Pegasus Pressetag Juli 2021 – Hintergründe

Was ist der Pegasus Pressetag?

Zu normalen Zeiten lädt Pegasus regelmäßig Pressevertreter ein, um ihnen die anstehenden Neuheiten zu präsentieren und über allgemeine Entwicklungen der Szene zu sprechen. Weil es niemand mehr hören kann, verkneifen wir uns hier einen Kommentar zu Corona. Nur so viel. Dank der Situation trifft man sich aktuell eben online.

Das bedeutet dann, dass man sich über den PC in eine Konferenz einloggt und da dann über viele Stunden hinweg aus allen Bereichen informiert wird. Was man dafür benötigt, ist erst einmal viel Sitzfleisch und Ausdauer. Belohnt wird man mit tiefen Einblicken, internen Informationen und einem kleinen Care-Paket.

Wo sind die Spiele?

Zu den Spielen wird es einen eigenen Artikel geben. Hier warten wir aktuell noch auf die Pressematerialien, damit ihr neben diversen Eckdaten eben auch noch Bilder und möglichst genaue Veröffentlichungsdaten habt. Wir denken, dass das der bessere Weg ist, bevor wir euch nur die Hälfte präsentieren.

Einblicke in die Hintergründe

In einem Gespräch erzählten Karsten Esser (Geschäftsführer Pegasus Spiele) und Peter Berneiser (Marketing Manager Pegasus Spiele) interessante Informationen. Es war ein bunter Mix aus gesammelten Erfahrungen aus der Corona Zeit und den anstehenden Herausforderungen, die zu bewältigen sind.

Fehlende Touristik

Herausforderungen wie die Logistik, die zum Beispiel dank der mangelnden Touristik dazu führte, dass weniger Flugzeuge flogen, die dann auch weniger Waren zwischen den Ländern transportierten. Hinzu kam, dass das starke Wachstum des Onlinehandels viele Kapazitäten im LKW-Verkehr banden und so allgemein immer weniger Ladefläche verfügbar wurde. Karsten Esser geht davon aus, dass sich der Markt hier erst in 1 – 2 Jahren wieder erholt und die Verlage bis dahin allgemein nicht nur mit Transportproblemen, sondern auch gestiegenen Logistik-Preisen zu kämpfen haben.

Die Preise werden steigen.

Neben diesen stiegen auch die Rohstoffpreise an, was sich garantiert auf die Endkundenpreise auswirken wird. Kein Verlag kann die gestiegenen Kosten auf sich nehmen und gleichzeitig wirtschaftlich überleben.  Wie sich die Preise entwickeln werden, konnte jedoch noch nicht genau gesagt werden.

Kleine Verlage stehen vor Problemen.

Esser geht davon aus, dass die breite an Spieleneuheiten in den nächsten 12 Monaten schrumpfen wird. Nicht dramatisch, aber eben spürbar. Neben den gestiegenen Kosten sind hier auch die Druckereien mit verantwortlich, die eine höhere Auslastung verbuchen können. Schon vor Corona hatten Druckereien eine jährliche Zuwachsrate im zweistelligen Bereich, was dafür sorgt, dass man nicht mehr so einfach Produktionsslots bekommt.

Gerade kleinere Verlage haben hier Probleme, überhaupt beliefert zu werden. Doch auch wenn die Situation angespannt ist, wird Pegasus keine eigene Druckerei gründen, da es Jahre dauern würde, das nötige Know-How und Personal aufzubauen.

Alles in allem bezeichnet Esser die Spielebranche als einen der Sieger der Pandemie. Grob kann man sich das dadurch erklären, dass die Menschen viel mehr Zeit zu Hause verbrachten und dementsprechend auf altbewährte Hobbys zurückgriffen. Dabei waren bekannte Klassiker ein solides Steckenpferd, da Spiele außerhalb der Brettspielblase eher zu Titeln griffen, die sie kannten. Davon haben dann eben wieder eher die großen Verlage profitiert.

Expertenspieler kaufen Markt leer.

