Holmes – Kosmos – 2017

Herzlich willkommen zu Rezension 101. Eigentlich wollte ich die 100 groß feiern, aber das habe ich wohl irgendwie verpasst. Also lassen wir halt nun die Korken knallen und widmen uns „Holmes“ von Kosmos.

Viele von euch sind dem wohl bekanntesten Detektiv (oder war das Batman?) bereits begegnet. In Buch, Film und Spielform löst er nun schon seit 130 Jahren so manch brisanten und komplizierten Fall. Einen Aufschwung hatte er die letzten Jahre vor allem durch Verfilmungen als Actionstar mit Robert Downey Jr. und zwei Serien mit zwei komplett unterschiedlichen Ansätzen. Auf der einen Seite hatten wir den schön hochnäsig wirkenden Benedict Cumberbatch, auf der anderen Seite den selbstzerstörerischen ehemals Drogensüchtigen Jonny Lee Miller. Puristen greifen natürlich zum Original von Sir Arthur Conan Doyle. Und Brettspieler bis jetzt vorwiegend zu „Sherlock Holmes Criminal Cabinet“, dem Spiel des Jahres 1985. Einem Spiel, das die Geschichte und die Ermittlung in dieser in den Vordergrund stellte. Einen ganz anderen Ansatz verfolg jedoch „Holmes“. Wie es seinen Job dabei macht lest ihr weiter unten.

Die kleinen Dinge sind unendlich wichtig.

(Sherlock Holmes)

„Holmes“ ist ein reines 2 Personen-Spiel. Über einen Worker-Placement Mechanismus sammeln Holmes und Moriarty Hinweise. Dabei kommen regelmäßig, nach jedem Tag, neue Möglichkeiten zur Gewinnung dieser hinzu. Überansprucht man einen der Helfer muss sich dieser zuerst einmal einen Tag ausruhen, bevor er wieder zur Verfügung steht. Am Schluss vergleichen die Gegner, wer von welchem Hinweis mehr Karten sammeln konnte. Dieser erhält die Punkte dafür. Zusätzlich gibt es noch eine Belohnung für gesammelte Baupläne. Wer mehr Punkte hat, gewinnt.

Einen bebilderten Beispielstag findet ihr in dieser Galerie:

 


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Wir haben das Spiel hier für euch aufgebaut. Die ersten zwei zufälligen Charaktere (Billy und Wiggins) wurden aufgedeckt.

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Der Holmes Spieler beginnt und legt seinen ersten "Arbeiter" auf Inspector Lestrade.

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Er gibt 3 Lupenmarker ab und erhält dafür 2 Karten aus der Auslage. Die Auslage wird nach dem Zug sofort wieder komplett befüllt.

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Moriarty begibt sich zu Wiggins und erhält dafür 5 Lupenmarker.

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Holmes setzt seinen zweiten Arbeiter bei Billy ein.

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Er muss hier eine Hinweiskarte abwerfen.

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Dafür erhält er den Wert der Karte (9) abzüglich den aktuellen Tag (1) an Lupenmarker (also 8).

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Moriarty begibt sich zu Inspec tor Lestrade.

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Und kauft sich für 3 Lupen 2 Hinweise.

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Seinen letzten Arbeiter platziert Holmes auf Dr. Watson.

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Dafür erhält er für 1 Lupe 1 Hinweis.

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Moriarty begibt sich mit seinem letzten Arbeiter zu Billy.

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Er wirft einen Hinweis ab und erhält dafür 5 Lupen.

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Der neue Tag wird vorbereitet. Ein neuer Charakter (Tobi) wird gezogen. Alle Arbeiter wieder aufgestellt und Charaktere, auf denen sich zwei Arbeiter befanden werden umgedreht. Diese müssen sich den kompletten Tag über ausruhen. Nicht betroffen sind die auf dem Spielplan aufgedrucken. Die helfen den Gegnern täglich.

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Am Ende des Spiels sieht die Auslage von Holmes so aus.

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Er konnte während des Spiels 3 verdeckte Hinweise sammeln.

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Diese deckt er nun auf.

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Und legt sie in die in den entsprechenden Reihen mit an. Nun wird abgerechnet. Jeder Hinweis wird einzeln verglichen. Wer mehr Karten in der jeweiligen Kategorie gesammelt hat erhält die abgedruckten Punkte abzüglich der Anzahl an gesammelten Hinweisen seines Gegenspielers. Zuletzt zählt man noch die Punkte für die gesammelten Pläne (in unserem Beispiel 1 Punkt für 2 Karten - siehe Leiste unten am Kartenrand) hinzu. Wer nun mehr Punkte hat gewinnt.

Der menschlichen Kunst der Täuschung sind Grenzen gezogen.

(Sherlock Holmes)

Man sollte sich zuerst einmal bewusst werden, dass „Holmes“, trotz der damit verbundenen Thematik, eben kein deduktives Spiel um einen Fall ist. Wir haben hier ein reines Worker-Placement und Mehrheitenspiel vorliegen. Was nicht enttäuschend ist, jedoch überraschend. Natürlich hätte man hier jegliche andere Thematik über das Spiel stülpen können. Ob man nun Früchte, Werkstoffe, Hinweise, Bücher, Dinosaurierknochen, etc. sammelt wäre spielerisch gesehen vollkommen egal. Jedoch ist „Holmes“ von der Aufmachung sehr gut gelungen. Es wurde auch auf kleine Details geachtet, wie zum Beispiel die Rückseite des Spielplans beweist. Das sind optische Reize, auf die ich voll anspreche!

 

Spielerisch ist das Spiel gut gelungen. Man hat ein gewisses Gefühl des Ungewissen, was kommen mag. Sei es eben zum Beispiel durch die Personen, wann sie ins Spiel kommen oder, ob sie überhaupt mit von der Partie sind. Hier ergeben sich jeweils unterschiedliche Spielsituationen, auf die man sich Runde für Runde einstellen muss. Gleichzeitig bieten die zufällig gezogenen Hinweise, mit denen die Reihe immer wieder aufgefüllt wird, niemals genügend Sicherheit darüber, was nun wert ist gesammelt zu werden. Das mag den einen oder anderen stören, der lieber ständig alle Informationen offen sehen möchte, jedoch passt sich das recht gut ins Spiel ein.

Dennoch ist „Holmes“ kein totaler Überflieger. Ich kann nicht mal genau benennen, was dem Spiel genau fehlt, aber irgendein Kniff ist es. Dennoch haben wir „Holmes“ gerne und intensiv gespielt. Im Markt der reinen 2-Spieler-Spiele gehört es definitiv zu den besseren. Durch die relativ einfachen Regeln und den niedrigen Einstieg ist es sogar leicht schnell mal einen Mitspieler zu finden. Dennoch bietet „Holmes“ genügend Entscheidungsfreiheit, um auch fortgeschrittene Spieler zu unterhalten. Also alles, was man für eine gute Kost für Zwischendurch braucht. Wenn jetzt nur noch der süchtig machende „Nur noch eine Partie“-Effekt eintreten würde…

 

Holmes

Kosmos 2017


Autor: Diego Ibánez
Dauer: ca. 15 -20 Minuten je Spieler
Spieler: 2
Schwierigkeit: Einsteiger

Anmerkungen

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