch schöne Möglichkeiten Mitspielende gezielt zu ärgern oder sich zu verteidigen, aber die kommen eben auch rein willkürlich auf die Hand.

Wobei ich jetzt auch nicht behaupten kann, dass die Spielrunden vollkommen still und leise vonstattengingen, aber so richtig Stimmung wollte nie aufkommen. Man kann es eben ganz gut runterspielen und irgendwann verliert jemand. Ganz ohne epischen Momente oder Konter.

Canvas - Cover
6
10

Canvas

Autor: Jeff Chin, Andrew Nerger
Spieler: 1 – 5
Dauer: 30 Minuten
Komplexität: Einsteiger

Transparenz:
Kostenloses Rezensionsexemplar

Canvas

Die Kunst des Malens finde ich äußerst faszinierend. Ich selbst bin hier weder von Musen noch von Talent geküsst, aber eigentlich fände ich es auch mal schön mit einer Staffelei, ein paar Farben und Pinseln in der Natur zu sitzen und die Schönheit um mich herum einzufangen. So richtig Bob Ross mäßig, wenn ihr versteht. Aber leider ist es so, dass selbst die ganzen Malen nach Zahlen Packungen zittern, wenn ich nur den Laden betrete.

Zum Glück gibt es Canvas. Ein Spiel, das die Kunst für jeden zugänglich macht. Denn hier komponieren wir einzelne, durchsichtige Karten zu unserem persönlichen Kunstwerk. Doch dabei haben wir weniger Einfluss, als man zuerst denken möchte. Und sorry, der Wortwitz muss raus. Wir klären nun die Frage „Kann Canvas was?“.

Tap. Just a little bit.

Sind wir in Canvas am Zug, haben wir die Wahl aus zwei Aktionen. Zum einen können wir eine neue Karte aus der Auslage nehmen. Die erste ist kostenlos, die weiter hinten liegenden müssen mit Markern bezahlt werden. Dabei gilt ein Handkartenlimit von 5 Stück.

Haben wir dann 3 Karten gesammelt, die wir kombinieren möchten, stecken wir sie zusammen in eine Hülle und präsentieren dieses Gemälde. Dabei erhalten wir Abzeichen für jede Vorgabe, die wir erfüllt haben. Da diese zu Spielbeginn immer wieder neu zusammengestellt werden, gibt es nie die eine Lösung.

Das Spiel endet, wenn alle Mitspielenden 3 Gemälde fertig haben. Dann erhalten wir je nach Aufgabe unterschiedliche Siegpunkte für gesammelte Marker. Wer die meisten hat, gewinnt.

Canvas - Beispiel

No, this is no mistake. It is your picture.

Teilweise ist Canvas schon vermaledeit. Manchmal möchte einfach nichts kommen, was auch nur ansatzweise für die ausliegenden Aufgaben passen möchte. Das sind die Momente, in denen man sich etwas mehr künstlerische Freiheit wünscht. Aber zum Glück trifft das zumeist auch die anderen.

So kombiniert man sich dann Stück für Stück ans Ziel. Schade nur, dass die Kunstwerke einen immensen Grauschleier aufweisen, wenn sie denn dann in der Hülle stecken. Hier hätte ich mir viel knalligere Farben gewünscht, damit sie auch ein klein wenig zur Geltung kommen. Und nein, es reicht leider nicht, die Folie von den einzelnen Karten abzuziehen.

Nichtsdestotrotz ist Canvas ein wunderschön gestaltetes Spiel, das aber dann leider etwas zu sehr vor sich dahinplätschert. Recht meditativ schreitet es voran. Ohne Höhen und Tiefen, aber mit tollen Bildern. Ein nettes Spiel für zwischendurch, dem aber noch einiges an Würze fehlt.

Wir haben Rezensionsexemplare ohne Auflagen vom Verlag bekommen.
Mehr Informationen zu Affiliate Links und Rezensionsexemplaren findet ihr in unserer Übersicht zur Transparenz und in den Bestimmungen zum Datenschutz.

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Written by Christian Renkel
Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.

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