Master of Orion – Spieleschmiede

Ich muss zugeben. Als „Master of Orion“ auf dem PC aktuell war, habe ich lieber Adventures gespielt. Mir war das damals auch zu umfangreich und zu trocken. Aber dennoch war da diese Faszination, die mich dazu verleitete in PC Spielezeitschriften die Screenshots lange anzustarren und auf mich wirken zu lassen. Doch die Zeit zur Einarbeitung wollte ich nie aufbringen. Das hatte ich bei Civilization gemacht. Ein Spiel mit dem ich viel Spaß hatte, aber bei dem ich auch nie tief genug eingestiegen bin. So ist die Brettspielumsetzung mein tatsächlicher erster Kontakt zu „Master of Orion“. Ob das gut geht?

Master of Orion 


Es gibt keinen bequemen Weg, der von der Erde zu den Sternen führt.

(Lucius Annaeus Seneca)

In „Master of Orion“ bauen wir unser System aus, um Rohstoffe zu fördern und Punkte einzuheimsen. Dazwischen fliegen wir Angriffe auf unsere Gegner. Alles, um zum Schluss mit den meisten Punkten da zu stehen.

Einen bebilderten Spielablauf findet ihr in dieser Galerie:

Heute spielen wir zu zweit eine Runde Master of Orion.
Zu Rundenbeginn prüfen wir, wo unsere höchste Ressource steht. in unserem Fall ist es Essen. Das verschafft uns insgesamt 4 Aktionswürfel für diese Runde.
Diese nehmen wir in unseren Vorrat.
Wir sind Startspieler und werfen einen Blick auf unsere Karten.
Danach verschieben wir einen unserer Aktionswürfel auf "Contract".
Für diese Aktion müssen wir 3 unserer Handkarten abwerfen.
Dafür erhalten wir einen Advisor. Wir prüfen die Auslage.
Und entscheiden uns für Quail.
Unser Gegner wählt "Construction".
Er legt eine seiner Handkarten aus. Insgesamt stehen 4 Systeme (Kartenreihen) zur Verfügung, in die wir bauen dürfen.
Wie auf der Karte angegeben muss er dafür 2 Essen und 1 Flotte ausgeben.
Auch wir wählen "Construction".
Damit bauen wir einen Satelliten.
Unser Advisor erlaubt uns, dass wir beim Bauen von schwarzen Karten eine Ressource weniger bezahlen müssen. Wir zahlen also "nur" 2 Essen.
Unser Gegner wählt "Exploitation".
Er wirft eine seiner Handkarten ab. Unten links auf der Karte sieht man, was er dafür erhält.
In diesem Fall zieht er 4 Karten. Von diesen wählt er 3 aus.
Die vierte wirft er ab. Seine Alienrasse bietet noch den Bonus, dass er eine Ressource "Flotte" erhält.
Wir nehmen "Research".
Dafür dürfen wir 2 Karten ziehen, welche wir auf die Hand nehmen.
Unser Gegner baut wieder.
Er spielt die zu bauende Karte aus.
Für diese bezahlt er 2 Essen und 1 Flotte.
Die Karte erlaubt ihm, nachdem sie gebaut wurde, ein System neu zu arrangieren.
Bis jetzt hat er lediglich 1 System, dort legt er die neue Karte ganz nach unten. Es ist jeweils nur die oberste Karte aktiv, heißt, nur diese kann genutzt werden.
Auch wir bauen wieder.
Diese kostet 2 Essen, 2 Flotte und 1 Produktion.
Auch für gelbe Karten bietet unser Advisor einen Rabatt beim Bau an.
Die restlichen Ressourcen tragen wir jedoch ab.
Unser Gegner setzt wieder auf "Exploitation".
Hierfür wirft er wieder eine Karte ab.
Dafür erhält er die aufgedruckt 3 Essen und die 1 Flotte, die die Alienrasse als Bonus bietet.
Alle Aktionswürfel wurden gesetzt, die Runde ist vorbei.
Alle Aktionswürfel werden zurück in den Bestand gelegt.
Danach erhalten wir Ressourcen. Unsere Karten produzieren insgesamt 1 Essen und 1 Produktion.
Diese schieben wir auf unserer Leiste nach vorn.
Unser Gegner erhält 2 Essen.
Auch er schiebt diese vor.
Danach wird wieder geprüft, wo sich der vorderste Ressourcenwürfel befindet.
Diese Runde erhalten wir 3 Aktionswürfel, eine Karte und steigen um 1 in Moral. Da wir bereits auf 10 sind passiert hier nichts weiter.
Zusätzlich erhalten wir mit unserer aktiven Karte 1 Siegpunkt zu Beginn der Runde.
Nun sind wir bei insgesamt 2.
Zusätzlich bietet unsere Alienrasse einen Vorteil. Wir dürfen 1 Siegpunkt ausgeben, um einen zusätzlichen Aktionswürfel zu erhalten.
Das machen wir natürlich, wir geben 1 Siegpunkt aus.
Und nehmen uns einen vierten Aktionswürfel.
Unser Gegner geht auf "Trade".
Er gibt 2 Flotte ab, um 1 Produktion zu erhalten.
Wir wählen Research und ziehen 2 Karten.
Grün baut wieder.
Er macht ein neues System auf, von dem uns 4 zur Verfügung stehen.
Dafür bezahlt er 3 Essen und 1 Produktion.
Wir wählen "Exploitation".
Dafür werfen wir 1 Essenskarte ab.
Dafür erhalten wir 3 Essen.
Grün baut wieder.
Und überdeckt dabei die aktive Karte des 1. Systems.
Nachdem er sie bezahlt hat nutzt er die "nach dem Bau" Fähigkeit der neuen Karte.
Er wirft einen Aktionswürfel ab.
Da die Karte unter dem neuen Gebäude gelb war, erhält er 5 Produktion.
Wir gehen wieder auf "Exploitation".
Werfen eine Flottenkarte ab.
Und erhalten 2 Flotte.
Da unser Gegner keinen Aktionswürfel mehr hat sind wir erneut am Zug. Das nutzen wir für einen Angriff.
Zuerst wird die Flotte geprüft. Unser Gegner steht auf 2.
Wir auf 3, heißt, wir haben mehr und dürfen angreifen.
Das beschert uns 2 Siegpunkte.
Unser Gegner verliert 1 Moral.
Und wir müssen 2 Flotte abgeben. Erneut sind keine Aktionswürfel mehr verfügbar, die Runde ist vorbei. Das Spiel endet nach 8 Runden, wenn ein Spieler am Ende der Runde auf 0 Moral ist oder ein Spieler seine kompletten Systeme ausgebaut hat. Zuletzt erhalten die Spieler noch Punkte für ihre gebauten Gebäude. Es gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten.


