Ich weiß nicht genau, warum mir beim Verfassen des Spielberichts zu Sheriff of Nottingham als erstes Mel Brooks „Robin Hood – Helden in Strumpfhosen“ in den Sinn gekommen ist. Nein ehrlich, das soll nun keine billige Überleitung werden, sondern es tauchte sofort das Bild in meinen Gedanken auf. Ich habe den Film damals im Kino gesehen und fand ihn nur noch genial. Als er dann auf VHS veröffentlicht wurde habe ich meinen Vater bekniet ihn mir aus der Videothek mit zu bringen. Zum Glück fand er die Idee gut und so landete das Video bald in unserem Rekorder. Auch diesmal habe ich mich weggeschmissen vor Lachen. Heute verhilft mir der Film eher zum einen oder anderen gequälten Lächeln. Ob es nun daran liegt, dass man die Pointen inzwischen auswendig kennt oder man sich einfach humoristisch weiter entwickelt hat?

Und genau eine solche Weiterentwicklung gab mir bei der Lektüre der Regeln zu Sheriff of Nottingham das Gefühl, dass mir das Spiel wahrscheinlich nicht so zusagen würde. Man hat inzwischen bereits so viel gespielt, seine Lieblinge gefunden und auch den Komplexitätsgrad weit nach oben korrigiert. Kann also ein leicht kommunikatives Partyspiel wirklich Spaß machen? Das Gefühl hatte mich dann auch dazu bewegt anderen Spielen den Vorzug zu geben, wenn Testrunden anstanden. Und so rutschte die erste Partie immer weiter nach hinten. Was danach geschah erfahrt ihr im Fazit.

 


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Spielen wir Sheriff of Nottingham zu viert. Lila beginnt mit der Rolle als Gesetzeshüter. Die drei Ablagestapel wurden offen gebildet, so dass jeder am Tisch ungefähr weiß wo welche Karten liegen.

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Blau, links von lila sitzend, startet den Zug. Auf der Hand befinden sich aktuell 4 legale (grüne) und 2 Schmuggelwaren (rote)

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Er legt zwei Karten weg.

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Dafür darf er sich vom Ablage- oder Zugstapel neue Karten nehmen.

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Er nimmt sich die Seide und die darunter liegenden Äpfel vom rechten Ablagestapel. Jeder konnte sehen, was er nimmt. Hat er jetzt die Seide nur genommen, um an die darunter liegenden Äpfel zu gelangen oder waren die nur zur Ablenkung da, damit er Schmuggelware in die Stadt bekommt?

Die zwei zur Seite gelegten Karten verteilt blau nun beliebig, aber offen, auf den drei Ablagestapeln.

 

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Nun ist grün am Zug. Er hat eine komplette Kartenhand aus legalen Waren.

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Um diese zu optimieren legt er 4 der Karten ab.

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Dafür bedient er sich am linken Ablagestapel, um dort seinen Käsevorrat aufzustocken.

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Gelb hat 4 legale und 2 Schmuggelwaren.

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Er legt 2 Hühner ab.

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Und nimmt sich dafür 2 Brote.

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Der Handel ist vorbei, nun bereiten die Spieler ihre Transporte auf den Markt vor.

Blau steckt geheim 4 Äpfel in den Beutel, übergibt diesen dem Sheriff und sagt „4 Äpfel“. Wichtig, in diesem Zug darf man nicht lügen, was die Anzahl der Karten angeht. Aber beim Inhalt. Man darf hier nämlich lediglich 1 legale Ware nennen. Keine Schmuggelware und keine verschiedenen legalen.

 

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Grün packt 5 Käse in den Beutel und sagt dies dem Sheriff auch bei der Übergabe.

 

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Gelb versucht sich im Schmuggel, sagt dem Sheriff jedoch, dass er im Transport 3 Brote hätte.

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Nun ist der Sheriff an der Reihe, er überlegt sich, wem er trauen kann und wer ihn anlügt.

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Er gibt dem grünen Spieler seine Käselieferung zurück, weil er gesehen hat, was er aus der Ablage gezogen hat.

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Dieser legt den kompletten Käse in seinen Marktstand.

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Bei blau zögert der Sheriff. Um den Eindruck eines Schmuggels noch zu verstärken bietet der blaue Spieler ihm noch 3 Gold an, wenn er seinen Beutel einfach in Ruhe lässt.

