Gebt es zu, ihr seid wie ich. Geschichte lief in der Schule eher an euch vorbei. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass die Lehrer den Stoff nicht richtig vermitteln, oder ich mich einfach nicht in die Zeit einfühlen konnte. Die ganzen Schicksale und Entwicklungen, die man nicht erfassen konnte. Entsprechend war mir nicht geläufig, das portugiesische Seefahrer im 15. Jahrhundert aufbrachen, um die Küsten Afrikas zu kartographieren, also der Hintergrund, auf dem „Navegador“ beruht.

Ob das Wissen, beziehungsweise das Interesse für Geschichte durch Spielen erweckt wurde, wage ich zu bezweifeln. Manchmal mag man dadurch auf ein Thema stoßen, mit dem man sich beschäftigen könnte, jedoch denke ich, dass erst die Lebenserfahrung ein gewisses Verständnis für die Probleme fördert, wodurch Geschichte dann erst Lebendig und Nachvollziehbar wird. Aber, weg von der Küchenpsychologie und hinein in ein Abenteuer auf dem Seeweg nach Japan.

Navegador


Wer an der Küste bleibt, kann keine neuen Ozeane entdecken

(Magellan)

In „Navegador“ bewegen wir uns auf dem bekannten Rad, um unsere Aktion auszulösen. Hierbei können wir neue Gebiete entdecken, Kolonien aufbauen, Ressourcen veredeln oder verkaufen und unsere Heimat ausbauen. Ziel ist es über die Privilegien genügend Siegpunkte zu generieren, um zum Schluss zu gewinnen.

Bebilderte Beispielszüge findet ihr in dieser Galerie:

  • Navegador
    Hier gibt es ein paar Beispielszüge im Spiel zu Zweit.
  • Navegador
    Wir sind Startspieler und werfen einen Blick auf das Aktionsrad.
  • Navegador
    Zu Beginn dürfen wir uns unseren Startpunkt aussuchen. Wir stellen uns auf "Segeln".
  • Navegador
    Zwei Schiffe stehen in Portugal.
  • Navegador
    Mit diesen fahren wir 1 Feld nach Guiné.
  • Navegador
    Mit zwei Schiffen können wir das neue Seestück entdecken. Eines geht dabei jedoch immer verloren (kommt zurück in den Vorrat).
  • Navegador
    Dafür erhalten wir die Entdeckerscheibe.
  • Navegador
    Außerdem werden die Kolonien aufgedeckt. Wir erhalten den Betrag des günstigsten Plättchens.
  • Navegador
    Danach verbleiben die Kolonien jedoch an Ort und Stelle.
  • Navegador
    Unser Gegner hat aktuell den Navegador, den er auch sofort einsetzt. Dadurch erhält er eine gratis Segelaktion.
  • Navegador
    Dies nutzt er um Bahia zu entdecken.
  • Navegador
    Danach erhalten wir den Navegador und können ihn ab unserem nächsten Zug einsetzen.
  • Navegador
    Das orange Boot wird auf unseren aktuellen Standort gesetzt. Haben wir den Navegador nicht eingesetzt, bis wir das nächste Mal an dieser Aktion ankommen, verlieren wir ihn.
  • Navegador
    Danach kommt die normale Aktion unseres Gegners. Er entscheidet sich für "Kolonie".
  • Navegador
    Für diese Aktion benötigt man 2 Arbeiter und 1 Schiff.
  • Navegador
    Wir starten mit 3 Arbeitern, also sind die geforderten 2 erfüllt.
  • Navegador
    Das Schiff steht bereit. Er kann sich für 50 die günstigste Zuckerkolonie kaufen.
  • Navegador
    Die Kolonie nimmt er in seinen Bestand.
  • Navegador
    Nun sind wir wieder an der Reihe. Von unserem aktuellen Standpunkt dürfen wir 1 - 3 Felder weit im Uhrzeigersinn laufen, um unsere nächste Aktion auszusuchen. Für jedes weitere Feld müssten wir ein Schiff abgeben.
  • Navegador
    Wir entscheiden uns jedoch für das Feld "Arbeiter".
  • Navegador
    Je Kirche dürfen wir für 50 einen Arbeiter kaufen.
  • Navegador
    Aktuell befinden wir uns in Phase 1. Das bedeutet, dass wir weitere Arbeiter für 100 kaufen dürfen.
  • Navegador
    Wir geben 150 aus und erhalten dafür 2 Arbeiter.
  • Navegador
    Unser Gegner wählt das Feld "Privileg".
  • Navegador
    Es gibt 5 verschiedene Privilegien, von denen er sich eines aussuchen darf, dafür verliert er jedoch 1 Arbeiter.
  • Navegador
    Er wählt die Kirche. Das bringt ihm einen sofortigen Bonus von 50 je eigener Kirche. Die aufgedruckte 2 gilt für die Siegpunkte zum Schluss des Spiels.
  • Navegador
    Wir sind am Zug und begeben uns auf die "Kolonie".
  • Navegador
    Hier kaufen wir uns eine Gold Kolonie.
  • Navegador
    Unser Gegner wählt den "Markt".
  • Navegador
    Im Bestand hat er eine Zucker Kolonie, sowie ein Häuschen zur Veredelung eines beliebigen Rohstoffs.
  • Navegador
    Aktuell sieht der Markt wie folgt aus.
  • Navegador
    Er entscheidet sich ein Zucker zu verkaufen (50) und Gewürze zu veredeln (30). Er verschiebt die Steinchen (Verkauf nach unten - Veredelung nach oben) und nimmt sich die verdienten 80.
  • Navegador
    Wir kümmern uns nun um den "Schiffsbau".
  • Navegador
    Je Werft dürfen wir für 50 ein Schiff kaufen und für je 100 weitere.
  • Navegador
    Wir entscheiden uns für 1 Schiff, das in Portugal startet.
  • Navegador
    Unser Gegner kommt nun zum "Baumeister".
  • Navegador
    Er hat immer noch 3 Arbeiter.
  • Navegador
    Damit kann er nur Veredelungshütten bauen. Für Werften und Kirchen benötigt er mehr.
  • Navegador
    Er entscheidet sich für eine Zuckerhütte, die ihn 50 kostet.
  • Navegador
    Die Hütte stellt er zu seiner bereits bestehenden.
  • Navegador
    Das Spiel geht weiter, bis jemand Nagasaki entdeckt hat, oder alle Gebäude verbaut wurden. Zum Schluss werden die Punkte verrechnet. Die meisten gibt es für die Privilegien. Hier wird die entsprechende Spalte addiert und mit den zugehörigen Zielen multipliziert. Beispiel grün. Hier geht es um Kolonien. In dieser haben wir 4 Punkte. 11 Kolonien befinden sich in unserem Bestand, wodurch wir 44 Siegpunkte erhalten. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Wo Wege vorgeschrieben sind bleiben Entdeckungen aus.