Interessant war laut Esser auch zu beobachten, dass auch der Markt für Hardcore Spiele stark zugenommen hat. Viele Titel waren hier bereits zur Veröffentlichung ausverkauft, was vor allem bei teuren Spielen verwunderte. Esser erklärt sich auch dieses Phänomen dadurch, dass eben mehr Zeit zur Verfügung stand, sich mit komplexen Titeln auseinanderzusetzen. Aber auch die Menge an Anfragen von Schulen war überraschend. Diese haben festgestellt, dass Spiele im Allgemeinen für Kinder eine interessante Tätigkeit sind, die nun wieder mehr in den Fokus genommen werden soll.

Mehr Zeit, mehr Protoypen?

Auf die Frage hin, ob inzwischen mehr Spielideen und Prototypen bei den Verlagen landen, waren sich Pegasus (Klaus Ottmaier), Feuerland (Frank Heeren), Frosted Games (Matthias Nagy) und Deep Print (Peter Eggert) ziemlich einig, dass es keine Zunahme von Einreichungen gab. Zusätzlich stellte sich heraus, dass das reine digitale Testen dem Realen nicht das Wasser abgräbt. Denn vor allem die Haptik, welche bei einem Spiel extrem wichtig ist, kann so nicht genau eingeschätzt werden.

Einzig Sarah Stark (Mühlenkind) konnte bestätigen, dass vermehrt Werke von noch nie in Erscheinung getretenen Autoren eingereicht wurden. Da bei Kinderspielen die Einstiegshürde als geringer angesehen wird und durch die reine online Präsentation keine Anreisekosten entstehen, geht Stark davon aus, dass eben dies für viele als Motivation angesehen wird. Dabei ist die Qualität der Ideen stark durchwachsen. Zusätzlich ergibt sich das Problem, dass es viel mehr unvollständige oder unausgegorenen Einreichungen gibt.

MicroMacro, ein geplanter Erfolg?

Michael Schmitt (Edition Spielwiese) war sich bewusst, dass er dieses Spiel, als es ihm angeboten wurde, nie wieder aus den Fingern lassen durfte. So dachte er auch, dass es auch bei Pegasus eine Art Selbstläufer werden würde, wenn er es dem Verlag präsentiert. Dass sich MicroMacro aber als solcher Erfolg erweisen würde, hätte niemand gedacht.

Dabei ist die Nominierung zur Wahl zum Spiel des Jahres nur ein kleines Puzzleteil dieser Geschichte. Im ersten Jahr wurde inzwischen eine sechsstellige Summe an Spielen verkauft und es sieht so aus, als wäre kein Ende in Sicht. Nach aktuellem Stand wird MicroMacro in 31 Sprachversionen übersetzt. Man wird noch sehen müssen, wie es sich hier schlägt, da man vor neue Herausforderungen gestellt wird. So müssen in Deutschland funktionierende Symbole nicht unbedingt auch im asiatischen Raum gleichermaßen verstanden werden.

Wo bleibt MicroMacro 2?

Die Produktion eines neuen MicroMacro Teils nimmt viel Zeit in Anspruch, da der Qualitätsanspruch entsprechend hoch ist. Für den zweiten Teil hat man sich neben diversen Überraschungen vorgenommen, nicht nur interessante Geschichten zu erzählen, sondern auch eine komplett funktionsfähige Stadt zu planen. Der neue Stadtplan lässt sich unterhalb an den aktuell bestehenden anlegen und ergibt dadurch ein riesengroßes Bild.

Pegasus landet in Amerika

Das Pegasus Nord Amerika Studio wird am 1.7.21 seinen offiziellen Betrieb starten. Neben einem immensen Kundenstamm verspricht man sich dadurch natürlich auch Zugriff auf viele kreative Personen. Dadurch soll es eine neue Fülle an tollen Spielen geben. Aber nicht nur das. Auch Autoren, die bei Pegasus in Deutschland unter Vertrag genommen werden, können direkt davon profitieren, dass ihr Spiel zeitgleich in Amerika veröffentlicht und dementsprechend einer viel breiteren Masse an Menschen zugänglich gemacht wird.

Written by Christian Renkel
Christian liebt Brett- und Videospiele mehr, als ausreichenden Schlaf. Dabei ist ihm am wichtigsten, dass er in der jeweiligen Welt versinken kann. Egal, ob es die geschickte Mechanik oder die überkochende Emotion ist.So erreicht ihr ihn: Christian@Spielstil.net

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