The Game – NSV – 2015

Vorab eine Warnung an euch alle. Flieht, solange ihr noch könnt! Denn „The Game“ wird eure armen, reinen Seelen fressen. Auf ihnen herumkauen und als nicht definierbares Knäuel ausspucken. Doch auch eure geistige Gesundheit ist gefährdet! So dreht nun endlich um! Mich hat das Spiel bereits in seiner Gewalt! Es darf niemand mehr Opfer dieses Dämons in Kartengestalt werden! Niemand!

 

Ihr, die ihr hier eintretet, lasst alle Hoffnung fahren.

Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt. Ihr habt eine Pforte betreten, von der ihr euch besser fern gehalten hättet. Denn nun gibt es keine Umkehr. Doch, was erwartet euch denn bei „The Game“? Die Spieler versuchen gemeinsam das Spiel zu besiegen. Hierzu werden Karten auf 4 Stapeln gelegt. Dabei darf niemand erzählen, was er aktuell auf der Hand hat, sondern versuchen mit dezenten Hinweisen seine Mitspieler zu führen.

Einen genaueren, bebilderten Ablauf dieses Rituals findet ihr in der Gallerie. Möge es euch und eurer Seele helfen.

 


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3 Menschen haben sich auf dieses Wagnis eingelassen… Nennen wir sie einfach mal Anna, Bernd und Christian.

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Wir begleiten Christian, der uns seine Kartenhand offenbart.

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Zögernd fragt er in die Runde: „Ist es okay, wenn ich oben links beginne?“

Murmelnde Zustimmung ist zu vernehmen. So dass er den Stapel mit der 9 beginnt.

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Selbstbewusst platziert er umgehend die 10 auf der 9.

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Da er nun die 2 geforderten Karten pro Zug gespielt hat zieht er wieder nach.

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Bernd ist an der Reihe. Ohne zu fragen legt er die 15 auf die 10 und folgt damit dem Muster, dass die nächste Karte auf diesem Stapel höher sein muss, als die zuvor.

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Anna wirft ein: „Jetzt lass den Stapel bitte in Ruhe.“ Doch Bernd hört nicht auf sie und legt die 22.

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Anna schimpft: „Kannst du nicht hören? Soll ich noch deutlicher werden? Mein Gott, das war echt Scheiße!“

Doch Bernd legt siegessicher eine 12 auf die 22. Denn, wenn man den aktuellen Wert um genau 10 Punkte unterschreitet darf man den Stapel zurückstufen.

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Ohne sich zu entschuldigen spielt Anna weiter.

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Auch die nächste Karte platziert sie sofort.

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Somit ist Christian wieder am Zug.

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Die erste Karte ist noch ziemlich einfach gewählt.

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Doch dann zögert er. Was soll er jetzt tun, jede Karte ist alles andere als optimal. Er fragt in die Runde: „Ist es okay, wenn ich oben rechts einen Sprung mache?“

Bernd antwortet: „Wie groß ist der Sprung.“

Darauf Christian: „Schon etwas.“

Anna bohrt nach: „Kannst du nichts anderes legen?“

Christian schüttelt den Kopf, was Anna wie folgt quittiert: „Naja… einen Tod müssen wir sterben.“

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Bernd keucht auf: „Hör jetzt bitte auf!“

Christian nickt und zieht wieder 2 Karten nach, sein Soll für die Runde ist schließlich erfüllt.

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Bernd erweist sich erneut als Retter in der Not und stuft auch diesen Stapel zurück.

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Im Anschluss baut er die nächste, passende Karte an.

So geht das Spiel nun weiter, bis ein Spieler entweder nicht mehr die benötigte Anzahl an Karten in seinem Zug legen kann (der Dämon hat wieder gewonnen) oder alle Karten abgelegt wurden (auch hier bin ich mir sicher, dass der Dämon insgeheim gewonnen hat, die Spieler aber in Sicherheit wiegen wollte).

Dies irae, dies illa, solvet saeclum in favilla!

Wer bei „The Game“ ein langweiliges Kartenstapeln erwartet, der wird enttäuscht werden. Ich weiß, das Spiel polarisiert, aber in unseren Runden ist es bisher sehr gut angekommen. Runde um Runde hatten wir immer wieder das Gefühl, dass „The Game“ doch ein richtiges Eigenleben führt. Einen kleinen Dämon beherbergt, der einen spöttisch auslacht und einem Karten unterschiebt, die man definitiv nicht brauchen kann. Ständig vor Entscheidungen stellt, die Sieg oder Niederlage bedeuten können.

Diese Spannung wird mit knapp 100 Karten aufgebaut. Manch großes Spiel schafft das nicht mit weitaus mehr Material. Der drohende Schädel im Hintergrund verstärkt diesen Effekt sogar, wobei ich auch von Runden gehört habe, die diesen überhaupt nicht wahrgenommen haben. Für manche mag das Ganze dann doch zu viel des guten Geschmacks sein. Aber ehrlich gesagt finde ich ihn mehr als passend. Er unterstreicht die Stimmung, ohne sich dabei zu sehr in den Vordergrund zu drängen.

Natürlich gibt es Runden, in denen es die Verteilung der Karten unmöglich macht zu gewinnen. Aber was solls? Das Spiel ist so schnell gespielt und begeistert dabei so sehr, dass man einfach noch eine Runde anhängt. Und noch eine… noch eine… noch eine… Und, obwohl es bestimmte Absprachen unterbindet ist es ein sehr kommunikatives Spiel, bei dem die kleinsten Nuancen in der Stimme der Mitspieler dazu beitragen einen Hinweis zu vermuten, den man nun hoffentlich richtig deutet…

So hat es „The Game“ gefühlt innerhalb kürzester Zeit zum meistgespielten Spiel in meiner Sammlung geschafft, ohne dabei ausgelutscht zu sein. Vielen Dank dafür und für die neuen Flüche, die ich von bisher total unscheinbaren Mitspielern lernen durfte…

 

 

The Game

Nürnberger Spielkarten Verlag 2015


Autor: Steffen Benndorf
Dauer: ca. 15 Minuten
Spieler: 1-5
Schwierigkeit: Einfach

Anmerkungen

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