Vor dem Beginn der bemannten Raumfahrt schien auch das Weltall übersichtlicher zu sein.

(Martin Gerhard Reisenberg)

Ganz ehrlich, ich persönlich hätte bei einer Brettspielumsetzung zu „Master of Orion“ ein 4X-Spiel von gigantischen Ausmaßen erwartet. Ein Weltall zur Erkundung, Planeten zur Besiedelung, Raumschiffe zum Bauen und und und. Mit der Umsetzung hier wurde das Prinzip auf ein Minimum reduziert. Dadurch tritt es natürlich nicht in Konkurrenz mit „Twilight Imperium“ und „Eclipse“. Kann es aber überzeugen?

Ja, spielerisch ist es unterhaltsam. Aber gleichzeitig wurde es natürlich mit der Entscheidung, sich lediglich auf Karten zu beschränken, einer gewissen Epik beraubt. Ist das negativ zu sehen? Nein, natürlich nicht, man muss nur wissen, was „Master of Orion“ ist, um nicht durch eine falsche Erwartungshaltung enttäuscht zu sein.

„Master of Orion“ ist ein Spiel, das man bei der ersten Partie nicht wirklich überblickt. Es wird recht holprig laufen, die Maschinerie wird nicht starten wollen und auch so wird es an diversen Ecken und Enden haken. Mit jeder weiteren Partie lernt man die Tücken des Alls weiter zu meistern. Dennoch steht man immer vor demselben Problem. Woher soll man denn die ganzen Ressourcen nehmen? Hier zeigt „Master of Orion“ einen gewissen Hang zum Mangel, den der eine Spieler als Herausforderung sieht, andere aber auch als negativ empfinden können.

Die Alienrassen bieten allesamt ihre Eigenheiten, zwingen einen dabei jedoch nicht unbedingt zu einer gewissen Spielstrategie, von der man nicht abweichen sollte. Die vielen Karten bieten einem viele Gelegenheiten neues zu entdecken und mal etwas anderes auszuprobieren. „Master of Orion“ ist dabei von der Spiellänge recht angenehm, so dass einer neuen Runde nichts im Wege steht.

Wo wir jedoch auch ehrlich sein müssen. Das Kartenglück spielt schon eine gewisse Rolle. Zwar nicht so schlimm, dass es alles entscheidend wäre, aber dennoch präsent.

„Master of Orion“ ist ein Spiel für Punkteakrobaten und Science Fiction Fans, welches ich mit zur „Analysis Paralysis“ neigenden Spielern nicht spielen wollen würde. Da würde für mich die „Leichtigkeit“ verloren gehen. Aber deswegen habe ich wahrscheinlich auch um Längen weniger Siegpunkte, als jemand, der immer den genauen Überblick hat. So bleibt „Master of Orion“ für mich ein gutes, unterhaltsames, aber nicht überragendes Spiel.

Aktuell sammelt die Spieleschmiede Geld für eine deutsche Lokalisation des Spiels. Wer sich für das Spiel interessiert und deutsche Texte bevorzugt, hat noch bis zum 20.12. Zeit einzusteigen.

 

Master of Orion

Spieleschmiede 2017


Autor: Ekaterina Gorn, Igor Sklyuev
Dauer: ca. 40 – 60 Minuten
Spieler: 2 – 4
Schwierigkeit: Fortgeschritten

Anmerkungen

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