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Der Sheriff schluckt den Köder und öffnet die Lieferung. Da sich in diesem lediglich die angegebenen Waren befinden muss der Gesetzeshüter dem blauen Händler eine Strafgebühr bezahlen. Und zwar 2 je Apfel.

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Blau freut sich, er hat nicht nur seinen Markstand aufgestockt, sondern auch noch zusätzliches Geld damit verdient.

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Bleibt gelb übrig. Dieser Spieler pokert und sagt dem Sheriff auf Rückfrage, dass er ihm nichts gibt, da er nur legale Waren im Beutel hat.

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Der Sheriff glaubt ihm nicht und findet beim Öffnen 2 Fässer Met. Für diese bezahlt der gelbe Spieler nun jeweils 4 Gold Strafgebühr an den Sheriff.

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Die Metfässer wandern auf den Ablagestapel, das richtig deklarierte Brot darf an den Marktstand.

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Das Ganze geht nun so lange weiter, bis jeder zweimal Sheriff war. Danach werden Bonuspunkte für einzelne, legale Waren vergeben. Die Händler mit den meisten/zweitmeisten werden belohnt.

Im Anschluss verkauft jeder noch seine kompletten Waren zum aufgedruckten Wert (auch die Schmuggelwaren). Wer nun das meiste Geld hat, hat gewonnen.


Fazit

Also eins muss man Sheriff of Nottingham schon zu Gute halten. Es ist ein Spiel, das ohne viel Regel-Firlefanz auskommt. Man bekommt, was man erwartet. Ein nettes, kommunikatives Spiel. Den Part, in dem die Spieler mit dem Gesetz verhandeln, kann man hier natürlich nur bedingt darstellen. Teilweise ist dieser auch extrem kurz. Auf der anderen Seite kommen wirklich interessante Angebote zustande. Vor allem, wenn der Händler nicht hinterm Berg hält nun Ware zu schmuggeln und er den Sheriff am Umsatz beteiligen möchte. Oder blufft er nur, damit der Sack geöffnet wird? Eigentlich weiß man als Sheriff häufig nicht, was man genau tun soll. Für manchen ist diese Ungewissheit eine Art spannendes Poker um Reichtümer. Die anderen fühlen sich dadurch eher genervt.

Aber das sind zumeist auch diejenigen, mit denen man Sheriff of Nottingham einfach nicht spielen sollte. Hardcore Euro-Gamer-Mathematiker. Ich möchte diese Spielgruppe damit jetzt nicht herabsetzen, sondern einfach nur vermitteln, dass sie selbst und alle Mitspieler einfach keine Freude haben werden. Denn Sheriff of Nottingham sollte nicht durchkalkuliert werden. Denn dann würde einem auffallen, dass auf lange Sicht gesehen es wahrscheinlich lukrativer ist nur legal zu liefern, ab und an erwischt zu werden (um so eine Strafzahlung zu erhalten) und dann den einen oder anderen Marktkönig abzugreifen. Aber solch ein Verhalten würde die Spieldynamik einfach vollkommen untergraben. Und nur Warmduscher versuchen nicht mal eine Armbrust zwischen den Äpfeln zu verstecken

Was übrig bleibt ist ein nettes Spiel, das ab und an seine Berechtigung hat. Manchmal wird man Sheriff of Nottingham hervorkramen und gern ein paar Runden absolvieren. Je nach Stimmungslage mal häufiger, mal seltener. Aber das war es dann auch schon. Ein Spaß für Zwischendurch, der einen bei zu häufiger Anwendung einfach übersättigt. Und bevor ich es vergesse, ich hatte ja versprochen, dass ich mehr dazu erzähle, was passierte, als ich mich endlich zum Spiel überwunden hatte. Ich war ehrlich nach der ersten Partie positiv überrascht. Es ist einfach schön gewesen zu sehen, dass man sich nach der Lektüre einer Regel mal dermaßen irren kann. Inzwischen ist es so, dass ich Sheriff of Nottingham gerne mal bei Wenigspielern verwende oder einen gelungenen Spieleabend damit ausklinge. Es käme mir jedoch nie in den Sinn einen kompletten Abend nichts anderes spielen zu wollen. Aber das will das Spiel auch nicht. Warum auch, macht es seine Arbeit in dem selbst gewählten Bereich doch bereits gut genug, um sein Dasein zu rechtfertigen.

 

Sheriff of Nottingham

Acane Wonders 2016


Autor: Sergio Halaban, Andre Zate
Dauer: ca. 15 Minuten je Spieler
Spieler: 3-5
Schwierigkeit: Einfach

Anmerkungen