(Erhard Horst Bellermann)

„Navegador“ ist genau mein Spiel. Relativ einfache Regeln ohne immens viele Ausnahmen und dennoch ein tiefes Spielgefühl. Dabei unterscheidet sich das Spiel zu zweit immens von einer vollen Besetzung. Beides fühlt sich jedoch genau richtig an. Wo das Spiel zu zweit oftmals ein Kompromiss mit einem blöden neutralen Spieler ist, haben wir hier das komplette Erlebnis.

Mit jedem Zug ist man wieder und wieder gezwungen zu überlegen, wie weit man mit dem Aktionsrad pokert und wo einem ein Gegner dann eine uns wichtige Aktion wegschnappen könnte. Zumindest am Anfang. Im späteren Spielverlauf zeichnet sich immer mehr ab, auf welche Punkte man sich eingeschossen hat und welche Aktionen für einen wichtig wären. Konzentrieren wir uns auf Kolonien müssen wir eben versuchen so viele, wie möglich zu erhalten. Heißt Geld scheffeln, Schiffe platzieren und kolonisieren. Bei Kirchen ein ähnliches Bild. Geld scheffeln, Arbeiter vorhalten und Kirchen bauen. Das kann für den einen oder anderen vielleicht negativ sein, mich persönlich hat es bei keiner meiner Partien gestört. Wenn der Plan aufgeht, fühle ich mich dafür einfach zu sehr bestätigt.

Obwohl „Navegador“ nach „Imperial 2030“ erst mein zweites Mac Gerdts Spiel ist, kann ich mich selbst inzwischen als kleinen Fan bezeichnen. Ich kenne nur wenige Spiele, die mich thematisch so in den Bann ziehen können, mich mit interessanten Aktionen fesseln, ohne mich einem Regelwulst zu erschlagen.

Mein einziger Kritikpunkt sind die „Veredelungs-Joker“. Das sind die orangen Häuschen, die jeder Spieler zu Beginn hat. Hier wäre eine andere Farbwahl sicher besser gewesen. Sie sehen den gelben einfach zu ähnlich. Vor allem, wenn kein Tageslicht zur Verfügung steht und/oder man etwas farbenblind ist.

Navegador

Aber sei es drum. Lieber finde ich dafür eine Lösung, als auf „Navegador“ verzichten zu müssen. Ein Spiel, das selbst meine Frau immer wieder fordert. Das ich mit Anfängern, wie Profis gleichermaßen spielen kann. Für mich auf jeden Fall ein moderner Klassiker, den ich nie wieder aus meiner Sammlung lassen werde.

Navegador – PD-Verlag – 2010

Autor: Mac Gerdts
Spieler: 2 – 5
Schwierigkeit: Einsteiger bis Profis
Dauer: ca. 20 Minuten je Spieler

Nach „Navegador“ Lust auf weitere elegante Spiele?

Yokohama

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